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Reisetipps gesucht

Für alle und alles zwischen Alaska und Patagonien.

Reisetipps gesucht

Beitragvon wolffi » 21.03.2006 00:32

Hallo Zusammen,

ich wende mich an Euch, da ich einige generelle Tips bezüglich einer Südamerika-Tour bräuchte. Meine Vorstellung ist, von Oktober bis Dezember einschliesslich mit dem Motorrad duch Patagonien und die Anden zu reisen. Meine bisherigen Vorbereitungen bestanden darin, (hoffentlich) genug gespart, mich zur Kündigung beim jetzigen Arbeitgeber entschlossen und meine Freundin überzeugt zu haben, mich drei Monate ziehen zu lassen. Daneben habe ich den festen Willen, die ganze Sache auch durchzuziehen (wenn nicht jetzt, wann dann?).

Sorgen machen mir allerdings noch bei folgenden Punkten:

- Ich habe keinerlei Erfahrung bzgl. Motorrad-Fernreisen
- Ich habe momentan kein (passendes) Motorrad
- Ich mag Papierkram nicht besonders

Daraus lassen sich auch meine Fragen ableiten:

- Kann man eigentlich so eine Tour ziemlich erfahrungslos durchführen. Es fehlt mir nicht an Reiseerfahrung generell, auch nicht an Sprachkenntnissen, ich habe aber noch nie eine größere Motorradtour geplant geschwiege denn durchgeführt
- Ist es eigentlich ratsam, eine solche Tour alleine durchzuführen? Würde mich eigentlich sehr reizen, stelle ich mir ggf aber auch ein wenig lebensmüde vor. Das bin ich eigentlich nicht. Vielleicht findet sich ja ein(e) interessierte(r) Mitfahrer/in, der/die wie ich keine Lust hat, die Route minutiös zu planen oder jemand, mit dem man sich immer mal wieder für Etappen trifft. Ich selbst bin ein aufgeschlossener, aber eher ruhiger bis schweigsamer Typ mit dickem Fell und mehr Spass an Natur als an Mertropolen. Und zu Reisebeginn 29 Jahre alt.
- Welches Motorrad ist empfehlenswert. Mein Motorradbudget liegt incl. eventueller Umbauten bei ca 7tsd euro. Reicht das? Ich denke an Africa Twin. Gibt es was besseres fürs gleiche Geld oder sogar weniger? Ich bin zwar als Morini-Fahrer Schrauben gewohnt, habe aber keine Lust, die halbe Zeit auf E-Teile zu warten und zu schrauben.
- Wie lange vorher muss ich eigentlich was organisieren. Dokumente, Verschiffung etc? Gibt es irgendwas, was gerne vergessen wird und an was man nicht gleich denkt, aber unentbehrlich ist?

Ich würde mich wirklich sehr über Eure Tipps freuen und gelobe, eigene Erfahrungen nach der Tour ebenfalls an Bedürftige weiterzugeben.

Vielen Dank vorab und liebe Grüße

Andreas
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Beitragvon gestein » 21.03.2006 09:58

Hi Andreas,

die Fragen die Du Dir stellst, habe ich mir 2002/2003 gestellt. Dabei hast Du die wichtigste eigentlich schon beantwortet: Du willst fahren, also gib Gas! Der Rest erledigt sich von selbst.

In 2002 habe ich nach fast 20 Jahren Abstinenz mir eine BMW 1100GS zugelegt, um damit in Deutschland und Europa herumzufahren. Bis ich jemanden traf, der mir Bilder aus Südamerika zeigte - das war's dann. Im November 2003 habe ich meine Tour durch Südamerika gestartet. Für drei Monate, ohne jegliche Fernreiseerfahrung auf / mit dem Moped, mit rudimentären Spanischkenntnissen. Das zu Punkt eins.

Ein passendes Motorrad zu finden sollte nicht allzu schwierig sein. Man munkelt, das selbst Hayabusas schon auf der Ruta 40 gesichtet worden sind... :)

Ich bin die meiste Zeit allein gefahren, habe aber immer wieder Leute getroffen, mit denen ich bis zu einer Woche gemeinsam gefahren bin. Von lebensmüde würde ich nicht sprechen. Diese Äußerungen taten damals auch Kollegen von mir. Antwort: Ich fahre nicht zu irgendwelchen "Wilden" oder "Menschenfressern", sondern in Länder mit ziemlich stabilen Systemen, in denen Menschen leben wie Du und ich. Sicherlich sind die Lebensumstände andere als in Europa, insbesondere was den Unterschied zwischen reich und arm angeht. Aber deshalb ist es nicht zwangsläufig lebensgefährlich. Vorsicht ist in gewissen Vierteln in den großen Städten geboten, insbesondere bei Dunkelheit. Aber das ist in London oder Hamburg wahrscheinlich auch so. Stell Dir selbst vielleicht mal die Gegenfrage: würdest Du Dir die selben Gedanken in puncto "lebensmüde" machen, wenn Du nach Australien oder Neuseeland fahren würdest?

Wenn Du weitere Fragen hast, können wir ja mal telefonieren, oder ne Mail tut es vielleicht auch. Insgesamt würde ich sagen, ist es einfacher, als Du denkst. Also fahr los.
Gerd
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Beitragvon Axel » 22.03.2006 02:01

hallo andreas,
ich kann mich gerd nur anschliessen. nur bei denn sprachkenntnissen wuerde ich dir nicht nur zu einem spanischkurs raten. mit englisch kommst du warscheinlich nicht mal aus buenos aires raus, geschweige denn mit dem motorrad durch den zoll.
die motorradfrage ist immer ein problem. fuenf mann/frau zehn meinungen. aber wenn es eine twin oder alp sein soll, kannst du auf unserer webseite einige infos bekommen. bisher 40.000km in sued- und mittelamericaohne grosse probleme.
http://www.diereisegefaehrten.de
bis die tage,
aus guatemala
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Beitragvon Gerald Bauer » 29.03.2006 01:49

Hallo Andreas,
Der Motorradtransport per Schiff von Bremen nach Valparaiso in Chile hat bei mir 2001 sechs Wochen gedauert. Hinzu kommt die Zeit, die Du brauchst, um eine Kiste zu bauen (fuer Motorrad + Gepaeck) und diese Kiste am Hafen abzuliefern.
Es faehrt nicht jeden Tag ein Schiff auf dieser (oder anderer gewuenschter) Route, daher musst Du weitere Zeitreserve einkalkulieren.
Da Du vermutlich vorher versuchst eine guenstige Spedition fuer den Transport zu finden, brauchst Du weitere Zeit.
Bei mir war es nicht zu frueh, als ich drei Monate vor dem geplanten Reisestart mit der Organisation des Motorradtransports angefangen habe.
Mit dem Flugzeug geht es deutlich schneller (aber auch etwas teurer :-) )
Deinen eigenen Flug solltest Du auf die voraussichtliche Ankunft des Frachtschiffs abstimmen. Die Fluege sind guenstiger zu bekommen, wenn man ca. vier bis sechs Monate vor dem Abflug bucht. Spaeter sind die guenstigen Plaetze oftmals bereits verkauft.

Vom Papierkram her habe ich mir den internationalen Fuehrerschein sowie den internationalen Fahrzeugschein auf dem Landratsamt besorgt (geht in einem Tag) und bin damit gereist (+ gueltigem Reisepass).
In Suedamerika wurde ich oft nach der 'cedula' gefragt, damit meinten die ein unserem Personalausweis entsprechendes Dokument. Es kostete mich einige Muehe (Diskussion auf spanisch/deutsch), doch ich kam ohne den Personalausweis durch.
Bei der Einreise erhaeltst Du immer extra Papiere des jeweiligen Staats fuer Dein Motorrad (temporaere Einfuehrgenehmigung).
Ansonsten findest Du exaktere/aktuellere Info darueber in den jeweiligen Rubriken hier im Forum bzw. bei www.HorizonsUnlimited.com .

Dort wuerde ich auch nach Mitfahrern (zumindest fuer Teilstrecken) suchen, hat bei mir geklappt. Generell kann man sicher auch alleine fahren, doch das traue ich mir nicht zu, wenn die Piste zu schlecht wird und meine Fahrkuenste (sowie meinen Mut) zu uebersteigen droht.

Zum Motorrad: Wegen der Pisten, die oft zu den schoensten Landschaftsabschnitten fuehren, wuerde ich eine (Reise-)Enduro mit Stollenprofil empfehlen. Du sitzt drei Monate darauf, also solltest Du Dich wohl fuehlen. Beim Schrauben hilft Dir jede Werkstatt, doch Ersatzteile sind rar (meist nur in den Hauptstaedten) und ich haette gern weniger Zeit in Werkstaetten verbracht ...

Der Kauderwelsch Band 'Spanisch fuer Suedamerika' hat mir anfangs sehr geholfen. Inzwischen ist es mir laestig, Woerter in Buechern nachzuschlagen, weil das die Kommunikation sehr ausbremst. Leider laesst sich das bei speziellen Woertern nicht immer vermeiden. Es wird dafuer lustig, wenn der Gegenueber endlich erfaehrt/versteht, welchen Begriff ich vorher vergeblich zu umschreiben versucht habe.

Vielleicht hilft Dir die eine oder andere Info von mir,
Allzeit eine sichere Fahrt,
Gerald
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Vielen Dank für die Antworten

Beitragvon wolffi » 18.04.2006 19:45

Hallo Zusammen,

entschuldigt bitte, dass so lange Zeit vergehen musste, ehe ich mich hier für die Antworten und Tipps bedanke. Zwischenzeitlich bin ich von meinem Arbeitgeber für einige Zeit ins Ausland entsendet worden und habe leider erst jetzt wieder (privates) Internet und die Muße, mich weiter meinen Plänen zu widmen.

Ein Motorrad wird wohl in den nächsten Wochen gekauft, die ersten Ausrüstungsgegenstände habe ich bereits poco a poco gekauft, um die Vorfreude in regelmäßigen Abständen in den Händen zu halten und auf die Flüge habe ich auch bereits eine Freundin, welche im Reisebüro arbeitet, angesetzt. Was den Transport betrifft, mache ich mich mal genau kundig. Ich arbeite in der Logistikbranche und habe einige Kontakte auch zu Unternehmen, welche sich mit Verschiffungen beschäftigen. Die hier genannten Preise kommen mir relativ hoch vor, ein Auto nach China zu verschiffen kostet max. 400USD. OK, in diese Richtung ist die Auslastung relativ gering, aber vielleicht kommt ja bei meiner Suche was rum. Evtl. kann ich ja so ein paar Leuten helfen. Was dieses Thema angeht, scheint großer Bedarf zu bestehen, wie ich aus diversen Forenbeiträgen entnehmen kann.

Zu diesem Thema melde ich mich nochmal, wenn ich was in Erfahrung gebracht habe.

Also, vielen Dank schonmal,

Andreas
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Beitragvon Geier » 23.04.2006 11:21

Hallo Andreas,
ich recherchiere momentan ebenso den Transport meines Motorrads im Zeitraum Ende September/Anfang Oktober 2006 nach Chile oder Argentinien. Allerdings sind die bisher bei mir eingegangenen Angebote nicht gerade günstig (Schiff ca. EUR 900 / Flug ca. EUR 1800 einfach).

Falls Du möchtest, können wir uns gerne austauschen.

Viele Grüße,
Peter aus München
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Beitragvon KlausMannherz » 26.04.2006 16:04

Hallo Wolffi!
Ein paarTips zu deinen Reiseplänen.
Die Reisezeit Oktober bis Dezember ist für Patagonien ziemlich früh.
Ich bin vor zwei Jahren anfang November in Richtung Patagonien gestartet und habe zum Teil ziemlich gefroren, später also, im Dezember zu starten, wäre sicher angenehmer.
Alleine zu reisen halte ich auch für kein so grosses Problem. Erstens triffst du immer wieder Motorradfahrer denen du dich anschliessen kannst, zweitens sind die südamerikanischen Motorradfahrer extrem freundlich und hilfsbereit und drittens wenn du mal eine Panne hast, bleibt fast jeder Autofahrer auch stehen, zumindest um dich zu fragen, ob du Hilfe brauchst.
Ich war mit einer 1150 GS unterwegs und war damit sehr zufrieden. Ich denke eine gute 1100 GS sollte für ca 6000 Euro zu bekommen sein.
Für den Transport nach Buenos Aires habe ich das Moped mit Hamburg Süd verschifft. Der Transport hat fast reibungslos geklappt, lediglich der Ankunftszeitpunkt war eine Woche später als vereinbart, weil der Container umgeladen worden war. Grosser Vorteil war, dass ich das Motorrad bepackt mit Koffern in Hamburg abgeben konnte und mich um nichts weiter (Kiste etc.) kümmern musste. Die Kosten betrugen 2004 800 Euro für einen Weg.
Eine Versicherung für das Moped kann man nur über eine amerikanische Firma abschliessen. Ich war ohne unterwegs, was natürlich eine gewisse Gafahr darstellte.
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