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Den Balkan erkunden ... und ein Stueck Tuerkei

Kleine und große Abenteuer auf dem alten Kontinent

Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 22:47

Auf dem naechsten Abschnitt gab es dann hardgetrockneten Untergrund mit einer Schicht feinsten Sandstaubs darauf. Von alten Dakarrennen kennt man dies vielleicht noch als 'Fesch-Fesch', in Australien nannten wir es Bulldust. Er ist so duenn, dass er nicht traegt und die Raeder tief eintauchen. Zudem bleibt der Staub, einmal aufgewirbelt, ewig in der Luft haengen.
Ich mag dieses Inboard-Video von 2009: https://www.youtube.com/watch?v=sQ5lZu4-GXA
Besonders gefaehrlich ist das Zeug fuer Motorraeder, wenn dazwischen groessere Steine rumliegen: Faehrt man langsam, bleibt man stecken - faehrt man schnell, reisst evtl. die Felge ...

Hier in Albanien war der Sand allerdings viel zu duenn, um ein Problem zu sein. Dafuer hatten aber schwere Laster tiefe Spurrillen hinterlassen. Wie immer, verpasst man es aber gerade an den interessanten Stellen, vernuenftige Fotos zu machen. Einige waren so tief, dass die Fussrasten beidseitig aufsetzten. Und selbst die hochbeinige XChallenge setzte hier und da mit dem Bodenschutz auf.
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Mit diesem Abflussrohr verbrachte ich einige Zeit, da ich wieder mal eine dumme Linie gewaehlt hatte. Somit musste ich ein paar Meter zurueck den Huegel hinauf, um einen besseren Anfahrtwinkel zu finden. Aechtz!
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Spannend wurde es dann, als die Spurrillen zu tief zum Fahren wurden. In der Mitte war es auch zu huppelig, und rechts war kein Platz. Somit blieb nur die Spur direkt links am Abhang, wissend, dass ich weder rechts noch links Hoffnung zu haben brauchte, einen Fuss auf den Boden zu bekommen. Vielleicht half dabei sogar der hohe Vorbau, da ich somit den Boden vor mir nicht sehen konnte. Das lenkte ganz natuerlich meinen Blick weiter nach vorne. Ich denke, hier hatte der Track seinen Spitznamen bekommen ...
Auch dies Foto wird dem Weg nicht ganz zurecht, selbst wenn es hier weit weniger tief hinabgeht als vielleicht irgendwo in Suedamerika.
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Weiter oben wurde es dann einfacher, und der Untergrund bestand teilweise aus dem blanken, anstehenden Fels.
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Aber auch auf solchem Untergrund sollte man aufpassen, da einiges passieren kann:
https://www.youtube.com/watch?v=0BOOxl8 ... tu.be&t=5m (Nichts fuer schwache Nerven!)

Zur Abwechslung ging es dann in ein Tal, wo ein paar kleine Furten anstanden und es sogar einige Meter durch das Bachbett weiterging.
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Das Ganze waren wohl nur einige Kilometer, aber die waren spassig gewesen. Etwa auf der Hoehe von Moglice wurde es deutlich einfacher in Richtung Gramsh. Es ging durch eine nette Schlucht ...
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Dann tauchte am Horizont eine grosse Staubwolke auf, die ueber einem Tal hing. Man baute an einer Reihe Serpentinen, die die Strasse den Hang hinauffuehren sollten.
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Schliesslich oeffnete sich die Schlucht zu einem weiten Tal mit dem fast ausgetrocknetem Flussbett an der Sohle.
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Ich hatte den Eindruck, es muesste sich ein Weg entlang des Flussbettes finden lassen, aber auf mich alleine gestellt, war mein Enthusiasmus, den Tag auf der Suche nach fahrbaren Furten zu verbringen, verschwindend gering. So blieb ich auf dem Asphaltband am Rand.
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Nicht viel weiter konnte ich dann unzaehlige Kieslaster das Flussbett rauf- und runterfahren beobachten. Zwischen ihnen haette ich eh nicht viel Spass gehabt. Zudem stand ein Wachposten an der naechsten Einfahrt, um Zivilisten fernzuhalten. Die Laster waren auf dem Weg zu einer Dammbaustelle.
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Die letzten 30km durch das flache Kuestenvorland waren dann langweilig. Ich fand den Campingplatz etwa 20km suedlich Durres und zahlte fuer die Nacht, was mich mich soviel kostete, wie die letzten 5-6 Naechte zusammen.
Dafuer gab es aber einen Platz direkt am Strand. Auch eine kleine kuenstliche Insel war da, auf der abends frische Pizza gebacken wurde. Yippie!
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Leider war es dann aber zu windig fuer den Kohleofen, und ich musste mit gegrilltem Fisch im Restaurant auskommen. Das Leben ist schwer.
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In der Nacht hingen schwere Gewitterwolken ueber den Bergen hinter mir. Auch in Kroatien, weiter im Norden hatte es geregnet. Ob mir jetzt eine regnerische Rueckfahrt bevorstand?
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Die Wolken hingen auch am naechsten Morgen noch ueber den Bergen. Ich folgte der Kueste Richtung Shkodra, Kotor und Dubrovnik, womit ich den Regen im wesentlich umfahren hatte.
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Es waren noch ein paar Tage mehr bis nach Hause: Entlang der kroatischen Kuestenstrasse und dann auf Nebenstrassen durch Slovenien, Italien, Oesterreich und Deutschland. Die letzten Kilometer in Slovenien wurde es auch kalt, und ich zog das Regenzeug ueber meine duenne Sommermontour. Kaum in Italien, kam mir die Polizei hinterher und hielt mich an: Mein Motorrad sei zu dreckig. Nachdem ich wenigstens das Nummernschild abgewischt hatte, durfte ich weiter ...

Der TKC80 war dann nach 5000km am Ende. Das Motorrad hielt sich gut, nur beim Kupplungsdeckel stand jetzt die beruechtigte Reparatur an, die wohl jede XChallenge bei ca. 30,000km ereilt. Die Route:
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 22:55

Ein Jahr spaeter sass ich gelangweilt in einem Hotel in Wisconsin, darauf wartend, dass etwas passiert. Ein nahegelegenes Motorradmuseum preiste die Erzeugnisse der dazugehoerigen Fabrik im Laufe der vergangenen Jahrzehnte an. Irgendwie gelang es mir kaum, ueber die Zeit Unterschiede oder Fortschritte zu entdeecken ... Diese Schauwand fasst gut meinen Eindruck des Ganzen zusammen:
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:twisted:

In diesem Moment erreichte mich eine Mail von Markus, der eine anstehende Reise in die Tuerkei erwaehnte. Tolle Idee, ich bin dabei! Zurueck in Deutschland schmiss ich also umgehend die Klamotten in die Waesche und suchte meine Campingausruestung zusammen. Eine Woche spaeter rollte ich bei ihm auf den Hof ...
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 23:21

Wir waehlten die Route ueber den Brenner und durch die Dolomiten. Dann ging es ostwaerts, mit dem Grenzuebertritt nach Bosnien bei Gradiska und nach Serbien bei Zvornik. Es gibt nicht viel zu erzaehlen ueber diese ersten Tage, nur dass es jetzt staendig regnete und die Temperaturen einstellig bliegen, bis wir an Zagreb vorbei waren. Da Markus eine 1150 GS faehrt, war auch die meine Wahl auf die GS gefallen. Bei all dem ungewohnten Stauraum hatte ich dann, mehr als Witz, eine Heizjacke mit eingepackt. Die kam mir hier sehr zu nutzen, da meine Sommerkluft nicht einmal winddicht war. Markus hingegen litt ziemlich unter der Kaelte. Welcher Idiot packt denn auch im Juni warme Klamotten fuer eine Reise in die Tuerkei ein?

Wir fanden einen tollen Campingplatz nahe Uzice (43.871947N, 19.880916E). Es war im wesentlichen ein Bauernhof, und man bot an, fuer uns Abendessen zu kochen. Dazu gab es eine Garage fuer die Motorraeder, und selbst wir haetten unsere Schlafsaecke in ihrem Gastraum ausrollen koennen: "Seid ihr sicher, dass ihr Zelten wollt? Es koennte regnen."
Sehr nette Leute, und sehr empfehlenswert. Unsere Zeltwiese:
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Dazu gab es einen grimmigen Wachhund:
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Kaum ueber die bulgarische Grenze, sah alles ganz anders aus.

Diese Strasse war nur eine Verbindung zwischen Doerfern und voller Schlagloecher. Hier und da war der Asphalt komplett verschwunden - die GS war in ihrem Element. Die Sonne schien, und zum ersten Mal kam wirklich das Gefuehl auf, auf Motorradreise zu sein, anstatt nur irgendwo ankommen zu wollen.
Die erste Tankstelle sah auch nicht sehr vielversprechend aus ...
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Lokalverkehr (Foto: Markus)
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Seltsamerweise hingen ueberall auf diesen kleinen Wegen Hinweiseschilder fuer eine Vignettenpflicht. Keine Ahnung, was das bedeutete.
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Wir beendeten den Tag in Belogradtschik, bekannt fuer seine Felsformationen. Der Campingplatz war fast leer, bis auf eine Amerikanerin mit ihrer Tochter. Ich glaube, sie lebten in Belgrad, und warnen per Anhalter hierher gekommen. Ihrer Erfahrung nach war es voellig problemlos, mit einem kleinen Maedchen zu trampen, da niemand ein Kind am Strassenrand stehenlassen wuerde. Sie wuerden grundsaetzlich gut aufgenommen und versorgt werden, und haetten sich noch nie unsicher gefuehlt ...
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 19.05.2017 23:45

Die kleinen Doerfer abseits der Hauptverkehrsstrassen waren ganz nach meinem Geschmack. Als Ueberbleibsel der sozialistischen Zeit gab es immer einen grossen Zentralplatz, typischerweise mit einem Verwaltungsgebaeude oder einer Schule - sowie natuerlich einer Statue oder einem Denkmal.
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Meinen Kaffee schluerfend, bemerkte ich auf einem dieser Plaetze ein geniales Beleuchtungssystem in den Baeumen ueber mir: Man hatte Lampenfassungen an Draehten aufgehangt, und mit halbierten Milchtueten vor Regen geschuetzt.
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Es gab aber auch viele Beton-Wohnburgen in verwahrlostem Zustand. Sie waren noch bewohnt, aber oft war nirgend ein Zeichen von Reparaturen oder sonstiger Instandhaltung zu sehen. Wo es gar nicht mehr bewohnbar war, liess man einfach ein Apartment leer. Obwohl Teil der EU, ist dies sicherlich eines der aermsten Laender mit der hoechsten Armutsrate in Europa (21.8% laut Wikipedia).
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(Foto: Markus)

Der hier sah mir aehnlich ...
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Dieses Hotel hier wirkte fast neu. Vielleicht hatten sie noch Zimmer frei?
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(Foto: Markus)

Fuer uns ging es weiter auf kleinen Strassen nach Osten. Ein Umweg fuehrte uns in die Berge, um das Kloster in Trojan zu besuchen. Hin und wieder sahen wir Gruppen von Pferden, die Holz aus den Waeldern abtransportierten.
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Das Kloster in Trojan ist immer noch bewohnt. Eines der zentralen Gebaeude ist eine Kirche, die komplett innen und aussen mit Malereien und Schnitzereien geschmueckt ist. Da ich davon in einem alten Reisebericht schon einiges gezeigt habe, hier nur ein paar exemplarische Bilder. Die Kirche:
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Danach ging es direkt weiter ins Motocamp nach Idlevo. Es gehoert einem Ami, der schon mehrfach mit alten Motorraedern um die Welt gefahren ist, und wird von Nachbarn betrieben, wenn er unterwegs ist. Sie schlossen uns auf, und zeigten uns den Kuehlschrank mit dem Bier.
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Es ist etwas beunruhigend, Anweisungen zu finden, wie man auf Motorradfahrer schiesst ... Erinnert mich an die Helikopterscene aus Full Metal Jacket, aber das gehoert hier nicht hin.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 20.05.2017 00:02

Am naechsten Tag stand das Buzludzha Monument auf der Liste. Zunaechst mussten wir aber an einigen anderen Denkmaelern vorbei. Dieses bezieht sich auf die bulgarischen Aprilaufstaende in 1876.
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Das Shipka Monument auf dem Stoletov Gipfel, welcher ein Schlachtfeld im Russisch-Tuerkischen Krieg in 1877.1878 war.
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Waehrend dort Busladungen Touristen mit Souvenir-Hueten und allem was dazu gehoert herumtollten, war die Strasse auf den letzten Kilometern zum Buzludzha Monument voellig leer. Ausser uns waren dort nur zwei Franzosen.
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In anderen Berichten hatten wir gelesen, dass man in das Denkmal hinein kommt, und vielleicht sogar der Turm besteigbar ist. Aber aufgrund der Einsturzgefaehrdung hatte man nun jede noch so kleine Oeffnung verbarrikadiert und verschweisst. Stahlgitter verschliessen den Haupteingang.
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Kaum verwunderlich, dass sich trotzdem eine Loesung fand. Irgendwer hatte wohl mit einer Kette und einem Auto eines der Stahlgitter herausgerissen ...
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Gehts hier weiter?
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Das Innere ist im wesentlichen ein grosser Dom mit einem Rund von Sitzbaenken um ein Podest. Sonnenlicht durchbricht das zerfallende Betondach und faellt auf tausende von Mosaiksteinchen, die jeden Zentimeter Wand und Boden bedecken. Dazwischen trafen wir auf ein paar Leute aus Neuseeland und New York.
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Der Ort ist atemberaubend. Ich koennte hier stundenlang herumstoebern und fotographieren, vielleicht auch bis in die Nacht, um den Mond durch die Loecher in der Decke zu beobachten.

Der New Yorker war professioneller Fotograph und hatte sich direkt ein Modell mitgebracht. Wir schauten ihnen eine Weile bei der Arbeit zu, rein aus technischem Interesse an der Fotographie.
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Da wir heute aber noch in die Tuerkei wollten, mussten wir weiter. Das hier sieht unstimmig aus. Ich haette meine Lederjacke mitnehmen sollen.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 20.05.2017 00:39

Nachdem wir uns freundlich von dem Model (und dem Fotofritzen) verabschiedet hatten, ging es auf der anderen Seite den Berg hinab. Hier kam uns in einer Ecke eine CRF1000L entgegen und war verschwunden, bevor wir haetten anhalten koennen.
Auf den letzten Kilometern vor der tuerkischen Grenze ging es dann an hunderten Lkws vorbei, die auf die Abfertigung warteten.
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Dann mussten auch wir uns anstellen. Es waren 2 Schalter offen, aber als wir ans Fenster kamen sah ich, dass der eine Beamte an einem leeren Tisch sass. Er tat nichts Anderes, als Papiere entgegenzunehmen und an seinen Kollegen durchzureichen. Der prozessierte somit beide Schlangen ganz alleine. Als ich ankam, war er mit einem Minovan beschaeftigt, so dass es 6 oder 7 Paesse zu bearbeiten gab. Markus stand hinter mir und hatte keine Ahnung, vom Geschehen: "Was ist los, warum brauchen die solange fuer Dich?" Ich erklaerte es ihm: "Er hat meine Papiere noch nicht einmal geoeffnet ..."
Als der Minivan dann fertig war, gingen die Papiere wieder an den Kollegen, der sie aus dem Fenster ans Auto weiterreichte. Das war alles, was er machte. Papiere zwischen dem Fenster und seinem Kollegen hin- und herreichen.
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Als naechstes stand der Zoll an. Von einem frueheren Besuch erinnerte ich mich, dass man gerne das Motorrad in den Pass eintrug, um sicherzustellen, dass man nicht ohne wieder ausreiste. Ich guckte mir also meinen Pass an, und stellte fest, das der Kollege eben einen der Stempel auf eine falsche Seite gedrueckt hatte. Das konnte heiter werden ... Als ich endlich mein Motorrad ans Motorrad schob, nahm der Zoellner meine Papiere, stand auf und kam aus seinem Haeuschen. Was passierte nun?
Er schob eine Barriere vor mein Motorrad: "Entschuldigung, Schichtwechsel." Gut 10 Minuten spaeter kam sein Ersatz, und 30 Sekunden spater war ich in der Tuerkei.

Die naechsten Tage sind vielleicht 'off topic' hier, aber das wird wohl keinen stoeren.
:D

In Erdine hielten wir um Geld zu holen und zu essen. Dabei kamen wir mit einigen Musikanten ins Gespraech, die fuer eine politische Veranstaltung musizierten. Der naechste Campingplatz war direkt ausserhalb der Stadt, in Hoerweite sowohl der Autobahn als auch der Eisenbahnschienen.
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Morgens ging es auf Nebenstrassen Richtung Gallipoli, wo wir die Dardanellen ueberqueren wollten. Wir sahen viele Reisfelder und Stoerche.
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Ein Schulhof.
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Bei Kessan standen wir im Stau. Mein Motorrad war wahrscheinlich 10-20cm schaler als die GS von Markus, so dass ich besser durchkam und Zeit hatte anzuhalten, um mir den Grund anzugucken. Mitten in einer Baustelle war dieser Tieflader quer auf der Kreuzung steckengeblieben. Die Polizei war auch schon da und hielt den Verkehr in allen 4 Richtungen auf.
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Beim Schreiben dieser Zeilen faellt mir ein, dass die Tuerkei (wie viele andere Laender auch) es absolut nicht mag, wenn man Grenzen oder Militaereinrichtungen und -ausruestung fotographiert. Ich moechte daher hier klarstellen, dass die Bilder oben gar nicht an der Grenze entstanden sind, und der Panzer auf dem Tieflader einem Paintball-Anbieter gehoerte.

Ein paar Kilometer weiter entdeckte ich ein Einkaufszentrum. In den letzten Tagen hatten wir es uns angewoehnt, regelmaessig Cappuchino zu trinken und dabei ueber das WiFi des jeweiligen Cafes Wetterberichte zu verfolgen, mit der Familie zu reden oder auch einfach Ziele zu recherchieren. Problematisch war, dass es zugunsten von Fertigpulver weniger und weniger echten Kaffee gab. Mein Gedanke war, dass jedes anstaendige Einkaufszentrum einen Juppie-Cafe a la Starbucks hat ... und ich hatte recht.

WiFi fanden wir auch in einem Restaurant direkt neben der Faehre in Gallipoli. Wichtiger noch, sie hatten frischen Fisch. Dann ging es weiter nach Erdek. Laut Reisefuehrer ist dies ein Ziel fuer Billigurlauber aus Istambul mit einigen Campingplaetzen, ueber die alle nicht viel Gutes zu berichten ist. Wir probierten es trotzdem.

Tatsaechlich sah es auch nicht sehr einladend aus, aber am Ende fand sich ein Platz der ganz nett wirkte, (40.388724N 27.854228E) und wir konnten sogar eine weitere 1150 GS stehen sehen. Man erklaerte uns, dass die Motorraeder nicht aufs Areal duerften. Dafuer gab es einen sicheren Stellplatz und einen Karren fuer unsere Zeltausruestung. Ein ziemliches Gewicht!
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Die GS gehoerte zu einem weiteren Deutschen, Marc. Er war bereits auf der Heimreise und wirkte ziemlich erfreut, wieder Deutsch reden zu koennen. Wir schmissen alles Essen in die Mitte, zuendeten den Grill an und speissten grossartig. Es wurde noch besser, als irgendein Camper uns eine Flasche Cola und eine grosse Platte tuerkischer Suessigkeiten vorbeibrachte. Gastfreundschaft wird hier hochgehalten!
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"Under der Laterne ..."
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 20.05.2017 00:50

Jetzt waren es also schon 3 BMWs, und natuerlich mussten wir am Morgen erstmal ein Cafe finden. Danach verabschiedeten wir uns fuers Erste von Marc. Vielleicht ganz interessant in dieser Gegend ist der Reifenhaendler in Bandirma, ein paar Kilometer die Strasse hinunter. (40.345701N 27.980172E) Dort waren diverse Reifensaetze fuer Reiseenduros auf Lager, und wir meinten auch gelesen zu haben, dass er einem Ersatzreifen ueberall in die Tuerkei zuschicken kann.
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Die naechsten 2 Tage folgten wir der Hauptstrasse gen Osten und hofften auf besseres Wetter. Es war alles andere als begeisternd. Die Nacht verbrachten wir in einem Hotel in Polati, dann spazierten wir am Morgen ueber den Markt und beobachteten die aufkommenden Regenwolken.

Barbier.
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Der Typ links sang fuer seine Freunde irgendwo in einem Stadtpark.
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Markt am Morgen
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Die Kinder auf der Strasse stoerten sich nicht gross am Regen - uns gefiel er weniger.
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Am Ende des 2ten Tages rollten wir dann endlich in Uchisar ein. Voellig durchnaesst, aber erfolgreich!
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 20.05.2017 14:20

Ein Teppichhaendler pries das Gasthaus eines Verwandten irgendwo in der Stadt an, argumentierend, dass wir woanders weit ueber 100 Euro pro Nacht zahlen wuerden. Wir bedankten uns, ignorierten seinen Rat, und strebten auf eines der Hoehlenhotels direkt unter der Burg zu. Die 'Burg' ist der durchloecherte Berg im Bild oben. Dort bekamen wir je eine Hoehle mit Fruehstueck zu dem gleichen Preis, den uns das Gasthaus gekostet haette. Selbst die Motorraeder hatten eine Hoehle fuer die Nacht.
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Wir schaelten uns aus den Regensachen, sortieren die nassen Klamotten und duschten. Dann ging es zum Abendessen und auf ein Bier in die Stadt.
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Hier der Blick von unserem Balkon.
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Ueber diese Gegend muss man wissen, dass taeglich zum Sonnenaufgang ein Schwarm Heissluftballons ueber das Tal fliegt - sofern es das Wetter zulaesst. Daher hatten wir den Wecker auf 4 Uhr frueh gestellt, um ihnen zuzugucken und einen guten Platz zum Fotographieren zu suchen.
Zum Glueck fuer uns waren die Regenwolken ueber Nacht abgezogen, und als wir durch Goereme fuhren, sahen wir bereits die ersten Ballons bei den Startvorbereitungen.
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Ich hatte den Eindruck, die Ballonfahrer machten sich einen Spass daraus, so nah als moeglich an die Felsen heranzufliegen. Manchmal sogar zwischen ihnen durch.
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Als die Ballons an uns vorbei waren, machten wir uns auf zu einem Aussichtspunkt, wo wir andere Ballon- und Sonnenanbeter beim Fotographieren fanden.
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Dann ging es zurueck ins Hotel, wo inzwischen unser Fruehstueck auf uns wartete.
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Es sah sehr gut aus, und wir mussten es gegen die einheimischen Raubtiere verteidigen.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 20.05.2017 14:38

Nach dem Fruehstueck fuhren wir zum Goereme Freilichtmuseum, einem ganzen Tal voller kuenstlicher Felshoehlen. Dies ist eines der zentralen Touristenziele und entsprechend frequentiert. Ich moechte nicht wissen, wie es hier in der Hochsaison aussieht.
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In den Hoehlen gibt es viele Kirchen, von denen einige sicher auch Kloester gewesen waren.
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Insbesondere die Kirchen waren ueber und ueber mit Wandgemaelden geschmueckt.
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Leider war es aber verboten, in den Hoehlen zu fotographieren. Ich vermute mal, weil die Blitze der Wandfarbe schadet - das war aber nicht weiter erklaert. In fast jedem Raum sass ein Wachmann, der ein strenges Auge auf die Einhaltung des Verbotes hielt:
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Wachsam musste man auch den Gruppen asiatischer Schulmaedchen gegenueber sein. Jedes mit einem Smartphone vor der Nase, wichen sie niemanden. Wenn man nicht ueberrannt werden wollte, ging man ihnen besser aus dem Weg. Mich erinnerte das an die 'Schildkroetentaktik' der Asterix-Roemer, nur dass hier die Schilde gegen Handies vertauscht waren.
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Natuerlich waren nicht alle Asiaten unfreundlich oder ignorant, der hier zum Beispiel war ausserordendlich liebenswuerdig.
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Weiter im Norden fanden wir dann weitere Felsformationen, die zu erkunden waren. Ich fand es weit faszinierender, ziellos zwischen den Felsen herumzuklettern, als auf einem ausgetretenden Pfad durch ein Museum zu stolpern. Diese Formationen nennt man Hoodoos - im Englischen haben sie dazu den poetischen Namen Fairy Chimneys (Feen-Schornsteine).
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In einer der Hoehlen trafen wir diesen freundlichen Malaien.
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In der Umgebung von Zelve waren die Felsen fast schneeweiss ...
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... und auch die Einheimischen genossen den Ausblick.
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Re: Den Balkan erkunden

Beitragvon pip » 20.05.2017 18:52

Als ich klein war, wimmelte es zuhause im Sommer ueberall von Touristen, ueber die wir unsere Spaesse machten. Der Standard-Touri war Hamburger im Polyester-Trainingsanzug, weissen Socken und Sandalen. So driftete auch hier meine Aufmerksamkeit von den Hoehlen hin zu den Schrullen der Touris. Wer hat die schraegsten Klamotten, wer wirkt am ehesten fehl am Platz? Frisch in Mode gekommen waren Selbstportraithandstative, kurz: Selfie-Sticks. Diese beiden sind mir zudem in jedes Bild reingelaufen ... :evil:
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Nebenbei, welchen Sinn haben Selbstportraits, wenn man den Kopf verhuellt? Da lief auch jemand mit Burka und Selfie-Stick herum ...
https://youtu.be/LIkfBh3gYT4?t=36s

Das Zelve Freilichtmuseum
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Als naechstes suchten wir uns ein Cafe in Goereme, um etwas auszuruhen. Wir waren keine 5 Minuten mit dem ueblichen Cappuchino beschaeeftigt, da rollte die naechste GS vor. Irgendwie scheinen BMWs von Cafes angezogen zu werden ...
Michael war auf Solotour von Deutschland nach Vladivostok.
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Am Morgen war alles bewoelkt und vernebelt, kein Wetter zum Ballonfahren. Stattdessen wollten wir nach Derinkuyu. Wir waren keine 10km gekommen, bevor der Regen begann. So drehten wir um, um Regenzeug zu holen. Das dauerte dann auch lange genug, dass sich der Regen verziehen konnte.
Einheimische beim Zigaretten holen.
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Derinkuyu ist ein kleines Dorf, bekannt fuer die unterirdische Stadt unter ihr. Laut Wikipedia hat man gut 400 solche Staedte in der Umgebung gefunden, und diese war eine der groessten. Wiki redet von 8 Stockwerken und Schaetzungen von 3,000 bis 50,000 Einwohnern. Unklar ist, ob sie als Schutzburgen oder Wetterschutz vor der Winterkaelte dienten.
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Irgendwer hat wieder die Tuer nicht zugemacht!
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Eine unterirdische Kirche
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Neben dem Eingang zur unterirdischen Stadt war eine alte armenische Basilika.
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Da sie fest verschlossen war, versuchte jedermann, durch Tuerschloesser einen Blick ins Innere zu erhaschen ...
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Unser Weg fuehrte uns weiter zur Ihlara-Schlucht.
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Warum sind es zumeist die Klapphelmfahrer, die ueberall den Helm auflassen? Dabei sollte der doch besonders einfach abzunehmen sein ... Ich finde, das wirkt sogut wie ueberall fehl am Platz.
:D
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Yaprakhisar
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Sind wir endlich da?
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Auf dem Weg zurueck ins Hotel kamen wir dann in den Berufsverkehr.
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Re: Den Balkan erkunden ... und ein Stueck Tuerkei

Beitragvon DiePfalz » 20.05.2017 21:46

Deine Berichte sind einfach nur Klasse :D
Weiter so :!:
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Re: Den Balkan erkunden ... und ein Stueck Tuerkei

Beitragvon klausmong1 » 21.05.2017 08:12

Ich erkannte viele Plätze von Deinem Bericht und bin teilweise auch dort gestanden wie Du 8)
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Re: Den Balkan erkunden ... und ein Stueck Tuerkei

Beitragvon Blaues-Wunder » 21.05.2017 09:18

Einfach nur klasse :!:

Hoffe wir sehen uns nächste Woche in Sippersfeld, bin ab Mittwoch Abend dort :)
Tanti cari saluti
Andrea

*************************************************************

Immer wieder schön: Mopped packen, Zelt drauf und los....
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Re: Den Balkan erkunden ... und ein Stueck Tuerkei

Beitragvon pip » 21.05.2017 10:20

Ja, wenn nichts dazwischen kommt, komme ich auch auf das HU-Treffen im Pfrimmtal. Kann aber nicht sagen, wann ich hier los komme.
8)
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Re: Den Balkan erkunden ... und ein Stueck Tuerkei

Beitragvon pip » 21.05.2017 15:44

Am Abend fuhren wir noch einmal los, um die Felsformationen im Sonnenuntergang zu sehen.
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Uchisar bei Nacht
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Jetzt war noch knapp die Haelfte meines Urlaubs uebrig, und langsam musste ich mich gen Deutschland orientieren. Zunaechst aber stand was ganz Anderes an. Noch etwas frueher aufstehend als in den letzten Tagen, holte mich ein Kleinbus um 3:45 am Hotel ab. Wir fuhren vor die Stadt, wo man Kaffee und Kekse aufgebaut hatte.
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Uns stand Grosses bevor!
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Das ganze Feld war unter Stoff begraben, der sich nach und nach mit Luft fuellte.
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Ein paar ganz fruehe erhoben sie schon in die Luft. Jeder der Ballons ist fuer 12 bis 20 Passagiere ausgelegt.
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16 sollten in unseren Korb, der fuer 20 ausgelegt war. Zwischenwaende teilten ihn in Viertel, so dass nicht alle auf eine Seite draengen und das Gleichgewicht stoeren konnten. Ueber dem Korb gab es ein kleines Segel fuer die Flugstabilitaet. Angesichts der Windrichtung konnte ich mir also ausrechnen, wo ich einsteigen musste, um die Sonne zum Fotographieren im Ruecken zu haben.
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Auch hier gab es eine Sicherheitseinweisung: "Im Falle eines Notfalls fuehren blaue Leuchtmarkierungen am Boden zum naechsten Notausgang. Ziehen Sie die Schwimmweste unter dem Sitz hervor und legen Sie sie an, damit bei einem Absturz ihren Koerper einfacher wiederzufinden ist. Am Kragen befindet sich eine Trillerpfeife, um Suchflugzeuge auf sich aufmerksam zu machen ..."

Spass beiseite, hier ging es nur darum, wie man sich fuer die Landung hinkniet. Jeder musste kurz vorfuehren, dass er das verstanden hatte, und es ging los.
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