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Den Balkan erkunden ... und ein Stueck Tuerkei

Kleine und große Abenteuer auf dem alten Kontinent

Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon onkelfrank » 12.09.2015 10:19

Hi Pip,

danke für den schönen Bericht und die sehr guten Bilder. Für mich war das sehr interessant zu lesen da ich überlege im nächsten Jahr eine Balkan Tour zu machen. Ob jetzt mehr Strasse oder auch Offroad steht noch nicht fest aber dein Bericht hat mich bestärkt mal in diese Region zu Reisen.

Gruß Frank
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 26.06.2016 13:15

Im Sommer 2015 ergab sich kurzfristig die Gelegenheit fuer 2 Wochen Urlaub. Zwar stand das Mopped stand abfahrbereit bereit, aber sonst war nichts geplant. Ich zog einfach eine Handvoll Karten aus dem Regal und fuhr los.

Nach einem Kurzbesuch bei einem Freund in Muenchen ging es Richtung Oesterreich und Slovenien. Die Route ueber Nebenstrassen suchte ich mir mittels einer Kartensoftware auf dem Tablet und dem Navi, so dass ich weder Autobahnen noch Maut in Kauf nehmen musste. Irgendwo bin ich dann aber wohl doch falsch abgebogen. Jedenfalls endete ich am Tauerntunnel, wo es auf einem Autozug weitergeht. Hier sind 17 EUR Gebuehr zu zahlen - aber Garmin schien das nicht als Maut, sondern vielleicht eher als Faehre zu kategorisieren ... Zu meinem Glueck kam dann noch dazu, dass man alle ausser mir auf den Zug liess.
Fuer die naechste Stunde stand ich also ganz vorne in der Schlange.

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Die Nacht verbrachte ich in Obervellach, wo es 2 Campingplaetze direkt nebeneinander gab. Der erste schien das volle Programm (inkl. Animation etc.) zu bieten und war voller Wohnwagen, aber der zweite wirkte sehr nett. Nachts ertoenten dann Geraeusche, als ob sich eine Dampflok durchs Tal schnauffte. Aber vielleicht war das auch nur ein Drache, der seine Jungfrau irgendwo auf einem der Berggipfel beschuetzte.

Weiter ging es dann auf kleinen Wegen zu den Plitvicer Seen in Kroatien. Im Gegensatz zum letzten Jahr suchte ich mir jetzt einen der kleineren Campingplaetze, der deutlich guenstiger, sauberer und weniger ueberlaufen war. Ein Franzose war mit dem Fahrrad unterwegs und hatte sein Zelt mittig auf einer grossen Freiflaeche aufgebaut. Jonathan erzaehlte, dass er am Beginn einer Weltreise stand und auf dem Weg nach Indien war. Er tat mir leid, als dann kurz vor Sonnenuntergang ein Konvoi hollaendischer Wohnmobile vorfuhr und mit millitaerischer Praezision direkt vor ihm Stellung bezog.

Am naechsten Tag ging es dann fuer mich nicht zu den beruehmten Seen, sondern auf die Suche nach dem Zeljava Flugplatz. Schon vor Jahren hatte ich davon gehoert, aber erst nach der letzten Reise hierher gewusst, wo genau er sein sollte. Der Platz war nur 10 Minuten weit weg und schnell gefunden, direkt auf der Grenze zwischen Kroatien und Bosnien.

Schon die Zugangsstrasse ist ueberwuchert.

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Speedbird G650 ready for departure on runway 32 left!

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Die Flugzeuge hatte man in einem Tunnel im Berg verborgen.

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Zudem gab es neben der Einfahrt noch ein altes Flugzeug, welches wie eine DC-3 aussah. Allerdings gab es auch eine russische Version davon, bei dem die Fertigungsmasse von Zoll in Millimeter umgerechnet worden waren. Ich habe nicht nachgemessen, was genau hier nun vor mir stand.

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Laut Wikipedia hatten die Baukosten 6 Milliarden Dollar betragen, und einst waren hier 4 MI-21 Staffeln stationiert. Auch wenn ich selber niemanden begegnet bin, habe ich von mehreren Bekannten gehoert, dass sie von Grenzpolizei angehalten worden sind, die dann freundlich erklaert hat, dass es Sperrgebiet sei. Wichtig ist, dass man das Gebiet wieder so verlaesst, wie man gekommen ist, da es sonst als illegaler Grenzuebertritt verstanden werden kann.

Und so bin ich dann auch ganz legal ueber den nahen Grenzuebergang nach Bosnien eingereist. Meine 1:500,000 Karte zeigte wenig Details, aber ich lernte schnell, dass ausser den roten und blauen Hauptrouten jede andere Strasse sich beliebig in eine Schotterpiste verwandeln konnte. Ca. 2km hinter Bihac sah ich zudem mein erstes Minenfeld.

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Im naechsten Dorf gab es dazu auch eine Karte.

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Hier und da standen verlassene Haeuser, und auch sonst sah man immer wieder Einschussloecher in den Waenden ... und natuerlich Strassenschildern.

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Spaeter sah ich dann noch eine Hochzeitsgesellschaft in Mrkonjic Grad, komplett mit weisser Stretch-Limo. Eine der Gaeste sah aus, als ob sie die Braut in den Schatten stellen wollte. Passend zum Kirchturm hatte sie sich komplett in Gold gekleidet ... Das hab ich dann aber nicht fotographiert - so gut sah sie eh nicht aus.

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In Jaijce fand ich dann einen riesigen Campingplatz, der sicher hunderte Wohnwagen Platz bieten wuerde, und noch unter dem abgelegensten Baum gab es WLan empfang. Zu dieser Zeit waren aber hoechsten ein Duzend Gaeste da.
Zuletzt geändert von pip am 20.09.2017 22:52, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 26.06.2016 14:13

Weiter ging es gen Osten und gut 50km suedlich an Sarajevo vorbei. Hier gab es mehr Schotterpisten durch idyllische Landschaften. Im krassen Gegensatz dazu waren die Hauptstrassen, deren Seitenstrassen grundsaetzlich vermuellt waren. Gab es irgendwo einen Platz zum Anhalten, konnte man sicher sein, dass man im Muell stand. Zugegeben, in einem Land voller Mienen wuerde ich mich auch nicht nach fremden Muell buecken.

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So kam ich in den Sutjeska Nationalpark mit dem Kriegsdenkmal in Tjensiste. Hier traf ich 4 Harleyfahrer, die von einem Bikertreffen in Montenegro auf dem Rueckweg nach Sarajevo waren. Es war spaeter Vormittag, bruetend heiss, und zur Abkuehlung hatte ein jeder eine Buechse Bier in der Hand. Ich bin froh, dass sie mir nicht auf der Strasse begegnet waren ...
Wir unterhielten uns ueber Moppeds und Biersorten, und ich erfuhr, dass an dieser Stelle 1943 Tito unter heftigen Verlusten einer deutschen Uebermacht Widerstand bot.

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Mich zog es weiter nach Cajnice und ueber die Grenze nach Montenegro. Zunaechst musste ich aber aus Kroatien ausreisen. Der Grenzbalken war herabgelassen und verlassen. In den angrenzenden Gebaeuden ("Hallo, jemand da?") fand ich schliesslich ein grueppchen Grenzer beim Kochen. Ein kurzer Blick in den Ausweis, dann ging der Balken hoch, und ich wurde wortlos durchgewunken. Wahrscheinlich hatten sie alle noch den Mund voll ...

In den letzten Sonnenstunden des Tages fuhr ich auf einen Campingplatz direkt an der Bruecke ueber die Tara Schlucht. Zum droehnen eines Dieselgenerators fiel ich in Tiefschlaf.

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Am Morgen programmierte ich eine Route ueber kleinste Wege nach Petnijca, Niksic und Kotor. Die offenen Ebenen hier im Hochland Montenegros stehen im krassen Kontrast zu den Bergen und Waeldern im Sueden.

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Ein Damm nahe Niksic bot sich als Ruheplatz zum Fruehstuecken an. In den letzten Tagen war ich ueber die Motorradkarawane in Kontakt mir Markus gekommen, der ebenfalls irgendwo hier unterwegs war. Per SMS einigten wir uns jetzt darauf, uns zum Mittag in Podgorica zu treffen. Laut Garmin sollte ich in 2 Stunden da sein.

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Die Vorgabe: "Schnellste Route" schickte mich nicht auf die Hauptstrasse ueber Niksic, sondern ueber Cevo auf die kleinen Wege, die so typisch fuer das Hinterland in Montenegro sind. Gerade breit genug fuer ein Auto, nie mehr als 50m geradeaus, und dicht von Bueschen und Baeumen bestanden, damit man auch garantiert nie den Gegenverkehr kommen sieht.
2013 war ich auf einer solchen Strasse fast unter einem Holztransporter gelandet, nun sollte ich einen Durchschnitt von 60km/h fahren, um Garmin's Zeitvorgaben einzuhalten. Jeder Meter ueber 40km/h war aufregend und auch spassig, aber nach 90 Minuten heizen musste ich dann doch das Tempo rausnehmen, um zu entspannen. Meine Linien wurden unsicherer, und ein Fahrfehler konnte hier schnell toedlich sein. Also schickte ich Markus eine SMS mit einer etwas konservativeren Ankunftszeit.

Ich fand ihn schliesslich entspannt mit einer Tasse Cappuchino an einer Raststaette im Schatten eines Sonnenschirmes. Der Caffee war gut, es gab WLan und saubere Toiletten - alles was man sich wuenscht.

Wir besprachen unsere Plaene und entschieden uns, gemeinsam in Richtung Biogradska Gora zu fahren, wo wir hofften, einen netten Campingplatz und einen See zum Schwimmen zu finden. Ich programmierte ein paar Wegpunkte ins GPS, und los ging es ...

... in die falsche Richtung. Bis wir das merkten, stand ein 60km Umweg an. Da es aber frisch alphaltierte Serpentinen waren, war uns das ziemlich egal.

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Hier ist Markus auf seiner R1150GS - fast das gleiche Mopped steht bei mir in der Garage ...

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Knapp vor Sonnenuntergang fanden wir dann den Platz. Obwohl es ein Nationalpark war, stellte man sein Zelt einfach irgendwo in den Wald. Einige Leute sammelten Feuerholz, und man konnte auch alte Feuerstellen hier und da sehen. Ich haette auch gerne ein Feuer gehabt, aber es hatte wahrscheinlich seit Wochen nicht mehr geregnet. Meiner Meinung nach war es eine ziemlich dumme Idee, mitten im Wald, in einem Nationalpark, ein Lagerfeuer zu machen.

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Wir beliessen es daher bei Abendessen und Bier. Die Nacht war eher unruhig, da irgendwelche betrunkenen Spassmacher den ganzen Wald mit ihren Trinkliedern beglueckten. Gerne haette ich im Morgengrauen die XChallenge warm laufen gelassen - einfach nur, um mich bei ihnen zu revanchieren. Aber man ist ja zivilisiert.

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Wir wollten heute nach Plav im Osten Bosniens, mit einem Abstecher an die Kosovo-Grenze. Unterwegs sahen wir jemanden an etwas arbeiten, was wie ein Kohlenmeiler aussah. Sowas habe ich bislang hoechstens mal in einem Freilichtmuseum gesehen.

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Die Pass-Strasse Richtung Kosovo schien nur noch von Holzfaellern genutzt zu werden. Um so vorsichtiger fuhr ich um die Kurven, denn auch sie waren sicher nicht gewohnt, diese Strasse mit anderen teilen zu muessen.

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Schliesslich endete der Weg an einer Steinbarriere, hier gab es keinen Grenzuebergang mehr. Wir schleichten uns trotzdem vorbei, um wenigstens ein Foto zu haben.

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Der Campingplatz am See in Plav war dann sehr schoen. Es waren nur eine Handvoll anderer Camper da, inklusive eines aelteren Ehepaars, welches fast ueberall mit seinem Landcruiser gewesen war. Wir setzen uns zum Essen zu ihnen und gaben uns gegenseitig Tips fuer die weitere Reise.

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Am naechsten Tag wollte Markus weiter nach Westen, ich aber nach Albanien. Nach einem gemuetlichen Fruehstueck verabschiedeten wir uns also von einander.

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Kein 300m spaeter hielt mich die Polizei an. Man gestikulierte, dass ich absteigen und auf die Laserpistole schauen sollte. Gut 66km/h - in einer 40er Zone, dabei war ich gemuetlich daher gerollt. Sie beliessen es aber bei der Warnung, langsam zu fahren.
Eilig hatte ich es ja nicht, so toeffelte ich entspannt wieder los: 1ster, 2ter, 3ter ... und dann ein Blick nach unten: Grad mal ein paar hundert Meter gefahren, und schon wieder ueber 70!

Ups.
Zuletzt geändert von pip am 26.06.2016 21:42, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon bikermanic » 26.06.2016 21:24

Als alter Karl May-Fan haben wir bei deinen Bildern richtig Lust auf Mali Alan bekommen, Pip, wirklich tolle Qualität.
Kroatien steht zwar schon länger auf der Liste, haben es aber bisher nie geschafft. Steht jetzt auf jeden all auf der Liste für den Herbst :)
Albanien, Montenegro und Kosovo wären mir persönlich zu unsicher, auch wenn die Bilder und dein Bericht anderes versprechen.

VG
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon klausmong1 » 26.06.2016 21:43

Dort ist nichts unsicher.

Das ist nur das, was sich von den Medien in den Köpfen festsetzt !

Und da haben die gute Arbeit geleistet, wenn die dort als die "Bösen" in den Köpfen sind
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 26.06.2016 21:48

bikermanic hat geschrieben:Kroatien steht zwar schon länger auf der Liste, haben es aber bisher nie geschafft. Steht jetzt auf jeden all auf der Liste für den Herbst :)
Albanien, Montenegro und Kosovo wären mir persönlich zu unsicher, auch wenn die Bilder und dein Bericht anderes versprechen.


Freut mich, wenn die Bilder inspirieren! Ich kann nur empfehlen, nicht stur an der Kueste zu bleiben. Auch wenn es dort tolle Aussichten gibt, ist das Hinterland viel interessanter, ob es nun Kroatien, Montenegro oder Albanien ist. Ausserdem kommt man dann vielleicht am Silbersee (Plitvicer Seen) vorbei.
:D
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 26.06.2016 23:27

Nun, es kam kein wuetendes Polizeiauto hinter mir her, und ein paar Kilometer weiter nahe Gusinje war ich an der Grenze, wo ich ohne viel Umstaende nach Albanien einreiste.

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Fast unmittelbar hinter dem Grenzbaum ging es dann auf Schotter weiter in die Verwunschenen Berge (Prokletije).

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Manchmal liefen Schweine auf der Strasse herum, die dummerweise die gleiche Farbe wie die Felsen neben dem Weg hatten.

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Nach einigen Kilometern fuehrte die Strasse in ein schoenes weiter Tal mit gruenem Gras. Das waere ein toller Platz zum Zelten gewesen ...

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Nochmal 20km weiter gab es dann erste Zeichen von Bauarbeiten.

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Irgendwo auf diesem Abschnitt war am Vortag ein Tscheche mit dem Motorrad auf gerader Strecke von der Strasse abgekommen. Das hatte mir das Paar mit dem Landcruiser erzaehlt, welches geholfen hatte, das Motorrad zu bergen.

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Die Strassen wurde nun immer besser, bis ich schliesslich auf den letzten 50km bis Shkodra frischen Asphalt unter den Raedern hatte.

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Nicht weit weg hier das Teth Tal, ein beliebtes Ziel fuer Schotterfahrer. Die Hauptzufahrt ist nun bis auf die Passhoehe asphaltiert, wie mir Markus erzaehlt hatte. Also sparte ich mir das dieses Mal.

Man sagt der Gegend nach, besonders wild zu sein und bspw. noch nach der Blutrache zu leben. Nur wenige Wochen vorher war hier im Juli ein junges Paar aus Tschechien ermordet worden. Man hoerte keine Einzelheiten, aber ich kann mir nur vorstellen, dass sie sich vielleicht mit Drogenhaendlern angelegt haben. (Hier soll es entsprechende Plantagen geben.) So mancher benimmt sich im Ausland daneben und wundert sich, wenn er Aerger bekommt, wegen Dingen, die er sich zuhause nie getraut haette.
Ich habe mal einen Touri gesehen, der unbedingt nackt in einen Nebenarm des Euphrats springen wollte, keine 50m von den Einheimischen, die dort ihre Waesche wuschen. Sicher haette er das nicht zuhause in Bochum versucht.
Jedenfalls glaube ich nicht, dass die Gegend weniger sicherer ist als ein entsprechender Fleck in den Alpen. Man sollte sich aber an lokale Gepflogenheiten anpassen.

Ende der Tirade.

Fuer mich gings in Richtung Koman. Die Strasse war Asphalt, aber in entsetzlichem Zustand, voller Schlagloecher und Abbrueche. Am Ende eines Tunnel war dann der Faehranleger, wo schon 6 Tschechen warteten. 2 von ihnen hatten den Unfall am Vortag miterlebt, wussten aber auch nichts Neues ueber den Verunfallten.
Es faehrt hier taeglich einen Faehre ueber den Koman-Stausee, die aber schon weg war. Die Tschechen hatten nun verhandelt, dass ein Motorboot kommen und uns hinueber bringen wuerde.
In der Zwischenzeit bestellten wir Essen und fuehrten Benzingespraeche ueber die versammelten Moppeds: 660er Tenere, Transalp, 990er KTM, DR650, 1200GS, HP2 und meine XCHallenge - da gab es genug Ansaetze zum Scherzen.

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Erstmal kam aber eine kleine Faehre, bei der man ewig an der Rampe herum machte, um eine flache Kante zu erhalten.

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Dann, Zentimeter fuer Zentimeter, rollte ein Challenger vom Boot. Der wuerde noch seinen Spass mit den Schlagloechern haben ...

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Unser Boot war etwas kleiner:

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Die Moppeds wurden eins nach dem anderen ueber eine Planke an Bord geschoben.

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Gluecklicherweise hatte jemand mitgedacht und verteilte Bier an alle. Als dann einer aufstand, um an der gegenueberliegenden Reling ein Foto zu machen, kam direkt der Bootsmann gelaufen. Wir moegen doch bitte mit aufs Gleichgewicht achten. Ok ...

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Sollte ich mir Gedanken machen?

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Da wir erst gegen 17 Uhr losgekommen waren, wurde es langsam dunkel.

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Nach 3 Stunden Fahrt war es schliesslich stockdunkel. Wir entschieden uns also gegen ein Weiterfahren und fuer ein Bier im nahen Restaurant. Irgendwo wuerden wir schon schlafen koennen.
Zum Teil schlief man letztlich direkt im Restaurant, zum Teil bauten wir die Zelte neben den Faehren auf.

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2011 war hier eine Faehre gesunken. Heute gibt es wieder eine grosse Faehre, zusaetzlich zu den kleineren Booten. Keine Ahnung, was die Geschichte der Faehre rechts im Bild ist. Offensichtlich wurde fleissig an ihr gearbeitet.

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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon fmwag » 27.06.2016 15:16

Sehr schöne Bilder - Danke fürs mitnehmen :)
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 03.07.2016 14:42

4 der Tschechen waren zusammen unterwegs. Sie hatten einen Reisefuehrer dabei, der sich auf Schotterpisten in Albanien konzentrierte. Da ich nicht einmal eine vernuenftige Karte im Gepaeck hatte, freute ich mich, dass ich mich anschliessen konnte. Als naechstes Stand Valbona auf der Liste. Zwar sollte die Route inzwischen asphaltiert sein (der Fuehrer war von 2012), aber das machte uns nichts.
Erstmal erfuellte ein Waldbrand das Tal.

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Weiter oben im Tal endete schliesslich der Asphalt. Ein loses Geroellfeld war zu ueberqueren, und dann ging es eine Pfad weiter den Berg hinauf. Wir stoppten an einer Holzhuette, wo uns eine alte Frau Getraenke anbot, die sie im kalten Bach kuehlte.

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Dann ging es wieder zurueck. Auf dem Geroellfeld haette ich auf meiner schweren GS Probleme gehabt. Gut, dass das Ding zuhause blieb. Wir kamen alle gluecklich hinueber. Auch wenn Federwege etc. bei der Transalp am geringsten waren, mussten wir anderen uns oft anstrengen, um mit Tomas mitzuhalten.

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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 20:02

Hym, knapp 2 Jahre Rueckstand mit dem Bericht ... mal sehen, wie weit ich jetzt komme. Es geht am gleichen Nachmittag weiter, an dem ich den Bericht 'unterbrochen' hatte:


Tomas fuehrte uns auf einen engeren Pfad, steil den Berg hinauf.
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Die Tenere kam gut zurecht.
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Auch die KTM 1190 machte sich, sollte aber spaeter leiden.
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Ich jedenfalls war zufrieden mit meiner XChallenge - wissend, dass ich es mit einem groesseren Motorrad wie meiner 1150 GS zuhause nie geschafft haette.
Zum Mittag hielten wir an einem kleinen Restaurant, wo man extra fuer uns den Holzkohlengrill anschmiss. Dann ging einer mit dem Kescher zum hauseigenen Fischtank.
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Kaum hatten wir gegessen, trafen wir auf einen Daenen mit seiner franzoesischen Freundin, die auf dem Rueckweg von Australien nach Europa waren. Sie erzaehlten, dass sie gerade das schlechteste Essen auf der gesamten Reise hinter sich hatten und waren ziemlich neidisch angesichts unseres frischen Fisches.
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Unser naechster Wegpunkt war dann Kukes, von wo es auf einer Schotterpiste nach Peshkopi gehen sollte. Die Hauptstrasse ist seit Jahren asphaltiert, aber es musste noch einen Nebenweg geben. In Kukes kauften wir dann erstmal Brot, Wasser und Kaese. Hier konnte ich auch zur Abwechslung wieder Mails lesen.
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Jemand nicht schwindelfrei?
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Auf dieser Piste trafen wir auf 2 schwer modifizierte 4x4 Lkw-Wohnmobile. Spaeter erfuhr ich, dass einer der beiden an einem Bergrutsch nicht weitergekommen war, worauf er den 2km im Rueckwaertsgang manoevrieren durfte, bevor er Gelegenheit zum Wenden fand.
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Bei der KTM lief hier noch alles gut ...
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... bis sich dann ploetzlich das Topcase lautstark verabschiedete. Das war aber schnell wieder in Ordnung gebracht.
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Manchmal gab es auf diesen Bruecken Luecken zwischen den Brettern. Das gibt einen schoenen Adrenalinstoss. Es war also eine schlechte Idee, in der Mitte zu fahren.
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Nach einer weiteren Bruecke hiess es dann wieder 'Stop!' seitens der KTM: Der vordere Luftdrucksensor schlug an. Bei naeherem Hinsehen fand sich auch ein Nagel im Profil hinten ... Seltsam, hatte nicht der Sensor vorne angeschlagen?

Langer Rede kurzer Sinn: Beide Reifen waren gleichzeitig platt.
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Wir entschieden uns also, einen Lagerplatz zu finden, wo wir uns in Ruhe um die Reifen kuemmern konnten.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 20:38

Mit dem Fluss gleich nebenan war der Lagerplatz sehr idyllisch, auch wenn das Wasser sich eiskalt anfuehlte.

Unter all unseren Motorraedern war die KTM die einzige mit Schlauchlosreifen, ein Nagelloch zu reparieren sollte daher kein grosses Problem sein. Bis es aber dicht war, brauchte es 2 oder 3 Dichtstreifen ...
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... allerdings nur einen Vorne. Trotzdem war es mittlerweile dunkel geworden.
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Am naechsten Morgen kamen ein Bauer und ein paar Kinder zu Besuch.
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Fuer uns ging es weiter Richtung Peshkopi.
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Ein Schulhof.
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Noch immer hat etwa jedes 2te Auto in Albanien einen Mercedesstern vorne, wie die Transporter hier im Hintergrund. In Bosnien waren es zumeist Golf gewesen.
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Beim Tanken verloren wir dann den Anschluss an Tomas. Da er die Route kannte und auch ein GPS hatte, beschlossen wir weiterzufahren und ihn am Oridsee wiederzutreffen.
Der Weg wurde jetzt deutlich breiter und verwandelte sich in eine Schotterrennstrecke. Das machte soviel Spass, dass ich hier deutlich schneller fuhr als es in einer so abgelegenen Gegend vielleicht Sinn machte. Mein Schutzengel klammerte sich verzweifelt hinten am Gepaecktraeger fest.
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Am Oridsee hatte es vor nicht langer Zeit ein sehr nettes Restaurant mit zugehoerigem Campingplatz gegeben. Hier hatte ich schon bei meinen letzten beiden Besuchen die frischen Forellen genossen. Der Oridsee beherbergt eine besondere Forellenart, die auch unter Naturschutz steht. Dieses Restaurant hatte aber eigene Fischteiche.
Vor kurzem war aber jedes einzelne Hotel am See planiert worden, um die Szenerie nicht verbauen zu lassen. Trotzdem gab es Camp Rei immer noch, man kochte jetzt eben unter freiem Himmel. Fuer die Zukunft war man in Verhandlungen ueber eine Zulassung fuer eine kleine, traditionelle Huette.
Wir fanden Tomas wieder, sprangen in den See, bestellten Forellen und feierten den Tag mit Bier. Fuer die Tschechen war hier Ende, sie wuerden am naechsten Morgen die Motorraeder wieder auf den Haenger verladen und nach Hause fahren.

Soweit ich weiss, haben sich 2 oder 3 von ihnen nach dieser Tour 690er Enduros gekauft ...
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 20:42

So nebenbei hatte mein TKC80 nach nun ca. 3000km etwa 20% Restprofil uebrig. Der Mitas E-09 auf der Tenere sah allerdings um einiges schlimmer aus. Die Profilbloecke hatten schon nach 100-km Risse entwickelt. Jetzt waren sie bei 1500km, und hier im Foto unten kann man gut einen der angerissenen Bloecke sehen.
Auf diesen Strecken scheinen Reifen schneller abzunutzen, vielleicht wegen des teilweise scharfkantigen Schotters auf einigen Strecken. Die anderen Motorraeder hatten aehnliche Erscheinungen.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 20:46

Mein Plan war jetzt, weiter nach Westen zu fahren, wo mir ein aelteres Paar in einem umgebauten Landcruiser einen besonderes schoenen Campingplatz beschrieben hatte. Von den Tschechen hatte ich eine nette Route dafuer bekommen, welche sie die 'Brasilianische Todesstrecke' getauft hatten.
:D

Es ging ruhig los, durch wunderschoene Landschaften.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon GS Tom » 19.05.2017 21:08

Top,
weiter so!

Gruss Thomas
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 22:37

GS Tom hat geschrieben:Top,
weiter so!


Danke!

Ich hab hier noch einiges zu schreiben ... 8)
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