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Pyrenäen-Reisen mit Umweg ueber Marokko

Kleine und große Abenteuer auf dem alten Kontinent

Pyrenäen-Reisen mit Umweg ueber Marokko

Beitragvon pip » 22.11.2018 00:36

Im letzten Jahr zog es mich vermehrt Richtung Pyrenaeen, wo ich Gelegenheit hatte, meine Grenzen mit der Africa Twin auszuloten. Erstes Ziel war eine Querung vom Atlantik zum Mittelmeer, mit dem Fokus auf unbefestigten Wegen. Spaeter wurde es richtig interessant ...

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(Foto: Tim)
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 22.11.2018 00:38

Im September 2017 trafen Tim und ich uns nach dem HU-Meeting in Souillac. Im Laufe des Treffens hatte er seine Batterie mit den Handyladegeraet quasi entladen, aber natuerlich war auf einem Motorradtreffen kein Mangel an hilfsbereiten Spezialisten. Er wollte eigentlich nur die Batterie ueberbruecken, aber innerhalb von Minuten hatten die Silberruecken das Motorrad auf die Knochen gestrippt:
- "Wenn man die beiden Kabel hier kurzschliesst, sollte sich zeigen, ob der Sensor da funktioniert ..."
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Am Ende zog Tim die Notbremse und rief den ADAC, damit ihm die Helfer das Motorrad nicht vollends zerlegten. Der franzoesische Partner schickte einen Kleintransporter:
- "Nein, helfen kann ich nicht, ich soll nur das Motorrad in die Werkstatt bringen."
Dort sollte das Motorrad dann den Rest des Wochenendes verbringen und man machte uns Hoffnung:
- "Das ist eine Autowerkstatt, die nicht an Motorraedern arbeitet. Die Motorradwerkstaetten haben uebrigens montags geschlossen ..."
Am Montagmorgen stellte sich dann heraus, dass der Fahrer das Motorrad im Auto eingeschlossen und den Schluessel mit nach Hause genommen hatte. Welch eine Gaudi. Bis sich der Schluessel fand, hatte Tim seine Powerbank soweit geladen, dass er das Motorrad selber ueberbruecken konnte, und gegen Mittag waren wir endlich unterwegs.
Kurz bevor wir den Atlantik erreichten, erregte ein liegendes Motorrad an einem Kreisverkehr unsere Aufmerksamkeit. Die Fahrerin war gefallen und jetzt wollte das Motorrad nicht mehr. Schnell war ein kaputter Seitenstaendersensor gefunden. Tim zueckte den Leatherman und hatte ihn in 5 Minuten ueberbrueckt.
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Puenktlich zum Abendessen rollten wir in die Innenstadt von San Sebastian. Als wir am Hafen hielten, um ueber ein Restaurant zu beraten, kam sofort ein Polizist, um uns zu verscheuchen. Er war aber auch an den Motorraedern interessiert, und fand es dann wichtiger, uns eine halbe Stunde lang wegen des Essens zu beraten:
- "Diese Bar hat die besten Tapas. Dazu gehoert natuerlich Cider, fuer den die Gegend hier bekannt ist!"
- "Ja, aber wir muessen noch fahren."
- "Deshalb muesst Ihr aber trotzdem den Cider probieren. 1-2 Glaeser sollten ja wohl kein Problem sein ..."
Eine neue Erfahrung, das die Polizei einen zum Alkohol ermuntert. Und ja, Tapas und Cider waren sehr gut!
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Wir verbrachten den Abend in der Stadt und suchten uns ein billiges Hotel fuer die Nacht.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 22.11.2018 00:55

Am naechsten Tag ging es dann direkt ins Eingemachte. Tim hatte im Vorhinein 3 verschiedene GPS-Tracks zusammengesucht. Die Quellen waren nicht ganz klar, und so wussten wir nicht, was uns erwarten wuerde. Es began ganz harmlos.
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Der Weg wurde schnell enger und teilweise recht matschig. Tims 701er Husquarna war schwer beladen und meine Africa Twin von Haus aus nicht leicht. Hier und da kamen wir nicht durch und fuhren ein paar Kilometer Umweg auf der Strasse, bis wir an anderer Stelle wieder auf den Track trafen.
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Fuer mich war es mulmig, auf einem engen Pfad einen Hang hinabzufahren. Unter keinen Umstaenden waere ich in der Lage, hier wieder hinauf zu fahren ...
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Am Ende traf es aber Tim. Gluecklicherweise gab es keine grossen Steine, als er sich kopfueber hangabwaerts wendete. Wir brachten das Motorrad wieder auf den Weg, knabberten einen Keks und waren bald wieder unterwegs.
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Den Rest des Tages wurde der Weg deutlich leichter.
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(Foto: Tim)
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 22.11.2018 01:16

Am naechsten Tag gings es zumeist auf der spanischen Seite der Grenze weiter Richtung Osten. Die Route war eine Mischung von Nebenstrassen, Waldwegen und Wirschaftswegen oberhalb der Baumgrenze.

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(Foto: Tim)

Zum Mittagessen fand sich ein kleines Restaurant, wo wir jeder etwa 10 EUR fuer das Mittagsmenu zahlten und dazu sogar noch eine Flasche Wein bekamen. Wieviel besser kann es werden?
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Weiter oben in den Bergen schreckten wir hier und da die Geier auf. Beim zweiten Mal sah ich sie rechtzeitig und hatte die Kamera bereits in der Hand, als sie sich knapp an Tims Kopf vorbei in die Luefte schwangen.
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Der naechste Tag ging genauso weiter. Gleich als erstes gab es einen steilen Aufstieg ueber lockeres Geroell. Wir waren beide noch nicht ganz wach, und so gab es schnell wieder Bodenkontakt.
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In den Bergen galt es, Schafen, Kuehen oder auch mal Pferden auszuweichen. Die Sonne wich den Wolken, und manchmal nieselte es ein bisschen. Nichts Dramatisches.
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Tim hatte mittlerweise Spass an den Pfuetzen gefunden. Die naechste Pfuetze stellte sich als unerwartet tief heraus: Sein Schwung katapultierte ihn am anderen Ende in die Luft und schliesslich in die Buesche am Strassenrand. Dort verschwand er aus meiner Sicht, um Sekunden spaeter ca. 10m weiter wieder auf die Strasse zu eiern. Von nun an nannte ich ihn 'Puddles' - in meinen Augen ein guter Spitzname fuer den Veteran eines Highlander Regiments.
Inzwischen war es kalt geworden, und abends stellte sich heraus, dass die einzige verfuegbare Unterkunft in der Gegend ein modernder Wohnwagen im Hinterhof eines alten Gasthofes war. Wir fuhren weiter, versuchten eine Abkuerzung und gerieten tiefer in den Wald. Bald war es tiefschwarze Nacht.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon Biki » 22.11.2018 21:28

Spannend!

⭐⭐⭐⭐⭐
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 23.11.2018 00:20

Als Lohn unserer Anstrengungen fand sich am Ende ein namenloses Hotel, nicht weit entfernt von einem China-All-you-can-eat Buffet, welches sogar noch geoeffnet war. Am naechsten Tag erreichten wir das Mittelmeer und suchten uns ein Fischrestaurant in der Naehe von Llanca zum Mittagessen.
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Dann ging es zur Abwechslung auf Strassen weiter gen Sueden, an Barcelona vorbei nach Aragon. Hier fand rund um das kleine Staedtchen Mora de Rubielos das HUMM - Horizons Unlimited Mountain Madness - statt. Das ist eine Art Schnitzeljagd, bei der die Teams drei Tage Wegpunkte anhand einer Karte anfahren muessen. Je nach Schwierigkeitsgrad gibt es mal mehr, mal weniger Punkte, und wer am Ende die meisten Punkte gesammelt hat, gewinnt. Navigiert wird nur mit Karte und Kompass. Navis sind Tabu, und die Smartphones werden tagseueber in einer Tuete verplombt.
Zu Tim und mir gesellte sich noch Jeff, der aus den USA geflogen kam und sich eine kleine GS gemietet hatte. Die hatte Strassenreifen und sollte eigentlich auch nur auf Asphalt bewegt werden ... Jeff war in juengeren Jahren als Bomberpilot ausgebildet worden, und somit durchaus daran gewoehnt, sich per Karte zu orientieren - nur eben aus der Vogelperspektive.
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Die Karte war nicht wirklich Tankrucksack geeignet, und bei den hunderten kleinen Forstwegen war es in den Bergen Aragons nicht immer leicht, den richtigen Abzweig zu finden. Hier trumpfte die Africa Twin mit ihrem DCT Getriebe, das die linke Hand frei liess. Gerade offroad empfehle ich aber, beide Haende am Lenker und die Augen auf dem Weg zu lassen.
:D
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(Foto: Tim)

Auch wenn es trocken und sonnig war, stellten sich die Strassenreifen gerade in den steileren Passagen als Problem auf dem losen Untergrund dar. Hier guckt Tim, wie wir Jeff befreien konnten: Wegen des Gefaelles und dem fehlenden Grip am Vorderrad wollte das Motorrad sofort weiterrutschen, wenn es auf den Raedern stand.
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Und obwohl wir dann versuchten, die schwierigeren Passagen zu umgehen, wurde bald klar, dass Jeff das so nicht wirklich geniessen wuerde. Am Abend entschied er sich dann auch, anstatt der Rallye lieber die Ortskenntnis der Veranstalter zu nutzen, um die besten Motorradstrecken kennenzulernen.
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Die Weisheit dieser Entscheidung wurde deutlich, als am naechsten Tag Tims 701 und meine AT fast nebeneinander am Boden lagen. Der naechstgelegene Wegpunkt hatte die hoechste Schwierigkeitsstufe: Der eh schon steile Weg war teilweise blanker Felsen mit teilweise fullballgrossen Gesteinsbrocken, dazwischen gab es diagonal knietiefe Erosionsrillen. Ich hatte mich entschieden, neben dem Motorrad gehend das steilste Stueck zu laufen, machte dabei aber einen dummen Fehler:
Man kann das Motorrad mit Kupplung, Gas und Bremse recht gut kontrollieren. Mit gezogener Kupplung passiert auch nicht viel, wenn man ausversehen mal am Gas dreht. Letzteres gilt nur eben nicht beim DCT Getriebe ohne Kupplungsgriff: Da macht das Motorrad einen Satz nach vorne - um dann eben im Dreck zu liegen ... In der Zukunft werde ich darauf achten, den Leerlauf zu waehlen, sollte ich schieben muessen.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 23.11.2018 00:47

Der Hoehepunkt des zweiten Tages war ein Wegpunkt irgendwo am Ende eines Seitenpfades, den wir einfach nicht finden konnten. Wir fuhren vor und zurueck und verglichen jeden Pfad, den wir finden konnten, mit dem Kartenbild. Auch das Befragen der Anwohner half nicht weiter.
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(Foto: Tim)

Dabei gerieten wir in ein Geroellfeld, wo dann auch schnell Schluss fuer uns war. Wir sind beide nicht Erzberg-erprobt. Mich warf es fast ueber den Lenker als mein Vorderrad ueber einen Stein rollte, der sich als Wippe herausstellte. Unter dem Gewicht des Rades kam das andere Ende hoch und verkantete sich unter dem Motorrad. Als Resultat wurde das Hinterrad knapp einen halben Meter nach oben katapultiert.
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Nachdem die Africa Twin das heil ueberstanden hatte, riss ich mir dann auf dem naechsten Seitenpfad den Seitenstaenderschalter an einem vorstehendes Felsen ab. Damit hatten wir ja inzwischen Erfahrung, und so hatte ich wenige Minuten spaeter die Kabel kurzgeschlossen und war wieder fahrbereit. Beim Ersatzteil ist dieses Stueck des Kabels uebrigens mit dabei, der eigentliche Kabelbaum bleibt also ungeschoren. Nur ist das Ding nicht billig und arbeitsaufwaendig zu ersetzen.
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Fuer den dritten Tag hatten wir laengere, aber dafuer einfachere Routen geplant. Jetzt gab es auch mal Zeit, die Landschaft mehr zu geniessen.
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(Foto: Tim)

Damit sich trotzdem keine Langeweile einstellte, fuhr sich Tim auf dem einzigen Asphaltabschnitt des Tages einen Nagel ein.
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Am Ende hatten wir zwar die meisten Wegpunkte aller Teams gesammelt, waren punktemaessig aber im Mittelfeld gelandet, da andere sich geschickter die Wegpunkte ausgesucht hatten. Die Platzierung ist hier eh nur zweitrangig, die Veranstaltung macht unglaublich Spass. Auch die Landschaft ist genial: Wenn man sie von Valencia Richtung Saragossa durchquert, uebersieht man schnell, was sie zu bieten hat. Abseits der Schnellstrasse gibts eine Wald und Bergmischung, durchzogen mit hunderten kleinen Wegen und Pfaden.

Wer Tims Sicht der Dinge lesen will, kann das hier tun: http://www.travellinghewitts.com/mountain-madness/
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 23.11.2018 01:02

Meinem Hinterreifen war das Ganze etwas viel gewesen: Ich hatte ihn eine Woche zuvor in Frankreich aufziehen lassen und nach ca. 2500km sah das Profil des TKC80 recht mitgenommen aus. Das Bild gibt nur ansatzweise wieder, wie zerfleddert das Profil war.
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Bei 2.5 bar, Temperaturen unter 25C und Geschwindigkeiten unter 120 km/h wuerde ich auch bei 50% ungefestigten Wegen mehr erwarten. Auch Traktionskontrolle und DCT sollten eher reifenschonend wirken. Tatsaechlich habe ich das auf diversen Touren mit TKC80 noch nie so erlebt. Conti bat mich, den Reifen einzuschicken. Das scheiterte dann aber am Grosshaendler, der meinem Reifenhaendler und mir 70 EUR Verwaltungsgebuehren in Rechnung stellen wollte. Ich bin mit dem Reifen auch trotzdem noch bis nach Hause gekommen. Nach 5-6000km sah er dann aus, wie jeder andere TKC80 mit gleicher Laufleistung.
Zuletzt geändert von pip am 23.11.2018 01:29, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 23.11.2018 01:15

Ein paar Monate spaeter zog es mich wieder nach Spanien. Jetzt im Maerz war es in ganz Europa regnerisch und kalt. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, solange nach Sueden zu fahren, bis ich die Sonne sehen wuerde. Ausserdem wollte ich auch endlich das Salvador Dali Museum besuchen, anstatt immer nur vorbei zu fahren.
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Unterwegs gabs einen kurzen Schrecken, als ich Motoroel aussem am Motor fand. Die Africa Twin war kurz zuvor bei der Inspektions gewesen, wo man dann den Oeleinflussstopfen nicht wieder richtig angezogen hatte. Dafuer gabs spaeter einen Rueffel fuer den Mechaniker.
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In der Wueste von Tabernas gab es schliesslich wieder Schotter und Sand.
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Die Gegend ist als Drehort vieler Sergio Leone Western Filme bekannt, und auch die Indiana Jones Verfolgungsjagd mit Pferd und Panzer war hier gedreht worden.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 24.11.2018 00:27

Angesichts der Wettervorhersage entschloss ich mich dazu, Franz und Ralf Gesellschaft zu leisten, die nach Marokko fahren wollten. Wir hatten ueber dieses Forum Kontakt bekommen:
viewtopic.php?f=12&t=8759&p=40176#p40176

Treffpunkt war ein kleiner Hafenort zwischen Almeria und Malaga. Hier hatte Franz sein Wohnmobil stehen, zusammen mit einem ganzen Haenger voll Spielzeug - darunter mitten drin eine 650er Dakar. Gegen Abend kam dann auch Ralf gefahren, der seine Transalp ein paar Stunden vorher in Madrid abgeholt hatte. Noch bevor Franz den Kaffee fertig hatte, kam das Werkzeug raus, da sich sein Bodenschutz losgeruettelt hatte.
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Am naechsten Morgen brachten wir das Wohnmobil ins Winterlager, und unser Motorradabenteuer begann.
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Beim allseits bekannten Faehrticket-Dealer Carlos gabs fuer jeden zum Ticket ein Stueck Kuchen und eine Flasche Wein. Die sollte spaeter noch sehr wichtig werden. Puenktlich zwei Stunden vor Abfahrt waren wir nachmittags am Hafen in Algecircas. Dort erfuhren wir, dass die Faehre Verspaetung wegen des schlechten Wetters hatte. Die meisten Wartenden schienen das schon zu kennen, kaum einer zeigte sich ueberrascht. Jeder Angestellte im Hafen hatte andere Informationen, es schien, der Hafen sei wegen 6-8m hohen Wellengangs erstmal dicht. :shock:
Gegen 20 Uhr aenderte sich die Story. Nicht Algecircas, sondern Tanger Med sei geschlossen. In Kuerze wuerde eine Faehre nach Ceuta ablegen, dass geschuetzt im Mittelmeer lag. In der Schlange machte sich gute Stimmung breit, und irgendwoher kamen auf einmal Wein- und Bierflaschen.
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Nachdem aber wieder nichts passierte, beschlossen wir, fuer die Nacht ein Hotel zu suchen. Bei 6m Wellengang haetten wir die Fahrt eh nicht genossen. Am naechsten Morgen standen wir dann wieder puenktlich zur Abfahrt im Regen.
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Ueberfahrt und Einreiseformalitaeten waren jetzt schnell und schmerzlos. Wir wurden nicht einmal von den ueblichen Helfern belaestigt. Fuer 10 Tage Haftplichtversicherung zahlte ich etwa das gleiche, wie sonst im ganzen Jahr. Alles in allem waren 26 Stunden vergangen, seitdem wir in Algecircas am Hafen angekommen waren.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 24.11.2018 00:45

Das sich der Tag schon dem Ende neigte, wollten wir nur bis Tetouan fahren, um dort eine Unterkunft zu suchen. Wir mussten uns erstmal an die Strassenverhaeltnisse gewoehnen, die hier voller tiefer Schlagloecher waren. So schlimm hatte ich das von meiner letzten Marokkotour nicht in Erinnerung.
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Irgendeines dieser Loecher habe ich dann uebersehen, was mir das Vorderrad mit einem Plattfuss quitierte. Es fanden sich ein paar Steine als Hilfsstaender, und bald war das Vorderrad ausgebaut. Dummerweise hatte ich nicht richtig hingeguckt und einen 18" Schlauch eingepackt. Ein naher Bach half, die beiden Loecher ('Snakebite') zu flicken und auf Dichtigkeit zu pruefen.
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(Foto: Ralf)

Trotzdem war ein paar Kilometer weiter die Luft wieder raus. Entweder war ich mit zuwenig Luftdruck in ein 2tes Schlagloch gerauscht oder ich war zu doof zum Flicken. Da es jetzt dunkel war, nahm ich das Angebot einer Tankstelle an, mir einen Abschleppwagen zu organisieren, der mich fuer wenig Geld zu einem nahen Reifendienst schleppen wuerde.
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Die Jungs dort waren gut drauf und motorradbegeistert. Dann sahen sie den Hals meiner Weinflasche aus dem Gepaeck ragen. So dauerte die Reparatur am Ende deutlich laenger als wenn ich es selber am Strassenrand gemacht haette. Dafuer war der Wein getrunken und ich hatte jetzt sogar einen 21" Ersatzschlauch.
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(Foto: Ralf)

Auf der einen Seite taten mir Ralf und Franz leid, die jetzt schon wieder wegen mir warten mussten. Andererseits sind es aber Erlebnisse wie dieses, die das Reisen interessant machen und den Unterschied zwischen 'Urlaub' und 'Abenteuer' fuer mich ausmachen.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 24.11.2018 00:57

Am naechsten Tag besorgten wir uns zunaechst SIM Karten mit Datenguthaben. Einige GB kosteten uns ca. 5 EUR, und der Empfang sollte sich als schneller und zuverlaessiger herausstellen als jedes Hotelnetz. Dann ging es weiter Richtung Fez.
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Am Nachmittag kam dann auch die Sonne endlich raus.
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Wir fanden ein Hotel direkt am Rand der Medina.
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Nachdem die Zimmer bezogen waren, machten wir uns auf, die kleinen Gassen zu erkunden und einen Happen zu Essen zu finden.
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(Foto: Ralf)

Am naechsten Tag buchten wir dann eine Fuehrer, der uns die Medina naeher zeigen sollte. Er machte seine Sache gut, und auch wenn ich sowas eigentlich nicht mag, kann ich es empfehlen, da wir sonst einiges Interessantes uebersehen haetten.
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Zum Abendessen entschlossen wir uns fuer ein marokkanisches Restaurant, welches sehr gute Kritiken zu haben schien. Es dauerte eine ganze Weile, aber dann fuellte sich unser Tisch mehr und mehr mit mit Leckereien. Unschwer zu erkennen, dass sich Ralf weit mehr auf die marokkanische Kueche freute als Franz ...
:lol:
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon pip » 24.11.2018 01:13

Von Fez ging es weiter Richtung Midelt und Errachidia. Dabei mussten wir die Auslaeufer des Atlasgebirges queren, wo es nocheinmal richtig kalt wurde. Mittags stoppten wir in einem Dorf und bestellten gebratene Haehnchen bzw. Ziege. Das Ziegenfleisch - ueber Holzkohle gegrillt - stellte sich als ueberaus zart und schmackhaft heraus.
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Mit den Bergen im Ruecken gab es jetzt nur noch blauen Himmel.
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Im Tal der Ziz war ich zum Fotos schiessen ein bisschen vorausgefahren.
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Gluecklicherweise war ich gerade erst wieder losgefahren als hinter einem Vorsprung 2 Polizisten mit Laserpistolen lauerten. Da ich meine Kumpels kaum warnen konnte, beschloss ich die Polizisten abzulenken:
- "Hallo. Schoene Motorraeder, darf ich ein Foto machen?"
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In Errachida fand sich abends ein Kasbah-Hotel fuer die Nacht. Wie meist ueblich, gabs auch hier einen Pool im Innenhof - dafuer war es uns aber zu kalt.
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Re: Pyrenäen mit Umweg

Beitragvon franz_99 » 24.11.2018 12:13

Ja das Essen im Edelsten Ambiente war wohl das teuerste aber auch das gewöhnungsbedürftigste. :( An den Grillständen an der Strasse war es deutlich besser und viel viel günstiger :mrgreen:
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Re: Pyrenäen-Reisen mit Umweg ueber Marokko

Beitragvon pip » 24.11.2018 18:58

Am naechsten Tag erreichten wir Merzouga. Entlang des Erg Chebbi zieht sich heutzutage eine Perlenkette von grossen und kleinen Kashab-Hotels. Wir machten uns auf die Suche nach einer netten Unterkunft, die auch schwer beladen gut zu erreichen waere.
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Die Wahl fiel auf die Auberge les Dunes d'Or, welches einen sehr netten Eindruck machte. Ausser uns fanden sich im Laufe des Tages noch ein Renault Club, eine kleine Motorradtourgruppe (2 Deutsche mit 2 Guides) sowie Tina Meyer (DirtGirls.de) mit knapp einem Duzend KTMs. Sie fuehrte zur Abwechslung keine reine Frauentruppe, sondern Ehepaare durch die Wueste. Auch die Jungs trugen ihre farbenfrohen Jerseys mit Dirt Girl Rueckenaufdruck zu Schau. :D
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Nachdem die Sonne sich verabschiedet hatte gab es ein Buffet, dazu trommelten und sangen die Angestellten fuer uns.
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Ralf wollte einen Tag aussetzen und eine Erkaeltung kurieren, also machten Franz und ich uns alleine auf in Richtung Gara Medouar, einer Felsformation, die u.a. fuer Die Mumie und Spectre als Kulisse diente. In frueheren Zeiten hatte man in diesem Felsenkessel Sklaven vor dem Verkauf nach Portugal eingesperrt.
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