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Nepal - Tips gesucht

Jenseits des Bosporus

Nepal - Tips gesucht

Beitragvon Dalin » 13.02.2012 21:47

Hi Folks,

ich werde ca. 3 Wochen Zeit haben Nepal unter die Raeder zu nehmen. Leider gibt mein Guide Book aber nur wenig her wenn es um Routenbeschreibungen aus der Sicht eines Moppedfahrers geht.
Daher meine Frage in die Runde nach Streckentips (fahrerisch und landschaftlich), was sollte man eher lassen, Benzinversorgung vor Ort, empfehlenswerte Uebernachtungsmoeglichkeiten, etc.
Ich bin fuer jeden Hinweis dankbar.
Cheers, Dalin

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Re: Nepal - Tips gesucht

Beitragvon Dalin » 18.06.2012 18:32

Hi Folks,
inzwischen war ich im wunderschoenen Nepal und kann daher folgendes berichten. Vorab sei gesagt Nepal ist ein absolut geniales Reiseland fuers Motorrad. Landschaft, Kultur, Leute, Kueche und Abenteuer kommen dabei nicht zu kurz.

Allgemeines
Die Benzinversorgung ist gut, selbst in entlegenen Bergregionen ist es kaum weiter als 40-50 km bis zur naechsten Tankmoeglichkeit. Nur 1x musste ich Benzin aus Flaschen am Pistenrand kaufen.

Zum Strassenzustand muss man sagen, dass nur die absoluten Hauptrouten asphaltiert und oft von maessiger bis schlechter Qualitaet sind. “Gelbe” Strassen (in der Karte) sind im Normalfall unbefestigte geschobene Pisten. “Weisse” Strassen sind oft ueble, sehr schmale und anspruchsvolle Pisten, die man sich ungeachtet dessen mit Bussen und Trucks (!) teilt. In der Monsun-Saison sind diese sicherlich oft unpassierbar.

Leihmotorraeder bekommt man zuverlaessig, problemlos und in sehr gutem Zustand z.B. von bikemandu.com. Dort verfuegt man ueber 6x 500er und 4x 350er Enfield Bullet. Ausserdem auch noch kleinere Moppeds. Gepaecktraeger-Systeme und Sozius-Sitze sind optional erhaeltlich.

Als Literatur hatte ich die ReiseKnowHow/Rough Guides Karte und den Stefan Lohse/Rough Guides Reisefuehrer dabei. Das Inhaltsverzeichnis des deutschsprachigen Stefan Lohse ist leider sehr mangelhaft, da ist das englische Original deutlich besser.

Streckentips
Der Tribhuvan Highway, Nepals erste “Schnellstrasse”, wird inzwischen kaum noch genutzt und ist daher eine traumhaft schoene, ruhige und eher schmale Strasse, die sich ueber den hoechsten Punkt (ueber 2.500 m) zwischen Hetauda und Naubise schlaengelt. Die Strassenqualitaet ist 6 von 10.

Der East-West Highway (Butwal -Hetauda) im Terai im Sueden Nepals ist vermutlich die qualitativ beste Strasse im Land. Sehr flach und eher unspektakulaer, jedoch interessant um zum Chitwan National Park zu gelangen. Dafuer ist aud dieser Strasse eine durchaus akzeptable Durchschnittsgeschwindigkeit moeglich.

Der Siddartha Highway (Butwal – Pokhara) ist eine sehr kurvenreiche asphaltierte Strasse mit attraktiver Lage, jedoch von maessiger Qualitaet. Die Fahrt zieht sich doch ziemlich hin. Ein Abstecher nach Tansen lohnt sich. Der Ort ist touritisch eher unerschlossen und daher recht authentisch, mit schoenen alten Gebaeuden. Von da aus ist eine Fahrt zur schlossartigen Anlage bei Ranighat moeglich. Man gelangt bis an den Fluss, von wo man die Anlage aus der Entfernung am Sued-Ufer sehen kann. Der steile Abstieg dahin ist jedoch nur ueber Stufen moeglich.

Die Strasse von Pokhara in die westliche Annapurna Runde (Pokhara - Baglung Highway) ist bis Baglung asphaltiert. Kurz vor Baglung gibt es einen Abzweig. Einmal geht es nach Baglung (von da fuehrt eine kaum benutzte, schlechte Piste weiter nach Beni), die andere Piste fuehrt auf der gegenueberliegenden Flussseite an Baglung vorbei nach Beni (deutlich besser fahrbar). Ab Beni ist dann entgueltig Schluss mit Asphalt und es geht auf teilweise sehr anspruchsvoller, steiler Piste (grobes loses Geroell, felsig, Wasserdurchfahrten) in die Berge. In Tatopani ist der Checkpoint fuer das Annapurna Conservation Area Permit (20 USD in Pokhara oder Kathmandu, bzw. doppelter Preis vor Ort). Die Navigation ist sehr einfach, die Landschaft ist grandios – das tiefste Tal der Welt zwischen zwei Achttausendern, Annapurna 1 im Osten und Dhaulagiri im Westen. Die Fahrt endete (im April 2012) in Jomosom, da der Fluss (Kali Gandaki) nach einem starken Regen die Bruecke im Ort fuer Motorraeder unpassierbar machte. Erreicht man das andere Ufer fuehrt die Piste weiter bis nach Muktinath bzw. Kagbeni und Upper Mustang (separates Permit noetig, 500 USD).

Die Fahrt von Pokhara durch das Rupa Tal zwischen Rupa- und Begnas-See in Richtung Osten ist attraktiv und die Navigation eher anspruchsvoll. Nur der Einstieg der Route ist asphaltiert und der Fluss nach Damauli kann nur ueber eine Haengebruecke gequert werden. Einmal auf der oestlichen Flussseite fuehrt eine geschobene Piste nach Damauli. Die Weiterfahrt nach Bandipur ist lohnenswert. Tolle (asphaltierte) Serpentinenpiste fuehrt hinauf zum Ort. Tolle Szenerie, allerdings parken am Ortseingang auf bewachten Parkplatz.

Der Prithvi Highway ist vollgestopft mit kriechenden, stinkenden und teilweise halsbrecherisch ueberholenden Trucks und Bussen. Kann ich nicht empfehlen.

Die Strecke vom Arniko Highway nach Jiri hat eine spektakulaere Lage, ist asphaltiert (qualitativ 5 von 10) aber eigentlich* eine sehr lange Sackgasse. Die Strecke ist sehr schmal und zeitaufwendig, da die Durchschittsgeschwindigkeit sehr niedrig ist. In Jiri endet die Strasse (anders als bei Google Maps suggeriert) sehr unspektalulaer und Stufen fuehren weiter auf die Trekking-Routen Richtung ins Everest Gebiet.

*Es gibt einen Abzweig ca. 25 km westlich von Jiri, der nach Sueden zum Ort Manthali fuehrt. Die Strasse ist toll angelegt (Schweizer Projekt), breit und qualitativ mit vom besten was ich im Land gesehen habe. Sie fuehrt sogar ueber Manthali hinaus in Richtung Sueden immer entlang des Flusses. Wenn dieser jedoch in einen anderen Fluss muendet ist die Strasse abrupt zu Ende. Ein kreuzen ist per Rafting-Boot (mit Plattform) oder ueber 2 Haengerbruecken moeglich. Auf der anderen Flusseite soll angeblich der Sindhuli Highway sein. Aber … (!)

Der sogenannte Sindhuli Highway (Dhulikhel - Sindhuli - Janakpur) ist entgegen der Darstellung in der ReiseKnowHow/Rough Guides Karte noch nicht durchgehend. Da scheint Google Maps aktueller zu sein. Nordoestlich von Bhimeshwor fehlt ein groesseres Stueck was ca. 30-40 km Umweg durch ziemlich anspruchvolles, teilweise sehr steiles Terrain bedeutet. Ein Kreuzen des parallel verlaufenden Flusses in Richtung Norden (Manthali) ist moeglich ueber Haengebruecken (2 Stueck, zwischen beiden Bruecken ist eine schmale und eine sehr schmale Stelle durch Felsueberhaenge, max. Lenkerhoehe: Standard Enfield Bullet 500 mit nach innen gedrehtem Spiegel) oder per Rafting-Schlauchboot mit Plattform.

Soweit erstmal ...
Cheers, Dalin

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Re: Nepal - Tips gesucht

Beitragvon wwwutz » 19.06.2012 07:55

Hi Dalin

Danke für die Infos! :D
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Re: Nepal - Tips gesucht

Beitragvon Panny » 16.09.2012 14:47

Hi Dalin,

sehr guter Beitrag!
Deine Informationen kann ich nächstes Jahr gut gebrauchen, wenn es hoffentlich durch Nepal "heim" geht.

Danke!

Panny
http://www.krad-vagabunden.de
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Re: Nepal - Tips gesucht

Beitragvon Olaf J. » 03.01.2013 00:25

Guten Abend & Happy New Year!
Falls jemand von Nepal zurück will, wir haben dort sehr gute Kontakte für einen reibungslosen Transport nach Deutschland

Gruß
Olaf
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Re: Nepal - Tips gesucht

Beitragvon Flowrider » 03.03.2016 23:45

Hallo Dalin,
vielen Dank für deine Beschreibungen.
Da wir gerade von Pokhara über den Siddartha Highway nach Tansen rein kommen, kann ich sagen, dass dieser Highway in einem sehr guten Zustand ist und die kurvenreiche Strecke eine wahre Freude. Steinschlag gibt es allerdings natürlich immer noch, hatten aber Glück. Meine Enfield ist aufgeblüht. Beni - Tatopani hingegen war eine Qual für sie, da fliegende Steine, Sand, Nässe und Steilheit für das tiefe, schwere, mäßig gefederte Bike extrem ungeeignet sind.
Pokhara - Balung ist mit einigen Schlaglöchern übersät.

Soweit,
Flowrider
Zuletzt geändert von Flowrider am 06.03.2016 08:03, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Nepal - Tips gesucht

Beitragvon Flowrider » 06.03.2016 08:01

Noch ein Nachtrag. Die Strecke von Tansen nach Butwal auf dem Siddartha Highway ist sehr viel löchriger, als, wie oben beschrieben, die Strecke von Pokhara nach Tansen. Alles im März 2016, ca. ein Jahr nach den Erdbeben von 2015.
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