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Muelheim/Wladiwostok mit 6 PS

Und wo warst Du?

Muelheim/Wladiwostok mit 6 PS

Beitragvon schnappes » 18.08.2008 05:20

Hallo an euch.
Ein unbeschreibliches Gefuehl steckt in mir.
Haben zu zweit,mit Dieselmotorraedern die schoene aber zum Teil auch sehr schwere Strecke hinter uns gebracht.
Fuer die ca.15000km haben wir gute 40 Tage gebraucht.Durchschnitlich 2ltr Diesel/100km verprasst.
Zum gluecklichen Finale unserer Tour war am vorletztem WE.auch das gr.Motorradtreffen in Nakhotka(ca180km)ausserhalb von WLW.was wir uns natuerlich nicht entgehen liessen.Als Ehrengaeste wollte viele mit uns anstossen.Wie das ausging,brauche ich wohl nicht zu beschreiben.
Heute Nacht gegen 3uhr fahre ich mit dem Zug nach Moskau,wo ich am 25.08.ankomme.Dort nehme ich meinen kl.Diesestinker in Empfang und mache mich auf,in der Hoffnung puenktlich zum Treff in Gieboldhausen anzukommen.
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Beitragvon Speed5 » 18.08.2008 18:05

Hallo,

herzlichen Glückwunsch, das nenne ich mal eine Leistung.

Hut ab. Ihr habt meinen größten Respekt.


Gruß Michael
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Beitragvon putzi » 10.12.2008 19:04

Reschpekt!

Gruss,
p.
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Mülheim -Wladiwostok

Beitragvon schnappes » 10.12.2008 22:27

Es ist jetzt schon etwas her,aber erwische mich immer wieder dabei,das Erlebte nachzuarbeiten.Wie oben erwähnt,bin ich am 18.08.08 mit der Transsib.nach Moskau.Am25.08.dort angekommen.Motorrad sollte am gleichen Tag auch dort eintreffen.Verlademeister hat es übersehen und so konnte ich erst 3 Tage später weiter nach Hause fahren.Kam mir sogar gelegen,da ich am 1.WE.im September,in Gieboldhausen eintreffen wollte.23Km vor Görlitz hat sich ein Getriebefehler eingeschlichen.So das ich die Weiterfahrt mit einem Leihwagen aufnehmen mußte.Habe bis dahin gute 18000Km von dieser Tour auf dem Tacho gehabt.
Es wäre ein schöner Abschluß meiner Wladiwostok Tour geworden.
Das WE.war trotzdem schön,wie immer unter Gleichgesinnten zu sein.
Habe unter Google ein Album reingestellt,in der Hoffnung,das interessierte es öffnen können.unter:
http://picasaweb.google.de/derrumtreibe ... adiwostok#
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Beitragvon Ralf&GS » 11.12.2008 17:37

Hallo schnappes - habe mir ALLE Bilder angesehen. Schön, dass du sie im Netz zeigst! Gerde jetzt in der "Saure-Gurken-Zeit"...
Ralf

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Beitragvon schnappes » 14.01.2009 13:41

Sollte jemand Fragen zu meiner/unseren Tour haben,ruhig unter schnappes@web.de anfragen.Mein Garmin 276C hat auch die Tracks gespeichert.
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Unsere Tour nach Wladiwostok.

Beitragvon schnappes » 28.01.2009 03:18

Russia Face to Face 2008
Mit zwei Dieselmotorrädern einmal quer durch das größte Land der Welt

Damals, als wir noch jung und wild waren und erstmals entdeckten, dass unsere Motorräder die ultimativen Fahrzeuge zur Eroberung der Welt waren, damals versperrte der Eiserne Vorhang noch die Welt nach Osten. Während wir im Westen alles unter die Räder nahmen, was sich irgendwie erreichen ließ, blieben uns nur Träume von den unendlichen Weiten Sibiriens.
Das ist jetzt 30 Jahre her, der Osten lockt immer noch, und jetzt ist es möglich. Also, was hält uns?
Auf 15000 km schätzen wir die Strecke, denn unser Ziel heißt: Wladiwostok am pazifischen Ozean.

Auch unsere Fahrzeugwahl ist durchaus nicht alltäglich:
Meine Dieselenduro “Thrifter” habe ich mir in mühevoller Kleinarbeit selbstgebaut, Freund Dieter ist schon seit Jahrzehnten im Besitz einer fast originalen Diesel-Enfield.
Dass ich beruflich schon öfter in Russland war, macht sich jetzt positiv bemerkbar, weil ich mein Jahresvisum auch für diese Reise nutzen kann und so gut 250€ spare, die Dieter berappen muss. Touristenvisa stellen die Russen nämlich nur für vier Wochen aus; nicht verlängerbar. Das reicht auf der langen Strecke Richtung Osten nicht; also muss er ein teures Geschäftsvisum beantragen.
Die letzten Wochen vor der Abreise sind noch hektisch. Ich teste den Thrifter erstmals auf einer längeren Strecke zum englischen Dieselmotorradtreffen “The Big Knock” und Dieter hat alle Hände voll zu tun, seine reichlich verwanzte Enfield wenigstens notdürftig reisebereit zu bekommen.
Und so starten am Morgen des 31. Juni 2008 zwei total unterschiedliche Maschinenkonzepte Richtung Osten:
Einmal der nagelneue Thrifter, mit Fünfganggetriebe, doppeltem Zahnriementrieb, LED-Beleuchtung rundherum, High-Cap Elektrostarter und anderen relativ modernen Teilen speziell für diese Reise aufgebaut. Etwa 13 PS aus dem 440er Lombardini Direkteinspritzer sorgen für 100 km/h Spitze; dann läuft sie, absichtlich kurz übersetzt, in den Drehzahlbegrenzer. Der 26 l Tank, bei einer BMW GS geborgt, reicht für mehr als 1500 km. Das knappe Gepäck verschwindet in H&B Aluboxen und zwei mittelgroßen Gepäckrollen.
In krassem Gegensatz dazu die 17 Jahre alte Dame Enfield, Urgroßmutter aller Dieselmotorräder. Ihre vier Gänge haben mehr Sprünge als Anschluß und verwandeln nominelle 6.25 PS des 325er Motorchens mehr schlecht als recht in milden Vortrieb. Mit genügend Rückenwind erreicht sie durchaus mal die 90 km/h. Aber wehe, es geht bergauf, oder der Wind kommt aus der falschen Richtung, dann kann ganz schnell auch bei 50 oder sogar 40 km/h Schluss sein. Dafür hat sie aber wenigstens einen vergrößerten Tank, dessen 20 l für 800 km Reichweite gut sein müssten. Alukoffer und ähnliches neumodische Zeug verachtet Dieter aus vollem Herzen. Seine Gepäckphilosophie besteht aus ganz vielen Beuteln, Säcken und Tüten, und noch mehr Strapsen und Spanngurten, mit denen er einen veritablen Turmbau zu Babel hinter seinem Solositz errichtet. Das Ganze erinnert eher an einen fahrenden Trödelladen als an ein Motorrad, was für eine Reise ans andere Ende der Welt ausgerüstet ist.
Also gut, wir werden sehen...
Die ersten Tage bringen uns über Berlin, Warschau und das Baltikum an die russische Grenze. Die Formalitäten sind überraschend schnell erledigt; und schon nach etwa 2 Stunden rollen unsere Räder erstmals auf Mütterchen Russlands Asphalt. Knapp 2000 ziemlich problemlose Kilometer waren es bis hier.
Sofort hinter der Grenze der erste unplanmäßige Stopp. Der Aramidzahnriemen des Thrifter hat der Schwungmasse des Lombardini-Einzylinders nicht standgehalten. Gut, dass ich ausreichend Ersatz habe, und zwar in der besseren Karbonfaserqualität. Der nächste Riemen wird dann den Rest der Reise halten.
Die ersten Tage im russischen Verkehr sind erstaunlich problemlos. Obwohl wir ziemlich langsam unterwegs sind und deswegen auf den Überlandstrecken dauernd überholt werden, bleiben gefährliche Situationen aus. Das liegt aber wahrscheinlich hauptsächlich an der sehr hohen Kontrolldichte der russischen Polizei. Teilweise alle 5 km ist eine Kontrolle aufgebaut, manchmal sichtbar, meistens gut versteckt, und die Milizionäre wachen mit Radarpistolen und Argusaugen darüber, dass sich alle benehmen.
Unsere Langsamkeit ist unser Vorteil. Wer hier meint, mit einem leistungsstarken Motorrad den russischen Verkehr aufmischen zu können, wird seine Reisekasse los sein, noch ehe er Moskau erreicht hat.
Die russische Hauptstadt lassen wir im strömenden Regen auf der Ringautobahn schnell hinter uns. Wir wollen keine teuren Hotels bezahlen und außerdem lockt uns die sibirische Weite bedeutend mehr.
Je weiter wir vorwärts kommen, umso mehr erstaunt mich die beinharte Fahrweise, mit der mein Kollege den Leistungsnachteil seiner Enfield mehr als wettmacht. Getreu dem alten Spruch der Dieselfahrer "Lieber das Leben verlieren als die Drehzahl", quetscht er sich ohne Gnade an allem vorbei, was auch nur eine Spur langsamer ist als er. Gegenverkehr interessiert ihn dabei überhaupt nicht, "Ich bin schmal genug" meint er nur trocken. Oft genug halte ich als nachfolgender Fahrer die Luft an, weil ich jeden Moment damit rechne, dass mir Stücke geschredderter Dieter um die Ohren fliegen, wenn er sich mal wieder um Haaresbreite zwischen zwei entgegenkommenden LKW durchschmirgelt. Doch während ich mich noch von meinem Schreck erhole, hat er schon zwei weitere Trucks aufgeschnupft, und ich muss mich trotz etlicher Mehr-PS sputen, den Anschluß zu halten.

So kommen wir jeden Tag unsere planmäßigen 500 km voran, bis in Kazan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan, unsere Glückssträhne kurzfristig reißt. Am späten Nachmittag fahren wir gegen die Tiefstehende Sonne aus der Stadt heraus, als ich vor mir irgendetwas Blitzendes auf der Straße mehr ahne als sehe. Mit einem Schlenker weiche ich aus und erkenne erst dann das gerissene Kabel der Straßenbahnoberleitung, das sich wie eine fette kupferne Schlange auf der Straße ringelt. Gerade will ich aufatmen, da sehe ich im Rückspiegel Enfield und Dieter nebeneinander Salto schlagen. Gleichzeitig fällt mir ein, dass mein Freund wegen des heißen Wetters ohne Handschuhe gefahren ist. "Das war's dann ja wohl..." denke ich noch beim Bremsen.
Aber die Heerscharen fleißiger kleiner Schutzengel, die meinen Freund ständig umflattern, haben nicht ganz geschlafen.
Als ich den Thrifter an einen Zaun gelehnt habe und zurückgesprintet bin, ist Dieter schon wieder auf den Beinen und schimpft wie ein Rohrspatz. Nichts hat er an den Händen, nur eine Schürfwunde am Arm und kräftige Prellungen am Oberschenkel. Ist das noch Glück, oder doch eher Vorbestimmung?
Die Enfield hat es auf den ersten Blick schlimmer getroffen. Der Primärkastendeckel ist eingedrückt, das Öl aus dem Primärtrieb hat sich auf der Straße verteilt. Scheinwerfer zersplittert, Blinker abgebrochen, und, was das Schlimmste ist, der Hydraulikschlauch der Vorderradbremse hat ein Loch. Aber, Glück im Unglück, Kurbelwelle und Primärkette sind heil, und sie springt auch gleich wieder an.
Eine fürsorgliche russische Babuschka hat zu allem Überfluss gleich die Polizei angerufen, und so bleibt uns nichts anderes übrig, als auf die Beamten zu warten, was uns gar nicht recht ist, da wir der russischen Polizei eigentlich viel lieber aus dem Weg gegangen wären.
Während wir warten, erscheint ein Reparaturtrupp der Straßenbahn und flickt in 10 Minuten die gerissene Oberleitung. Dabei erfahren wir auch gleich, dass die 600 V Fahrspannung erst kurz vor dem Unfall abgeschaltet worden ist. Spätestens jetzt wird Dieter doch ein wenig blas um die Nase.
Aber alles wendet sich doch noch zum Guten. Die Beamten nehmen nur sorgfältig ein längeres Protokoll auf, und dann eskortieren sie uns zur nächsten Feuerwache, wo Dieter als deutscher Kollege in Not aufs Freundlichste aufgenommen wird, und ich gleich mit. Keine fünf Minuten später sitzen wir schon in der Kantine vor dampfenden Tellern, und der Abend wird noch feucht-fröhlich im Kreis der tatarischen Feuerwehrleute. Von einem Leiterwagen wird ein russischer Scheinwerfereinsatz requiriert, der genau in die indische Enfield passt. Der Blinker wird geklebt, der Primärkasten notdürftig abgedichtet.
Die Nacht verbringen wir auf den Schlafpritschen der Feuerwehr und schlafen fest wie nie.
Am nächsten Morgen fährt ein Kollege zwei Stunden mit uns im Lada durch die Stadt, bis wir in einem Hinterhof eine Motorradwerkstatt ausfindig machen, wo Dieter ohne Federlesens eine passende japanische Bremsleitung einfach geschenkt bekommt. Jetzt noch entlüften und alles ist wieder gut. Zwei Stunden später eskortiert uns die Feuerwehr noch bis zur Hauptstraße nach Perm, unserem nächsten Ziel, nur etwa 1000 km entfernt. Solange muss die Primärkette der Enfield auch ohne Ölbad auskommen.

Perm, Partnerstadt Duisburgs und letzte Großstadt im europäischen Teil Russlands, kenne ich schon von einigen beruflichen Aufenthalten, und so fällt es uns dort auch nicht schwer, die restlichen Schäden zu beseitigen. Wir gönnen uns für zwei Nächte den Luxus eines Hotels, dichten den Primärdeckel mit kunstvoll zurechtgeschnittenem Bierdosenblech und Unmengen an Kaltmetall wieder ab und beruhigen die angeschlagenen Nerven in einer noblen Pizzeria ein wenig.
Dann geht es weiter nach Ekaterinburg, und auf dem Weg dorthin verlassen wir Europa endgültig.
In die nächsten Tage halten wir strikten Ostkurs. Wir lassen Irbit, links liegen, die Stadt, in der die berühmt/berüchtigten Ural Gespanne gebaut werden. Ein Besuch im Werk hätte uns zwar gereizt, aber die Zeit läuft, und wir haben erst einen Bruchteil unserer Strecke geschafft. Über Tjumen und Omsk kommen wir nach Novosibirsk und weiter nach Barnaul. Das hier ist tiefstes Sibirien, was wir jeden Abend wieder an den unbesiegbaren Kampfgeschwadern blutgieriger Moskitos feststellen. Wir trotzen ihnen meistens während der eindrucksvollen Sonnenuntergänge, und flüchten uns dann ziemlich schnell in die Zelte.

Bevor wir uns nun auf den Weg zum Baikalsee machen, wollen wir erst einen Abstecher ins Altaigebirge einschieben und bis an die mongolische Grenze vordringen. Dort wird dann allerdings für uns umkehren angesagt sein, denn ein mongolisches Visum haben wir nicht. Dieser Abstecher stellt sich als sehr gute Idee heraus, denn die Berge und die schöne Landschaft des Altai sind eine mehr als willkommene Abwechslung nach Tausenden von Kilometern gleichförmiger sibirischer Waldlandschaft. Mehrere Tage verbringen wir in diesem Gebiet, das auch von Russen immer mehr als Urlaubsziel entdeckt wird. Aber noch ist es nicht überlaufen. Wir finden einsame Zeltplätze an rauschenden Flüssen, und auch das Essen ist deutlich besser als in der Monotonie sibirischer Fernstraßencafes. Alles lief doch so prima bis hierhin; und, wie heißt es so passend: Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis...

Wir hätten es wirklich besser wissen müssen. Mit unserer Erfahrung hätten wir nicht leichtfertig in diese Falle tappen dürfen. Aber es sah doch auf der Straßenkarte so gut aus. Nur zwei Daumenbreit Offroad entlang der mongolischen Grenze, und wir würden den Übergang aus dem Altai in die autonome Republik Tuva schaffen und uns so auf unserer Weiterfahrt Richtung Osten glatte 1200 km Rückfahrt und Umweg sparen. Diesel und Wasservorräte hatten wir knapp bemessen, um die Maschinen so leicht wie möglich zu halten. Die Beschreibung im "Lonely Planet" hätte uns sofort misstrauisch machen müssen: "Notoriously rough" wurde unser Weg da eingeordnet. Aber wir verließen blauäugig die Hauptstraße und fuhren per GPS Ostkurs entlang der Grenze. Die ersten Stunden waren noch ganz harmlos. Eine ebene und gut fahrbare Graspiste brachte uns Kilometer für Kilometer vom Asphalt fort. Die ersten Flussquerungen waren nur spaßige Herausforderungen. Aber das alles sollte uns wohl nur in Sicherheit wiegen. Jetzt quälen wir uns schon seit Stunden damit ab, die hoffnungslos untermotorisierte und auch noch total zu lang übersetzte Enfield den Berg hochzubekommen. Von Piste kann längst keine Rede mehr sein. Es ist ein Ziegenpfad übelster Sorte geworden. Dieter springt solange tapfer von Felsblock zu Felsblock, bis dem kleinen Diesel bergauf endgültig die Puste ausgeht, was er wie Emma, die Lokomotive, mit eindrucksvollen pechschwarzen Rauchwolken ankündigt. Nun heißt es schieben, zu zweit, mit laufendem Motor, solange bis die Steigung wieder erträglicher wird und er eine Chance hat, alleine weiterzukommen. Dann muss ich wieder zurücklaufen und den stärkeren und besser übersetzten Thrifter den Berg hochfahren. Das hat bis jetzt so lala geklappt. Aber die letzte Steigung hat uns den Rest gegeben. Vollbepackt hochschieben ging nicht mehr, wir mussten das Gepäck abladen und zurücklassen. Danach wieder runterlaufen, 60 kg den Ziegenpfad Hochschleppen, noch mal runter und das zweite Motorrad hochfahren. Jetzt sind wir fix und fertig. Dieter liegt in ***Feuerwehrrettungsstellung*** mit hochgelegten Beinen im Graben, um seinen wild pumpenden Kreislauf wieder unter Kontrolle zu bekommen. Danach geht es zur Abwechslung mal einen Kilometer runter; aber so steil, das wir uns unten nur blas anschauen. Wir verstehen uns auch ohne Worte. Hier werden wir nie wieder raufkommen. Ab jetzt geht es nur noch vorwärts. Noch zwei längere Anstiege und wir werfen für diesen Tag das Handtuch und schlagen total erschöpft direkt neben dem Weg unsere Zelte auf.

Am nächsten Tag zieht sich das Elend aus Schieben und Tragen noch stundenlang weiter, bis wir endlich die erste Passhöhe auf 2750 m erreichen. Für diese Höhe ist es mit etwa 15° C noch erstaunlich warm. Hier erhebt sich eine imposante Steinpyramide, an deren Fuß müde Reisende Hunderte von Rubelmünzen hinterlassen haben, um sich von den Geistern der Berge gutes Vorankommen zu erbitten. Auch wir opfern einen Weitgereisten Euro; denn gutes Weiterkommen haben wir ganz besonders nötig.
Wahrscheinlich hat es gewirkt, denn die Landschaft ändert sich wieder dramatisch. Anstelle der steilen Anstiege erstreckt sich nun vor uns eine endlose, von Silbrigglänzenden Flüssen durchzogene Hochebene. Einige Stunden und etliche Kilometer kommen wir problemlos weiter. Aber langsam dräuen über uns dicke, fette Gewitterwolken. Vorsichtshalber verpacken wir uns in die Ganzkörperkondome, und schon fällt ein kurzer, ergiebiger Schauer, der innerhalb weniger Minuten die schöne Piste in elende Schmierseife verwandelt und die Furten, die wir ständig durchqueren müssen, bedenklich ansteigen lässt. In der dritten erwischt es Dieter. Er kommt von der richtigen Spur ab und versenkt die Enfield sofort im Matsch. Innerhalb weniger Sekunden buddelt sie sich soweit ein, dass er rettungslos festsitzt. Natürlich geht sie dann aus schierer Böswilligkeit auch gleich aus. Bis weit über die Knie im schwarzen Schlamm packen wir wieder mal alles ab und schleppen es aufs Trockene. Dann schieben und schubsen und zerren wir, bis der zähe Morast sein Opfer widerwillig wieder freigibt. Am Abend überprüfen wir unsere Route. Dem nächsten GPS-Wegpunkt, 43 km entfernt, sind wir nach einem langen Fahrtag gerade mal fünf Kilometer näher gekommen. Natürlich ist es uns klar, dass das nur an der Umfahrung des vor uns liegenden Gebirgsmassivs liegt; aber deprimierend ist es trotzdem.
So schlagen wir uns Kilometer um Kilometer durch, bis wir am Abend des dritten Tages plötzlich wieder löcherigen Asphalt unter den Rädern haben. Wir haben es geschafft, und sind nicht wenig stolz darauf, die erste richtige Offroadherausforderung bewältigt zu haben.
Wir lassen die Republik Tuva schnell hinter uns, denn es ist eine notorisch gesetzlose Gegend, wo vielen finsteren Gestalten besonders nach Alkoholgenus das Messer oder die Makarov ziemlich locker sitzen soll. Bei der hier augenscheinlich herrschenden Arbeitslosigkeit wundert uns das nicht so sehr. Manche Gegenden Russlands sind bei den Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte die Gewinner gewesen, diese hier zählt wohl zu den Verlierern. Zumindest solange, bis sich die landschaftliche Schönheit in Form von Tourismus vermarkten lässt.
Der Asphalt bringt uns jetzt wieder Richtung Norden; über Abakan nach Krasnojarsk, wo wir wieder auf die Haupttransitstrecke stoßen, die wir für unseren Altaiabstecher verlassen hatten.

Schon lange freuen wir uns auf einige Ruhetage am Baikalsee, genauer gesagt, im Baikalsee, denn wir haben uns die Insel Olchon als Rastplatz ausgesucht, wo es schon einige Anklänge von Tourismus geben soll. Nach einer längeren Pistenstrecke von Irkutsk aus erreichen wir den Fährhafen, wo vor uns schon eine ellenlange Schlange von Autos steht, die alle auf die Insel wollen. Unsere Stimmung verdüstert sich, als uns klar wird, dass immer höchstens 10 Fahrzeuge auf die Minifähre passen. Aber glücklicherweise finden wir, wie meistens mit dem Motorrad, noch eine kleine Ecke, in die kein Auto passt, und sparen uns so stundenlange Warterei. Auf der Insel angekommen, nehmen wir noch die etwa 40 Pistenkilometer bis zum größten Ort Khushir unter die Räder. Auch hier testet wieder einmal ein längerer, steiler Anstieg die Kupplung der Enfield. Aber mit viel Schwung geht es, und wir müssen nicht einmal Gepäck abpacken.
In Khushir angekommen, genießen wir nach mehreren Wochen ausschließlichen Zeltlebens erfreut den Komfort einer Dusche und halbwegs bequemer Betten. Der erwartete Tourismus hält sich in engen Grenzen, einige wenige ausländische und russische Jugendliche erkunden die wilden Felsenküsten in der Nähe des Ortes. Das einzige Internetcafe erlaubt uns mal wieder Kontakt zur Außenwelt.
Am nächsten Tag wollen wir das 50 km entfernte Nordkap der Insel besuchen, was landschaftlich besonders schön sein soll. Gegen Mittag fahren wir, ausnahmsweise zusammen auf einem Fahrzeug, los. Die Enfield soll einen wohlverdienten Ruhetag bekommen.
Allzu weit kommen wir aber nicht. Nach etwa 20 km fängt es plötzlich an zu regnen, und die vorher gute Piste verwandelt sich schlagartig in absolut unfahrbaren Glitsch, der jede Spur von Profil zusetzt. Nach kaum einer Minute liegen wir schon flach, glücklicherweise im Schritt-Tempo und ohne jeden Schaden. Es ist kaum möglich, im Stehen das Motorrad aufzurichten, ohne dabei wieder auf die Nase zu fallen. An Weiterfahren ist überhaupt nicht zu denken.
Es ist aber auch unser Glück, dass wir schnell genug umkehren. Etliche andere Fahrzeuge hatten sich mit uns auf den Weg gemacht und bleiben jetzt hoffnungslos in jeder kleinen Senke hängen. Da hilft kein Schieben, da hilft kein Allradantrieb, sie müssen hier stundenlang warten, bis entweder der Boden wieder abtrocknet oder aus dem nächsten Dorf ein Traktor kommt. Wir mogeln uns neben der Piste im nassen Gras mit einem Minimum an Traktion langsam vorwärts und schaffen es, nach zwei Stunden mit völlig verdrecktem Motorrad klatschnass wieder im Ort anzukommen. Puh, noch mal gut gegangen.
Am nächsten Tag ist es wieder trocken, aber wir haben vom Kap die Nase voll und erkunden lieber zu Fuß die malerische Umgebung.
Ein friedlicher Ort, mit russisch-rustikalem Charme, und eines der größten schamanischen Kraftzentren dieser Erde.
Warum es aber in dieser aufstrebenden Kleinstadt, Luftlinie kaum einen Kilometer vom größten Süßwasserreservoir der Welt, kein fließendes Wasser gibt und alle Häuser 2 x in der Woche per Tankwagen versorgt werden müssen, ist ein Detail russischer Merkwürdigkeit, das ich als verwöhnter Mitteleuropäer wirklich nicht nachvollziehen kann.
Nach vier Tagen haben wir die Ruhe satt und machen uns wieder auf den Weg. Es lockt jetzt noch das große Unbekannte, die finalen 4000 km, in einem großen Bogen um China herum. Über den Straßenzustand haben wir sehr widersprüchliche Informationen gehört. Von 'total unfahrbar' bis zu 'seit zwei Jahren durchgehend asphaltiert' reichte die Bandbreite. Also fahren wir über Irkutsk nach Ulan-Ude und dann nach Chita; ab da wird es sich schon zeigen...

Piste? Ihr wollt uns was von Piste erzählen, Ihr Greenhornchen? Nur weil Ihr mit Euren komischorangenen Trimm-Dich Geräten mal einen begleiteten Ausflug nach Tunesien halbwegs heil überstanden habt?
Nun, an der fast 2000 km langen Strecke bis Khabarowsk, die wir jetzt bewältigen müssen, ist zweifelsohne in den letzten Jahren gearbeitet worden. Es gibt durchgehende Leitplanken, der Himmel weiß wofür, und alle 1000 m taucht mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerkes ein neues Kilometerschild auf. Aber als der Asphalt endgültig zu Ende ist, sind es immer noch 1650 km Strecke, die vor uns liegen.
Wisst Ihr, was Wellblech ist? Nein, das kann man so nicht im Baumarkt kaufen. Das ist der Zustand einer über lange Zeit von schweren LKW systematisch kaputtgefahrenen Piste. Absolut regelmäßige Rinnen quer zur Fahrbahn mit einem halben Meter Abstand und Tiefen von 5 bis 20 cm. Für Motorradfahrer die Hölle pur. Schon bei 30 km/h hat man das Gefühl, dass gleich alles unter einem zusammenbrechen wird. Die Zähne klappern im Rhythmus der Amplituden, die Brille rutscht immer wieder von der Nase, der Sekundenzeiger der Uhr liegt längst lose im Gehäuse, und wenn die Rinnen etwas tiefer werden, verschwimmt die Sicht, weil die Augäpfel anfangen, in Ihren Höhlen zu tanzen.
Dagegen sind alle deutschen TÜV-Ingenieure mit ihren neumodischen Pulsern nur Babies, die mit ihrem Räppelchen spielen.
Es ist überhaupt keine Frage, dass Dein Rahmen das nicht aushalten wird, nicht aushalten kann; unklar ist nur, ob er in 10 Minuten bricht oder doch erst morgen.
Es wird immer wieder großspurig erzählt, meistens von Leuten, die es selber nie gemacht haben, man müsste nur schnell genug fahren, dann würde das Rappeln erträglich. Ja, ist das so? Heißt das, mit 80-100 km/h praktisch ohne irgendeine Traktion im Slalom um die LKW driften? Ständig mit der Chance des finalen Abflugs vor Augen? Für wie bescheuert haltet Ihr uns denn?
Für uns ist bei 50 km/h Schluss; wir wollen ja noch ein bisschen weiterleben.

Schon 190 km geschafft… Der Motor hängt immer noch im Rahmen…. Wie lange wohl noch?
Ich kann mir das Rappeln nicht mehr anhören, die geschundene Mechanik tut mir zu leid. Das ganze Motorradfahrerdasein reduziert sich auf den einzigen Wunsch, das Wellblech möge aufhören.
Und mein Flehen zum heiligen Boris wird erhört: Auf den nächsten 150 km ist das Wellblech 20 cm hoch mit ausgebaggerten Flusskieseln zugeschüttet. Wie heißt es noch so schön: Vom Regen in die Traufe? Wild rudernd versuche ich Kilometer für Kilometer einen Sturz zu vermeiden. Nur zu gut erinnere ich mich dabei an Arthur aus Australien, den 82-jährigen Yamahafahrer. Wir haben ihn am Baikalsee zum ersten Mal getroffen und keiner von uns hätte ihn auf über 60 Jahre geschätzt. Ganz Russland hat er mit seiner kleinen Zweihunderter durchquert, und in den Jahren davor schon die ganze Transamericana gefahren. Und wir dachten schon, wir hätten ein vorgerücktes Alter erreicht!
Eine Woche später, kurz hinter Chita, erwischte es ihn dann aber doch. Wir sahen ihn schon von weitem auf der Leitplanke sitzen, neben seinem Motorrad. Bei einem kleinen Sturz im Schotter hatte er sich den Knöchel gebrochen und wartete jetzt schon seit etlichen Stunden im Niemandsland auf Hilfe. „Just one small fucking mistake...“ sagte er missmutig zu uns. Und das kaum 2000 km vom ersehnten Reiseziel Wladiwostok entfernt. Immerhin hatte er sich den gebrochenen Fuß noch selber mit einem massiven Spanngurt bandagiert. Nach weiteren drei Stunden tauchte dann aus der nächsten Ortschaft ein Polizeiwagen auf, und hatte, Oh Wunder russischer Effizienz, gleich eine Ärztin mitgebracht und einen Helfer, der Arthurs Motorrad bis zum 50 km entfernten Krankenhaus weiterfahren konnte. Unser Freund schaute trotz Morphiumspritze sehr betrübt, als er sein treues Gefährt mit einem fremden Fahrer im Staubnebel verschwinden sah.
Wir haben ihn nie wiedergesehen; nur sein Motorrad begegnete uns noch einmal, auf einer Palette im Bahnhof von Wladiwostok.
Hoffentlich geht es Dir schon wieder gut, Arthur, wir brauchen mehr Leute wie Dich!
Jetzt aber macht mich die Erinnerung an ihn eher noch vorsichtiger. Schließlich will ich nicht der Nächste sein, der seine Reise auf einer Krankentrage fortsetzt. Gut, dass auch die Flusskiesel irgendwann wieder aufhören und durch normalen Grobschotter ersetzt werden. Ein kleines bisschen weniger rutschig; aber kaum weniger gefährlich. Und als dann endlich, endlich der Schotter wieder aufhört, fängt mit ein paar hundert Kilometern Wellblech das ganze Elend wieder von vorne an.
Sicher, wir hätten unsere Motorräder auch in Chita in die Transsibirische Eisenbahn verladen können, so wie es fast alle Motorradfahrer in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Aber wir wollten ja partout nicht. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ hieß es oder „sind wir Motorradfahrer oder Bahnfahrer?“
Bei der abendlichen Lagebesprechung vor unseren Zelten, mit der verdammt wohlverdienten Bierdose in der Hand, kommen uns doch massive Zweifel. Einen ganzen langen harten Tag hinter uns, knapp 300 km geschafft, aber es sind immer noch 1500 km nach Khabarowsk. Ausgeruht am nächsten Morgen ist aber auch die Motivation wieder da.
So plagen wir uns vorwärts, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Eine gnadenlose Materialschlacht ohne jeden Spaßfaktor. Bei jedem LKW, der uns entgegenkommt, verschwinden wir für gefährlich lange Sekunden in der undurchsichtigen Staubfahne und können nicht mal mehr die Piste unmittelbar vor uns sehen. Mehr als 300 km schaffen wir nie, obwohl wir von morgens bis abends unterwegs sind. Bei Sonnenuntergang das traditionelle Bier vor dem Zelt, wenn die Mücken es denn erlauben, und dann kippen wir todmüde in die Schlafsäcke; mit der Aussicht, dass es am nächsten Tag auch nicht anders sein wird.
Sechs Tage geht es so, sechs endlose Tage voller Staub und Schrecksekunden, wenn sich mal wieder Hinterrad und Vorderrad nicht über die Spur einigen können. Am siebten Tag tauchen vereinzelt kleinere Asphaltstückchen auf. Jedes Mal freuen wir uns wie die Schneekönige darüber, endlich mal wieder über 50 km/h fahren zu können. Und jedes Mal ist die Freude nur kurz, wenn wir nach einigen Kilometern am Horizont wieder den Staublindwurm auftauchen sehen; untrügliches Zeichen, dass der Asphalt wieder vorbei ist. Abends erreichen wir endlich Khabarowsk, und die moderne, aufstrebende Stadt erscheint uns irgendwie unwirklich nach der langen Quälerei im Niemandsland.
Von Khabarowsk nach Wladiwostok ist es nur noch ein Katzensprung; 900 km, und fast alles asphaltiert. Das spulen wir in 1 1/2 Tagen ab. Und was machen wir dann, nachdem wir uns seit 6 Wochen nur auf das Erreichen unseres Endziels konzentriert haben?
Wir fahren erst gar nicht nach Wladiwostok herein, sondern in einem großen Bogen um die Stadt herum und dann noch weitere 150 km nach Osten, bis nach Nakhodka, einem kleineren Ort am Pazifischen Ozean.
Denn hier findet genau an diesem Wochenende zum achten Mal das größte Motorradtreffen des russischen Fernen Ostens statt, die "Nakhodka Ocean Bike Week at the Edge of the World 2008". Und wir sind vielbestaunte Ehrengäste. Mehr als ein oder zwei Ausländer verlieren sich nie auf dieses Treffen, und die kommen dann noch meistens per Flieger aus den USA, Korea oder Japan. So schaffen wir es am ganzen Wochenende nicht, auch nur einmal unser Bier selber zu bezahlen. Vom Wodka ganz zu schweigen. Die Jungs und Mädels adoptieren uns regelrecht, und wir werden bis zum Filmriss von einem Lagerfeuer zum anderen weitergereicht. Samstagmorgens gibt es dann eine gemeinsame Ausfahrt mit Polizeieskorte, wofür kurzerhand mal eben die halbe Innenstadt von Nakhodka gesperrt wird. Als dann um Mitternacht von der Bühne die deutschen Klänge der Rammstein-Coverband kommen, fühlen wir uns auch am anderen Ende der Welt ganz wie zuhause. Sonntag morgens, gegen 6 Uhr, als ich schon längst das Handtuch geworfen habe, kommt Dieter mit konservativ geschätzten 3 Promille dann auf die Idee, seinen russischen Bewunderern zu zeigen, dass sein Motorrad nicht nur mit Diesel, sondern auch mit dem örtlichen "Doctor Diesel" Dosenbier ganz hervorragend läuft. Gelallt, getan, und schon hat er zwei ganze Halbliterdosen in seinem Tank ausgeleert. Aber die Enfield tut ihm auch nach dem zehnten Tritt nicht den Gefallen anzuspringen, und so schleppt er sich grummelnd ins Zelt, wo er für die nächsten Stunden im Koma versinkt.
Später am Tag hat er dann, ein bisschen klarer, aber dafür völlig verkatert, die dankbare Aufgabe, umringt von einem Dutzend feixender Russen, seinen Tank und das gesamte Einspritzsystem zu spülen. Dabei hält er das Werkzeug in der einen Hand und seinen Kopf in der anderen, und murmelt die ganze Zeit etwas vor sich hin, was sich verdächtig nach: "Wie kann man nur so blöd sein..." anhört.
Nachmittags verabschieden wir uns von all jenen, die uns so enthusiastisch aufgenommen haben, und zuckeln langsam, noch vom Restalkohol geschwächt, Richtung Wladiwostok zurück. Eine letzte Zeltnacht, ein letzter Kampf mit den Mücken, und am nächsten Mittag erreichen wir endgültig unser Endziel. 14973 km sagt der TT IMO, und 6048 km Luftlinie sagt das Garmin GPS.
Hier listen wir dann die Blessuren auf: Thrifters Tankhalterung ist geschweißt und die obere Motorhalterung zeigt nach der Pistentortur auch Risse. Ansonsten ist er erstaunlich gut in Schuss und könnte die Strecke wohl ohne weiteres zurückfahren.
Die alte Dame Enfield hat während der ganzen Reise immer wieder irgendwelche Schrauben und sonstige Teile von sich geworfen, bis sie den gesamten Ersatzteilvorrat geplündert hatte, den der Thrifter glücklicherweise nicht brauchte. Jetzt steht sie hier mit ausgeleiertem Ruckdämpfer im Hinterrad, ohne Kettenschutz, mit eingedrücktem Lüftergehäuse. und etlichen neuen Schweißnähten. Das vordere Schutzblech wird von zwei umfunktionierten Montierhebeln fixiert, da die originalen Halter längst gebrochen sind. Aber sie läuft, und wird das auch noch weiter unter Beweis stellen müssen.
Da meine Urlaubszeit unwiderruflich zu Ende ist, muss ich leider Unsummen an Geld berappen, um den Thrifter per Container nach Hamburg zu verschiffen. Dieter hat keinen Zeitdruck, schickt seine Enfield per Transsib nach Moskau zurück und fährt drei Tage später selber hinterher; die bedeutend billigere Lösung. Ich fliege in lächerlich kurzer Zeit über Moskau nach Düsseldorf zurück; tief unter mir die unendliche Weite Sibiriens, die ich jetzt genauer kennen gelernt habe als die meisten Russen.
Als ich schon längst wieder in Deutschland meiner Arbeit nachgehe, kommt Dieter mit der Enfield endlich aus Moskau los. Bis kurz vor die deutsche Grenze trägt sie ihn noch, dann versagt das geschundene Getriebe den Dienst.
Thrifter kommt sechs Wochen später, gut verpackt und ohne Beschädigungen oder Rost, im Hamburger Hafen an.
Reinhard Hötger


Was uns am besten gefallen hat:
dass wir viel mehr Rückenwind als Gegenwind hatten
dass wir in Russland nur nette Leute getroffen haben
(das gilt auch ausnahmslos für alle Amtsträger von Grenze, Polizei und Zoll, das möchten wir ausdrücklich betonen, da man immer wieder Gegenteiliges hört)
dass in Russland der Diesel nur 70 Cent pro Liter kostete
dass eine normale deutsche Bankkarte von praktisch jedem russischen Geldautomaten bis Wladiwostok akzeptiert wird
dass das russische Bier fast so gut ist wie das deutsche


Was uns gar nicht gefallen hat:
dass die Mückenplage in Sibirien wirklich extrem ist
dass die Reise so schnell zu Ende war; wir hätten noch ewig weiter nach Osten fahren mögen




Technische Daten:
Thrifter: Baujahr 2007
Kastenrahmen basierend auf MZ ETZ Teilen
Kawasaki Gabel, Aprilia Bremse vorn, KTM Bremse hinten
Motor Lombardini 15 LD 440 Diesel Direkteinspritzer
mit Ausgleichswelle und Hydrostößeln, etwa 13 PS bei 3600 U/min
elektrisches Startsystem mit Maxwell Highcap 110 Farad
Primärtrieb HTD 8 M Zahnriemen
Sekundärtrieb Polychain 14 M Zahnriemen
5-Gang-Getriebe von Enfield
26 l Tank und Sitzbank von BW GS
Vmax 100 km/h, Verbrauch auf der Reise 1,76 l / 100 km
Der Fahrer: Reinhard Hötger, 50, Technikspezialist mit 35 Jahren Zweiraderfahrung
und mehreren selbstgebauten Dieselmotorrädern
hoetger@cityweb.de

Enfield: Baujahr 1992
Bullet Einschleifenrahmen
Greaves 325 Diesel Direkteinspritzer, etwa 6,25 PS bei 3600 U/min
Primärtrieb Duplexkette im Ölbad
Sekundärtrieb O-Ring Kette
4-Gang-Getriebe, 20 l Tank, Indian Einzelsitzbank
Vmax 70-90 km/h, je nach Gegenwind, Verbrauch etwa 2,2 l / 100 km
Der Fahrer: Dieter Schnapka, 62, Organisationsgenie mit 40 Jahren Zweiraderfahrung und unerschütterlichem Optimismus
schnappes@web.de


Jetzt oder nie, Bürokratie:
Visum
Wer als EG-Europäer nach Russland will, braucht ein Visum. Russische Visabestimmungen sind recht verworren und können hier nicht explizit erklärt werden. Kurz folgendes: Wer sich nicht länger als 4 Wochen im Land aufhalten will, kommt mit einem billigen und einfach zu erhaltenden Touristenvisum aus. Das lässt sich aber nicht im Lande verlängern. Jeder, der länger bleiben will, braucht zwangsweise ein Geschäftsvisum. (Schüler- und Studentenvisa lassen wir mal außen vor.) Ein Geschäftsvisum bekommt man nur mit einer offiziellen Einladung einer russischen Institution oder Firma. Voraussetzung für alle Visa ist der Nachweis einer von der russischen Botschaft anerkannten Auslandsreiseversicherung. Eigentlich hat man bei dieser Bürokratie nur eine Chance, wenn man sich an eine der zahlreichen Visazentralen wendet, die gegen gutes Geld die Formalitäten, einschließlich der Einladungen, erledigt. Wer meint, er könne hier Geld sparen, wenn er selber tätig wird, wird sich voraussichtlich nur die Nerven schmirgeln.
Motorrad
Wer mit eigenem Fahrzeug einreisen will, braucht einen internationalen Führerschein. Ein internationaler Fahrzeugschein ist nicht vorgeschrieben, kann aber auch nicht schaden. Dies ist ein Papier, ähnlich dem Int. Führerschein, was jede Zulassungsstelle nach Vorlage des Fahrzeugscheines gegen einen Obolus von 11€ sofort ausstellen kann. Die meisten haben nur noch nie was davon gehört und versuchen es gleich mit abwimmeln. Also hartnäckig bleiben.
Weiterhin muss man sich eine russische Kfz-Versicherung für die Zeit besorgen, die man im Land verbleiben will. An den meisten Grenzstationen sollte dies direkt möglich sein; ansonsten muss man es sofort in der nächsten Stadt erledigen. Kostet etwa 30-60 € je nach Fahrzeug und Aufenthaltsdauer.
Bei der Einreise bekommt man ein Zolldokument über die temporäre Einfuhr eines Fahrzeuges, das man bei der Ausreise wieder abgeben muss. Ärgerlicherweise wird dieses Papier an den westlichen Grenzen Russlands meist nur für 4 Wochen ausgestellt, selbst wenn man länger bleiben will. Also muss man es vor Ablauf an einer russischen Zollstelle verlängern lassen. Zollstellen gibt es in jeder größeren Stadt. Wir haben mit Glück für diese Prozedur in Chita 4 Stunden gebraucht; andere haben auch zwei Tage verschwendet.
Registrierung
Über die Frage der Registrierung kann lange gestritten werden. Theoretisch muss man sich spätestens drei Tage nach Einreise in irgendeiner Stadt registriert haben. Registrierungen sind praktisch nur über Hotels möglich, und dann auch nur über bessere (sprich teurere). Jeder hat hier eine andere Meinung über das, was erforderlich ist. Da wir hauptsächlich gezeltet haben und ohnehin nirgends länger bleiben wollten, haben wir uns nur einmal mehrere Tage nach Einreise registrieren lassen und das dann bis Wladiwostok geflissentlich ignoriert. Wir sind zwar oft kontrolliert, aber nie danach gefragt worden.

Kontrollen
Die Kontrolldichte der russischen Polizei ist ungemein hoch. Vor jeder größeren Stadt ist ein Kontrollposten aufgebaut, auf den Überlandstraßen gibt es bedeutend mehr Radarfallen als bei uns. Etwa jeder zehnte wird kontrolliert; also werdet Ihr auch oft genug dran sein. Wer seine Papiere in Ordnung hat und nicht gerade tiefgeflogen ist, wird dann meist mit einem "Gute Reise" weitergeschickt. Abzockversuche haben wir keine erlebt.

Sprache & Schrift:
Sicher gibt es in Russland, besonders in den Städten, Menschen, die etwas Englisch sprechen. Es gibt mitunter sogar Schilder in lateinischer Schrift. Aber beides garantiert niemals dann, wenn man es braucht. Es ist dringend anzuraten, sich vor einer Reise wenigstens mit der kyrillischen Schrift vertraut zu machen und ein paar Brocken Russisch zu lernen. Keine Angst, so schwierig ist das nicht; und es lohnt sich ungemein.
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Sibirien ist schön!!

Beitragvon jonis » 08.03.2009 09:19

Hab deinen Bericht mit Interesse gelesen,auch dir kann ich nur gratulieren.Ich plane schon wieder,vielleicht sieht man sich ja mal unterwegs.Bis dann,Johannes
Land und Leute kennenlernen,besonders den Osten
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Klasse !

Beitragvon ROC2008 » 11.03.2009 00:55

Einfach nur klasse Schnappes -

bin eben erst auf Deinen Bericht gestossen -

Wenn Du vom 19-21.6.2009 noch nichts besonderes vorhast, dann mail mich doch bitte mal persönlich an - ich hätte da glaube ich einen interessanten Termin für Dich / Euch

Bis dahin



email: www.ride-of-change-2008.de AETT gmx.de
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Beitragvon schnappes » 20.04.2009 20:33

Ein freundliches Hallo in die Runde.
Wollte nur darauf aufmerksam machen,das unsere Tour in der Mai Ausgabe von Motorrad News veröffentlicht wurde.
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Karten und Tracks

Beitragvon julius67 » 08.07.2009 14:50

Hallo Schnappes,
habe mit begeisterung über euere Tour "Russia Face to Face 2008" gelesen.
Da ich gerade bei einer Tourplanung nach Wladiwostok bin, würde mich interessieren welches Kartenmaterial ihr benutzt habt und ob du mir deine aufgeszeichneten Tracks zukommen lassen kannst?

MfG
julius67
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Beitragvon sowieso » 17.02.2010 00:49

Hallo Schnappes,

Brüll :lol: ...Begeisterung :lol:
Gratulation

Habe mit goßer Freude Euren Reisebericht gelesen.

Immer noch Grinsend, ein herzliches Danke

Hansi
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Re: Unsere Tour nach Wladiwostok.

Beitragvon XT-Mike » 14.03.2010 16:50

Hallo Schnappes,

ich bin begeistert. Hut ab und meinen Respekt vor der Leistung.
Wünsche weiterhin viele schöne, erlebnisreiche und unfallfreie Touren und Reisen.

:D Gruß Jürgen

schnappes hat geschrieben:Russia Face to Face 2008
Mit zwei Dieselmotorrädern einmal quer durch das größte Land der Welt

Damals, als wir noch jung und wild waren und erstmals entdeckten, dass unsere Motorräder die ultimativen Fahrzeuge zur Eroberung der Welt waren, damals versperrte der Eiserne Vorhang noch die Welt nach Osten. Während wir im Westen alles unter die Räder nahmen, was sich irgendwie erreichen ließ, blieben uns nur Träume von den unendlichen Weiten Sibiriens.
Das ist jetzt 30 Jahre her, der Osten lockt immer noch, und jetzt ist es möglich. Also, was hält uns?
Auf 15000 km schätzen wir die Strecke, denn unser Ziel heißt: Wladiwostok am pazifischen Ozean.

Auch unsere Fahrzeugwahl ist durchaus nicht alltäglich:
Meine Dieselenduro “Thrifter” habe ich mir in mühevoller Kleinarbeit selbstgebaut, Freund Dieter ist schon seit Jahrzehnten im Besitz einer fast originalen Diesel-Enfield.
Dass ich beruflich schon öfter in Russland war, macht sich jetzt positiv bemerkbar, weil ich mein Jahresvisum auch für diese Reise nutzen kann und so gut 250€ spare, die Dieter berappen muss. Touristenvisa stellen die Russen nämlich nur für vier Wochen aus; nicht verlängerbar. Das reicht auf der langen Strecke Richtung Osten nicht; also muss er ein teures Geschäftsvisum beantragen.
Die letzten Wochen vor der Abreise sind noch hektisch. Ich teste den Thrifter erstmals auf einer längeren Strecke zum englischen Dieselmotorradtreffen “The Big Knock” und Dieter hat alle Hände voll zu tun, seine reichlich verwanzte Enfield wenigstens notdürftig reisebereit zu bekommen.
Und so starten am Morgen des 31. Juni 2008 zwei total unterschiedliche Maschinenkonzepte Richtung Osten:
Einmal der nagelneue Thrifter, mit Fünfganggetriebe, doppeltem Zahnriementrieb, LED-Beleuchtung rundherum, High-Cap Elektrostarter und anderen relativ modernen Teilen speziell für diese Reise aufgebaut. Etwa 13 PS aus dem 440er Lombardini Direkteinspritzer sorgen für 100 km/h Spitze; dann läuft sie, absichtlich kurz übersetzt, in den Drehzahlbegrenzer. Der 26 l Tank, bei einer BMW GS geborgt, reicht für mehr als 1500 km. Das knappe Gepäck verschwindet in H&B Aluboxen und zwei mittelgroßen Gepäckrollen.
In krassem Gegensatz dazu die 17 Jahre alte Dame Enfield, Urgroßmutter aller Dieselmotorräder. Ihre vier Gänge haben mehr Sprünge als Anschluß und verwandeln nominelle 6.25 PS des 325er Motorchens mehr schlecht als recht in milden Vortrieb. Mit genügend Rückenwind erreicht sie durchaus mal die 90 km/h. Aber wehe, es geht bergauf, oder der Wind kommt aus der falschen Richtung, dann kann ganz schnell auch bei 50 oder sogar 40 km/h Schluss sein. Dafür hat sie aber wenigstens einen vergrößerten Tank, dessen 20 l für 800 km Reichweite gut sein müssten. Alukoffer und ähnliches neumodische Zeug verachtet Dieter aus vollem Herzen. Seine Gepäckphilosophie besteht aus ganz vielen Beuteln, Säcken und Tüten, und noch mehr Strapsen und Spanngurten, mit denen er einen veritablen Turmbau zu Babel hinter seinem Solositz errichtet. Das Ganze erinnert eher an einen fahrenden Trödelladen als an ein Motorrad, was für eine Reise ans andere Ende der Welt ausgerüstet ist.
Also gut, wir werden sehen...
Die ersten Tage bringen uns über Berlin, Warschau und das Baltikum an die russische Grenze. Die Formalitäten sind überraschend schnell erledigt; und schon nach etwa 2 Stunden rollen unsere Räder erstmals auf Mütterchen Russlands Asphalt. Knapp 2000 ziemlich problemlose Kilometer waren es bis hier.
Sofort hinter der Grenze der erste unplanmäßige Stopp. Der Aramidzahnriemen des Thrifter hat der Schwungmasse des Lombardini-Einzylinders nicht standgehalten. Gut, dass ich ausreichend Ersatz habe, und zwar in der besseren Karbonfaserqualität. Der nächste Riemen wird dann den Rest der Reise halten.
Die ersten Tage im russischen Verkehr sind erstaunlich problemlos. Obwohl wir ziemlich langsam unterwegs sind und deswegen auf den Überlandstrecken dauernd überholt werden, bleiben gefährliche Situationen aus. Das liegt aber wahrscheinlich hauptsächlich an der sehr hohen Kontrolldichte der russischen Polizei. Teilweise alle 5 km ist eine Kontrolle aufgebaut, manchmal sichtbar, meistens gut versteckt, und die Milizionäre wachen mit Radarpistolen und Argusaugen darüber, dass sich alle benehmen.
Unsere Langsamkeit ist unser Vorteil. Wer hier meint, mit einem leistungsstarken Motorrad den russischen Verkehr aufmischen zu können, wird seine Reisekasse los sein, noch ehe er Moskau erreicht hat.
Die russische Hauptstadt lassen wir im strömenden Regen auf der Ringautobahn schnell hinter uns. Wir wollen keine teuren Hotels bezahlen und außerdem lockt uns die sibirische Weite bedeutend mehr.
Je weiter wir vorwärts kommen, umso mehr erstaunt mich die beinharte Fahrweise, mit der mein Kollege den Leistungsnachteil seiner Enfield mehr als wettmacht. Getreu dem alten Spruch der Dieselfahrer "Lieber das Leben verlieren als die Drehzahl", quetscht er sich ohne Gnade an allem vorbei, was auch nur eine Spur langsamer ist als er. Gegenverkehr interessiert ihn dabei überhaupt nicht, "Ich bin schmal genug" meint er nur trocken. Oft genug halte ich als nachfolgender Fahrer die Luft an, weil ich jeden Moment damit rechne, dass mir Stücke geschredderter Dieter um die Ohren fliegen, wenn er sich mal wieder um Haaresbreite zwischen zwei entgegenkommenden LKW durchschmirgelt. Doch während ich mich noch von meinem Schreck erhole, hat er schon zwei weitere Trucks aufgeschnupft, und ich muss mich trotz etlicher Mehr-PS sputen, den Anschluß zu halten.

So kommen wir jeden Tag unsere planmäßigen 500 km voran, bis in Kazan, der Hauptstadt der Republik Tatarstan, unsere Glückssträhne kurzfristig reißt. Am späten Nachmittag fahren wir gegen die Tiefstehende Sonne aus der Stadt heraus, als ich vor mir irgendetwas Blitzendes auf der Straße mehr ahne als sehe. Mit einem Schlenker weiche ich aus und erkenne erst dann das gerissene Kabel der Straßenbahnoberleitung, das sich wie eine fette kupferne Schlange auf der Straße ringelt. Gerade will ich aufatmen, da sehe ich im Rückspiegel Enfield und Dieter nebeneinander Salto schlagen. Gleichzeitig fällt mir ein, dass mein Freund wegen des heißen Wetters ohne Handschuhe gefahren ist. "Das war's dann ja wohl..." denke ich noch beim Bremsen.
Aber die Heerscharen fleißiger kleiner Schutzengel, die meinen Freund ständig umflattern, haben nicht ganz geschlafen.
Als ich den Thrifter an einen Zaun gelehnt habe und zurückgesprintet bin, ist Dieter schon wieder auf den Beinen und schimpft wie ein Rohrspatz. Nichts hat er an den Händen, nur eine Schürfwunde am Arm und kräftige Prellungen am Oberschenkel. Ist das noch Glück, oder doch eher Vorbestimmung?
Die Enfield hat es auf den ersten Blick schlimmer getroffen. Der Primärkastendeckel ist eingedrückt, das Öl aus dem Primärtrieb hat sich auf der Straße verteilt. Scheinwerfer zersplittert, Blinker abgebrochen, und, was das Schlimmste ist, der Hydraulikschlauch der Vorderradbremse hat ein Loch. Aber, Glück im Unglück, Kurbelwelle und Primärkette sind heil, und sie springt auch gleich wieder an.
Eine fürsorgliche russische Babuschka hat zu allem Überfluss gleich die Polizei angerufen, und so bleibt uns nichts anderes übrig, als auf die Beamten zu warten, was uns gar nicht recht ist, da wir der russischen Polizei eigentlich viel lieber aus dem Weg gegangen wären.
Während wir warten, erscheint ein Reparaturtrupp der Straßenbahn und flickt in 10 Minuten die gerissene Oberleitung. Dabei erfahren wir auch gleich, dass die 600 V Fahrspannung erst kurz vor dem Unfall abgeschaltet worden ist. Spätestens jetzt wird Dieter doch ein wenig blas um die Nase.
Aber alles wendet sich doch noch zum Guten. Die Beamten nehmen nur sorgfältig ein längeres Protokoll auf, und dann eskortieren sie uns zur nächsten Feuerwache, wo Dieter als deutscher Kollege in Not aufs Freundlichste aufgenommen wird, und ich gleich mit. Keine fünf Minuten später sitzen wir schon in der Kantine vor dampfenden Tellern, und der Abend wird noch feucht-fröhlich im Kreis der tatarischen Feuerwehrleute. Von einem Leiterwagen wird ein russischer Scheinwerfereinsatz requiriert, der genau in die indische Enfield passt. Der Blinker wird geklebt, der Primärkasten notdürftig abgedichtet.
Die Nacht verbringen wir auf den Schlafpritschen der Feuerwehr und schlafen fest wie nie.
Am nächsten Morgen fährt ein Kollege zwei Stunden mit uns im Lada durch die Stadt, bis wir in einem Hinterhof eine Motorradwerkstatt ausfindig machen, wo Dieter ohne Federlesens eine passende japanische Bremsleitung einfach geschenkt bekommt. Jetzt noch entlüften und alles ist wieder gut. Zwei Stunden später eskortiert uns die Feuerwehr noch bis zur Hauptstraße nach Perm, unserem nächsten Ziel, nur etwa 1000 km entfernt. Solange muss die Primärkette der Enfield auch ohne Ölbad auskommen.

Perm, Partnerstadt Duisburgs und letzte Großstadt im europäischen Teil Russlands, kenne ich schon von einigen beruflichen Aufenthalten, und so fällt es uns dort auch nicht schwer, die restlichen Schäden zu beseitigen. Wir gönnen uns für zwei Nächte den Luxus eines Hotels, dichten den Primärdeckel mit kunstvoll zurechtgeschnittenem Bierdosenblech und Unmengen an Kaltmetall wieder ab und beruhigen die angeschlagenen Nerven in einer noblen Pizzeria ein wenig.
Dann geht es weiter nach Ekaterinburg, und auf dem Weg dorthin verlassen wir Europa endgültig.
In die nächsten Tage halten wir strikten Ostkurs. Wir lassen Irbit, links liegen, die Stadt, in der die berühmt/berüchtigten Ural Gespanne gebaut werden. Ein Besuch im Werk hätte uns zwar gereizt, aber die Zeit läuft, und wir haben erst einen Bruchteil unserer Strecke geschafft. Über Tjumen und Omsk kommen wir nach Novosibirsk und weiter nach Barnaul. Das hier ist tiefstes Sibirien, was wir jeden Abend wieder an den unbesiegbaren Kampfgeschwadern blutgieriger Moskitos feststellen. Wir trotzen ihnen meistens während der eindrucksvollen Sonnenuntergänge, und flüchten uns dann ziemlich schnell in die Zelte.

Bevor wir uns nun auf den Weg zum Baikalsee machen, wollen wir erst einen Abstecher ins Altaigebirge einschieben und bis an die mongolische Grenze vordringen. Dort wird dann allerdings für uns umkehren angesagt sein, denn ein mongolisches Visum haben wir nicht. Dieser Abstecher stellt sich als sehr gute Idee heraus, denn die Berge und die schöne Landschaft des Altai sind eine mehr als willkommene Abwechslung nach Tausenden von Kilometern gleichförmiger sibirischer Waldlandschaft. Mehrere Tage verbringen wir in diesem Gebiet, das auch von Russen immer mehr als Urlaubsziel entdeckt wird. Aber noch ist es nicht überlaufen. Wir finden einsame Zeltplätze an rauschenden Flüssen, und auch das Essen ist deutlich besser als in der Monotonie sibirischer Fernstraßencafes. Alles lief doch so prima bis hierhin; und, wie heißt es so passend: Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis...

Wir hätten es wirklich besser wissen müssen. Mit unserer Erfahrung hätten wir nicht leichtfertig in diese Falle tappen dürfen. Aber es sah doch auf der Straßenkarte so gut aus. Nur zwei Daumenbreit Offroad entlang der mongolischen Grenze, und wir würden den Übergang aus dem Altai in die autonome Republik Tuva schaffen und uns so auf unserer Weiterfahrt Richtung Osten glatte 1200 km Rückfahrt und Umweg sparen. Diesel und Wasservorräte hatten wir knapp bemessen, um die Maschinen so leicht wie möglich zu halten. Die Beschreibung im "Lonely Planet" hätte uns sofort misstrauisch machen müssen: "Notoriously rough" wurde unser Weg da eingeordnet. Aber wir verließen blauäugig die Hauptstraße und fuhren per GPS Ostkurs entlang der Grenze. Die ersten Stunden waren noch ganz harmlos. Eine ebene und gut fahrbare Graspiste brachte uns Kilometer für Kilometer vom Asphalt fort. Die ersten Flussquerungen waren nur spaßige Herausforderungen. Aber das alles sollte uns wohl nur in Sicherheit wiegen. Jetzt quälen wir uns schon seit Stunden damit ab, die hoffnungslos untermotorisierte und auch noch total zu lang übersetzte Enfield den Berg hochzubekommen. Von Piste kann längst keine Rede mehr sein. Es ist ein Ziegenpfad übelster Sorte geworden. Dieter springt solange tapfer von Felsblock zu Felsblock, bis dem kleinen Diesel bergauf endgültig die Puste ausgeht, was er wie Emma, die Lokomotive, mit eindrucksvollen pechschwarzen Rauchwolken ankündigt. Nun heißt es schieben, zu zweit, mit laufendem Motor, solange bis die Steigung wieder erträglicher wird und er eine Chance hat, alleine weiterzukommen. Dann muss ich wieder zurücklaufen und den stärkeren und besser übersetzten Thrifter den Berg hochfahren. Das hat bis jetzt so lala geklappt. Aber die letzte Steigung hat uns den Rest gegeben. Vollbepackt hochschieben ging nicht mehr, wir mussten das Gepäck abladen und zurücklassen. Danach wieder runterlaufen, 60 kg den Ziegenpfad Hochschleppen, noch mal runter und das zweite Motorrad hochfahren. Jetzt sind wir fix und fertig. Dieter liegt in ***Feuerwehrrettungsstellung*** mit hochgelegten Beinen im Graben, um seinen wild pumpenden Kreislauf wieder unter Kontrolle zu bekommen. Danach geht es zur Abwechslung mal einen Kilometer runter; aber so steil, das wir uns unten nur blas anschauen. Wir verstehen uns auch ohne Worte. Hier werden wir nie wieder raufkommen. Ab jetzt geht es nur noch vorwärts. Noch zwei längere Anstiege und wir werfen für diesen Tag das Handtuch und schlagen total erschöpft direkt neben dem Weg unsere Zelte auf.

Am nächsten Tag zieht sich das Elend aus Schieben und Tragen noch stundenlang weiter, bis wir endlich die erste Passhöhe auf 2750 m erreichen. Für diese Höhe ist es mit etwa 15° C noch erstaunlich warm. Hier erhebt sich eine imposante Steinpyramide, an deren Fuß müde Reisende Hunderte von Rubelmünzen hinterlassen haben, um sich von den Geistern der Berge gutes Vorankommen zu erbitten. Auch wir opfern einen Weitgereisten Euro; denn gutes Weiterkommen haben wir ganz besonders nötig.
Wahrscheinlich hat es gewirkt, denn die Landschaft ändert sich wieder dramatisch. Anstelle der steilen Anstiege erstreckt sich nun vor uns eine endlose, von Silbrigglänzenden Flüssen durchzogene Hochebene. Einige Stunden und etliche Kilometer kommen wir problemlos weiter. Aber langsam dräuen über uns dicke, fette Gewitterwolken. Vorsichtshalber verpacken wir uns in die Ganzkörperkondome, und schon fällt ein kurzer, ergiebiger Schauer, der innerhalb weniger Minuten die schöne Piste in elende Schmierseife verwandelt und die Furten, die wir ständig durchqueren müssen, bedenklich ansteigen lässt. In der dritten erwischt es Dieter. Er kommt von der richtigen Spur ab und versenkt die Enfield sofort im Matsch. Innerhalb weniger Sekunden buddelt sie sich soweit ein, dass er rettungslos festsitzt. Natürlich geht sie dann aus schierer Böswilligkeit auch gleich aus. Bis weit über die Knie im schwarzen Schlamm packen wir wieder mal alles ab und schleppen es aufs Trockene. Dann schieben und schubsen und zerren wir, bis der zähe Morast sein Opfer widerwillig wieder freigibt. Am Abend überprüfen wir unsere Route. Dem nächsten GPS-Wegpunkt, 43 km entfernt, sind wir nach einem langen Fahrtag gerade mal fünf Kilometer näher gekommen. Natürlich ist es uns klar, dass das nur an der Umfahrung des vor uns liegenden Gebirgsmassivs liegt; aber deprimierend ist es trotzdem.
So schlagen wir uns Kilometer um Kilometer durch, bis wir am Abend des dritten Tages plötzlich wieder löcherigen Asphalt unter den Rädern haben. Wir haben es geschafft, und sind nicht wenig stolz darauf, die erste richtige Offroadherausforderung bewältigt zu haben.
Wir lassen die Republik Tuva schnell hinter uns, denn es ist eine notorisch gesetzlose Gegend, wo vielen finsteren Gestalten besonders nach Alkoholgenus das Messer oder die Makarov ziemlich locker sitzen soll. Bei der hier augenscheinlich herrschenden Arbeitslosigkeit wundert uns das nicht so sehr. Manche Gegenden Russlands sind bei den Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte die Gewinner gewesen, diese hier zählt wohl zu den Verlierern. Zumindest solange, bis sich die landschaftliche Schönheit in Form von Tourismus vermarkten lässt.
Der Asphalt bringt uns jetzt wieder Richtung Norden; über Abakan nach Krasnojarsk, wo wir wieder auf die Haupttransitstrecke stoßen, die wir für unseren Altaiabstecher verlassen hatten.

Schon lange freuen wir uns auf einige Ruhetage am Baikalsee, genauer gesagt, im Baikalsee, denn wir haben uns die Insel Olchon als Rastplatz ausgesucht, wo es schon einige Anklänge von Tourismus geben soll. Nach einer längeren Pistenstrecke von Irkutsk aus erreichen wir den Fährhafen, wo vor uns schon eine ellenlange Schlange von Autos steht, die alle auf die Insel wollen. Unsere Stimmung verdüstert sich, als uns klar wird, dass immer höchstens 10 Fahrzeuge auf die Minifähre passen. Aber glücklicherweise finden wir, wie meistens mit dem Motorrad, noch eine kleine Ecke, in die kein Auto passt, und sparen uns so stundenlange Warterei. Auf der Insel angekommen, nehmen wir noch die etwa 40 Pistenkilometer bis zum größten Ort Khushir unter die Räder. Auch hier testet wieder einmal ein längerer, steiler Anstieg die Kupplung der Enfield. Aber mit viel Schwung geht es, und wir müssen nicht einmal Gepäck abpacken.
In Khushir angekommen, genießen wir nach mehreren Wochen ausschließlichen Zeltlebens erfreut den Komfort einer Dusche und halbwegs bequemer Betten. Der erwartete Tourismus hält sich in engen Grenzen, einige wenige ausländische und russische Jugendliche erkunden die wilden Felsenküsten in der Nähe des Ortes. Das einzige Internetcafe erlaubt uns mal wieder Kontakt zur Außenwelt.
Am nächsten Tag wollen wir das 50 km entfernte Nordkap der Insel besuchen, was landschaftlich besonders schön sein soll. Gegen Mittag fahren wir, ausnahmsweise zusammen auf einem Fahrzeug, los. Die Enfield soll einen wohlverdienten Ruhetag bekommen.
Allzu weit kommen wir aber nicht. Nach etwa 20 km fängt es plötzlich an zu regnen, und die vorher gute Piste verwandelt sich schlagartig in absolut unfahrbaren Glitsch, der jede Spur von Profil zusetzt. Nach kaum einer Minute liegen wir schon flach, glücklicherweise im Schritt-Tempo und ohne jeden Schaden. Es ist kaum möglich, im Stehen das Motorrad aufzurichten, ohne dabei wieder auf die Nase zu fallen. An Weiterfahren ist überhaupt nicht zu denken.
Es ist aber auch unser Glück, dass wir schnell genug umkehren. Etliche andere Fahrzeuge hatten sich mit uns auf den Weg gemacht und bleiben jetzt hoffnungslos in jeder kleinen Senke hängen. Da hilft kein Schieben, da hilft kein Allradantrieb, sie müssen hier stundenlang warten, bis entweder der Boden wieder abtrocknet oder aus dem nächsten Dorf ein Traktor kommt. Wir mogeln uns neben der Piste im nassen Gras mit einem Minimum an Traktion langsam vorwärts und schaffen es, nach zwei Stunden mit völlig verdrecktem Motorrad klatschnass wieder im Ort anzukommen. Puh, noch mal gut gegangen.
Am nächsten Tag ist es wieder trocken, aber wir haben vom Kap die Nase voll und erkunden lieber zu Fuß die malerische Umgebung.
Ein friedlicher Ort, mit russisch-rustikalem Charme, und eines der größten schamanischen Kraftzentren dieser Erde.
Warum es aber in dieser aufstrebenden Kleinstadt, Luftlinie kaum einen Kilometer vom größten Süßwasserreservoir der Welt, kein fließendes Wasser gibt und alle Häuser 2 x in der Woche per Tankwagen versorgt werden müssen, ist ein Detail russischer Merkwürdigkeit, das ich als verwöhnter Mitteleuropäer wirklich nicht nachvollziehen kann.
Nach vier Tagen haben wir die Ruhe satt und machen uns wieder auf den Weg. Es lockt jetzt noch das große Unbekannte, die finalen 4000 km, in einem großen Bogen um China herum. Über den Straßenzustand haben wir sehr widersprüchliche Informationen gehört. Von 'total unfahrbar' bis zu 'seit zwei Jahren durchgehend asphaltiert' reichte die Bandbreite. Also fahren wir über Irkutsk nach Ulan-Ude und dann nach Chita; ab da wird es sich schon zeigen...

Piste? Ihr wollt uns was von Piste erzählen, Ihr Greenhornchen? Nur weil Ihr mit Euren komischorangenen Trimm-Dich Geräten mal einen begleiteten Ausflug nach Tunesien halbwegs heil überstanden habt?
Nun, an der fast 2000 km langen Strecke bis Khabarowsk, die wir jetzt bewältigen müssen, ist zweifelsohne in den letzten Jahren gearbeitet worden. Es gibt durchgehende Leitplanken, der Himmel weiß wofür, und alle 1000 m taucht mit der Regelmäßigkeit eines Uhrwerkes ein neues Kilometerschild auf. Aber als der Asphalt endgültig zu Ende ist, sind es immer noch 1650 km Strecke, die vor uns liegen.
Wisst Ihr, was Wellblech ist? Nein, das kann man so nicht im Baumarkt kaufen. Das ist der Zustand einer über lange Zeit von schweren LKW systematisch kaputtgefahrenen Piste. Absolut regelmäßige Rinnen quer zur Fahrbahn mit einem halben Meter Abstand und Tiefen von 5 bis 20 cm. Für Motorradfahrer die Hölle pur. Schon bei 30 km/h hat man das Gefühl, dass gleich alles unter einem zusammenbrechen wird. Die Zähne klappern im Rhythmus der Amplituden, die Brille rutscht immer wieder von der Nase, der Sekundenzeiger der Uhr liegt längst lose im Gehäuse, und wenn die Rinnen etwas tiefer werden, verschwimmt die Sicht, weil die Augäpfel anfangen, in Ihren Höhlen zu tanzen.
Dagegen sind alle deutschen TÜV-Ingenieure mit ihren neumodischen Pulsern nur Babies, die mit ihrem Räppelchen spielen.
Es ist überhaupt keine Frage, dass Dein Rahmen das nicht aushalten wird, nicht aushalten kann; unklar ist nur, ob er in 10 Minuten bricht oder doch erst morgen.
Es wird immer wieder großspurig erzählt, meistens von Leuten, die es selber nie gemacht haben, man müsste nur schnell genug fahren, dann würde das Rappeln erträglich. Ja, ist das so? Heißt das, mit 80-100 km/h praktisch ohne irgendeine Traktion im Slalom um die LKW driften? Ständig mit der Chance des finalen Abflugs vor Augen? Für wie bescheuert haltet Ihr uns denn?
Für uns ist bei 50 km/h Schluss; wir wollen ja noch ein bisschen weiterleben.

Schon 190 km geschafft… Der Motor hängt immer noch im Rahmen…. Wie lange wohl noch?
Ich kann mir das Rappeln nicht mehr anhören, die geschundene Mechanik tut mir zu leid. Das ganze Motorradfahrerdasein reduziert sich auf den einzigen Wunsch, das Wellblech möge aufhören.
Und mein Flehen zum heiligen Boris wird erhört: Auf den nächsten 150 km ist das Wellblech 20 cm hoch mit ausgebaggerten Flusskieseln zugeschüttet. Wie heißt es noch so schön: Vom Regen in die Traufe? Wild rudernd versuche ich Kilometer für Kilometer einen Sturz zu vermeiden. Nur zu gut erinnere ich mich dabei an Arthur aus Australien, den 82-jährigen Yamahafahrer. Wir haben ihn am Baikalsee zum ersten Mal getroffen und keiner von uns hätte ihn auf über 60 Jahre geschätzt. Ganz Russland hat er mit seiner kleinen Zweihunderter durchquert, und in den Jahren davor schon die ganze Transamericana gefahren. Und wir dachten schon, wir hätten ein vorgerücktes Alter erreicht!
Eine Woche später, kurz hinter Chita, erwischte es ihn dann aber doch. Wir sahen ihn schon von weitem auf der Leitplanke sitzen, neben seinem Motorrad. Bei einem kleinen Sturz im Schotter hatte er sich den Knöchel gebrochen und wartete jetzt schon seit etlichen Stunden im Niemandsland auf Hilfe. „Just one small fucking mistake...“ sagte er missmutig zu uns. Und das kaum 2000 km vom ersehnten Reiseziel Wladiwostok entfernt. Immerhin hatte er sich den gebrochenen Fuß noch selber mit einem massiven Spanngurt bandagiert. Nach weiteren drei Stunden tauchte dann aus der nächsten Ortschaft ein Polizeiwagen auf, und hatte, Oh Wunder russischer Effizienz, gleich eine Ärztin mitgebracht und einen Helfer, der Arthurs Motorrad bis zum 50 km entfernten Krankenhaus weiterfahren konnte. Unser Freund schaute trotz Morphiumspritze sehr betrübt, als er sein treues Gefährt mit einem fremden Fahrer im Staubnebel verschwinden sah.
Wir haben ihn nie wiedergesehen; nur sein Motorrad begegnete uns noch einmal, auf einer Palette im Bahnhof von Wladiwostok.
Hoffentlich geht es Dir schon wieder gut, Arthur, wir brauchen mehr Leute wie Dich!
Jetzt aber macht mich die Erinnerung an ihn eher noch vorsichtiger. Schließlich will ich nicht der Nächste sein, der seine Reise auf einer Krankentrage fortsetzt. Gut, dass auch die Flusskiesel irgendwann wieder aufhören und durch normalen Grobschotter ersetzt werden. Ein kleines bisschen weniger rutschig; aber kaum weniger gefährlich. Und als dann endlich, endlich der Schotter wieder aufhört, fängt mit ein paar hundert Kilometern Wellblech das ganze Elend wieder von vorne an.
Sicher, wir hätten unsere Motorräder auch in Chita in die Transsibirische Eisenbahn verladen können, so wie es fast alle Motorradfahrer in den letzten Jahrzehnten gemacht haben. Aber wir wollten ja partout nicht. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.“ hieß es oder „sind wir Motorradfahrer oder Bahnfahrer?“
Bei der abendlichen Lagebesprechung vor unseren Zelten, mit der verdammt wohlverdienten Bierdose in der Hand, kommen uns doch massive Zweifel. Einen ganzen langen harten Tag hinter uns, knapp 300 km geschafft, aber es sind immer noch 1500 km nach Khabarowsk. Ausgeruht am nächsten Morgen ist aber auch die Motivation wieder da.
So plagen wir uns vorwärts, Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde, Tag um Tag. Eine gnadenlose Materialschlacht ohne jeden Spaßfaktor. Bei jedem LKW, der uns entgegenkommt, verschwinden wir für gefährlich lange Sekunden in der undurchsichtigen Staubfahne und können nicht mal mehr die Piste unmittelbar vor uns sehen. Mehr als 300 km schaffen wir nie, obwohl wir von morgens bis abends unterwegs sind. Bei Sonnenuntergang das traditionelle Bier vor dem Zelt, wenn die Mücken es denn erlauben, und dann kippen wir todmüde in die Schlafsäcke; mit der Aussicht, dass es am nächsten Tag auch nicht anders sein wird.
Sechs Tage geht es so, sechs endlose Tage voller Staub und Schrecksekunden, wenn sich mal wieder Hinterrad und Vorderrad nicht über die Spur einigen können. Am siebten Tag tauchen vereinzelt kleinere Asphaltstückchen auf. Jedes Mal freuen wir uns wie die Schneekönige darüber, endlich mal wieder über 50 km/h fahren zu können. Und jedes Mal ist die Freude nur kurz, wenn wir nach einigen Kilometern am Horizont wieder den Staublindwurm auftauchen sehen; untrügliches Zeichen, dass der Asphalt wieder vorbei ist. Abends erreichen wir endlich Khabarowsk, und die moderne, aufstrebende Stadt erscheint uns irgendwie unwirklich nach der langen Quälerei im Niemandsland.
Von Khabarowsk nach Wladiwostok ist es nur noch ein Katzensprung; 900 km, und fast alles asphaltiert. Das spulen wir in 1 1/2 Tagen ab. Und was machen wir dann, nachdem wir uns seit 6 Wochen nur auf das Erreichen unseres Endziels konzentriert haben?
Wir fahren erst gar nicht nach Wladiwostok herein, sondern in einem großen Bogen um die Stadt herum und dann noch weitere 150 km nach Osten, bis nach Nakhodka, einem kleineren Ort am Pazifischen Ozean.
Denn hier findet genau an diesem Wochenende zum achten Mal das größte Motorradtreffen des russischen Fernen Ostens statt, die "Nakhodka Ocean Bike Week at the Edge of the World 2008". Und wir sind vielbestaunte Ehrengäste. Mehr als ein oder zwei Ausländer verlieren sich nie auf dieses Treffen, und die kommen dann noch meistens per Flieger aus den USA, Korea oder Japan. So schaffen wir es am ganzen Wochenende nicht, auch nur einmal unser Bier selber zu bezahlen. Vom Wodka ganz zu schweigen. Die Jungs und Mädels adoptieren uns regelrecht, und wir werden bis zum Filmriss von einem Lagerfeuer zum anderen weitergereicht. Samstagmorgens gibt es dann eine gemeinsame Ausfahrt mit Polizeieskorte, wofür kurzerhand mal eben die halbe Innenstadt von Nakhodka gesperrt wird. Als dann um Mitternacht von der Bühne die deutschen Klänge der Rammstein-Coverband kommen, fühlen wir uns auch am anderen Ende der Welt ganz wie zuhause. Sonntag morgens, gegen 6 Uhr, als ich schon längst das Handtuch geworfen habe, kommt Dieter mit konservativ geschätzten 3 Promille dann auf die Idee, seinen russischen Bewunderern zu zeigen, dass sein Motorrad nicht nur mit Diesel, sondern auch mit dem örtlichen "Doctor Diesel" Dosenbier ganz hervorragend läuft. Gelallt, getan, und schon hat er zwei ganze Halbliterdosen in seinem Tank ausgeleert. Aber die Enfield tut ihm auch nach dem zehnten Tritt nicht den Gefallen anzuspringen, und so schleppt er sich grummelnd ins Zelt, wo er für die nächsten Stunden im Koma versinkt.
Später am Tag hat er dann, ein bisschen klarer, aber dafür völlig verkatert, die dankbare Aufgabe, umringt von einem Dutzend feixender Russen, seinen Tank und das gesamte Einspritzsystem zu spülen. Dabei hält er das Werkzeug in der einen Hand und seinen Kopf in der anderen, und murmelt die ganze Zeit etwas vor sich hin, was sich verdächtig nach: "Wie kann man nur so blöd sein..." anhört.
Nachmittags verabschieden wir uns von all jenen, die uns so enthusiastisch aufgenommen haben, und zuckeln langsam, noch vom Restalkohol geschwächt, Richtung Wladiwostok zurück. Eine letzte Zeltnacht, ein letzter Kampf mit den Mücken, und am nächsten Mittag erreichen wir endgültig unser Endziel. 14973 km sagt der TT IMO, und 6048 km Luftlinie sagt das Garmin GPS.
Hier listen wir dann die Blessuren auf: Thrifters Tankhalterung ist geschweißt und die obere Motorhalterung zeigt nach der Pistentortur auch Risse. Ansonsten ist er erstaunlich gut in Schuss und könnte die Strecke wohl ohne weiteres zurückfahren.
Die alte Dame Enfield hat während der ganzen Reise immer wieder irgendwelche Schrauben und sonstige Teile von sich geworfen, bis sie den gesamten Ersatzteilvorrat geplündert hatte, den der Thrifter glücklicherweise nicht brauchte. Jetzt steht sie hier mit ausgeleiertem Ruckdämpfer im Hinterrad, ohne Kettenschutz, mit eingedrücktem Lüftergehäuse. und etlichen neuen Schweißnähten. Das vordere Schutzblech wird von zwei umfunktionierten Montierhebeln fixiert, da die originalen Halter längst gebrochen sind. Aber sie läuft, und wird das auch noch weiter unter Beweis stellen müssen.
Da meine Urlaubszeit unwiderruflich zu Ende ist, muss ich leider Unsummen an Geld berappen, um den Thrifter per Container nach Hamburg zu verschiffen. Dieter hat keinen Zeitdruck, schickt seine Enfield per Transsib nach Moskau zurück und fährt drei Tage später selber hinterher; die bedeutend billigere Lösung. Ich fliege in lächerlich kurzer Zeit über Moskau nach Düsseldorf zurück; tief unter mir die unendliche Weite Sibiriens, die ich jetzt genauer kennen gelernt habe als die meisten Russen.
Als ich schon längst wieder in Deutschland meiner Arbeit nachgehe, kommt Dieter mit der Enfield endlich aus Moskau los. Bis kurz vor die deutsche Grenze trägt sie ihn noch, dann versagt das geschundene Getriebe den Dienst.
Thrifter kommt sechs Wochen später, gut verpackt und ohne Beschädigungen oder Rost, im Hamburger Hafen an.
Reinhard Hötger


Was uns am besten gefallen hat:
dass wir viel mehr Rückenwind als Gegenwind hatten
dass wir in Russland nur nette Leute getroffen haben
(das gilt auch ausnahmslos für alle Amtsträger von Grenze, Polizei und Zoll, das möchten wir ausdrücklich betonen, da man immer wieder Gegenteiliges hört)
dass in Russland der Diesel nur 70 Cent pro Liter kostete
dass eine normale deutsche Bankkarte von praktisch jedem russischen Geldautomaten bis Wladiwostok akzeptiert wird
dass das russische Bier fast so gut ist wie das deutsche


Was uns gar nicht gefallen hat:
dass die Mückenplage in Sibirien wirklich extrem ist
dass die Reise so schnell zu Ende war; wir hätten noch ewig weiter nach Osten fahren mögen




Technische Daten:
Thrifter: Baujahr 2007
Kastenrahmen basierend auf MZ ETZ Teilen
Kawasaki Gabel, Aprilia Bremse vorn, KTM Bremse hinten
Motor Lombardini 15 LD 440 Diesel Direkteinspritzer
mit Ausgleichswelle und Hydrostößeln, etwa 13 PS bei 3600 U/min
elektrisches Startsystem mit Maxwell Highcap 110 Farad
Primärtrieb HTD 8 M Zahnriemen
Sekundärtrieb Polychain 14 M Zahnriemen
5-Gang-Getriebe von Enfield
26 l Tank und Sitzbank von BW GS
Vmax 100 km/h, Verbrauch auf der Reise 1,76 l / 100 km
Der Fahrer: Reinhard Hötger, 50, Technikspezialist mit 35 Jahren Zweiraderfahrung
und mehreren selbstgebauten Dieselmotorrädern
hoetger@cityweb.de

Enfield: Baujahr 1992
Bullet Einschleifenrahmen
Greaves 325 Diesel Direkteinspritzer, etwa 6,25 PS bei 3600 U/min
Primärtrieb Duplexkette im Ölbad
Sekundärtrieb O-Ring Kette
4-Gang-Getriebe, 20 l Tank, Indian Einzelsitzbank
Vmax 70-90 km/h, je nach Gegenwind, Verbrauch etwa 2,2 l / 100 km
Der Fahrer: Dieter Schnapka, 62, Organisationsgenie mit 40 Jahren Zweiraderfahrung und unerschütterlichem Optimismus
schnappes@web.de


Jetzt oder nie, Bürokratie:
Visum
Wer als EG-Europäer nach Russland will, braucht ein Visum. Russische Visabestimmungen sind recht verworren und können hier nicht explizit erklärt werden. Kurz folgendes: Wer sich nicht länger als 4 Wochen im Land aufhalten will, kommt mit einem billigen und einfach zu erhaltenden Touristenvisum aus. Das lässt sich aber nicht im Lande verlängern. Jeder, der länger bleiben will, braucht zwangsweise ein Geschäftsvisum. (Schüler- und Studentenvisa lassen wir mal außen vor.) Ein Geschäftsvisum bekommt man nur mit einer offiziellen Einladung einer russischen Institution oder Firma. Voraussetzung für alle Visa ist der Nachweis einer von der russischen Botschaft anerkannten Auslandsreiseversicherung. Eigentlich hat man bei dieser Bürokratie nur eine Chance, wenn man sich an eine der zahlreichen Visazentralen wendet, die gegen gutes Geld die Formalitäten, einschließlich der Einladungen, erledigt. Wer meint, er könne hier Geld sparen, wenn er selber tätig wird, wird sich voraussichtlich nur die Nerven schmirgeln.
Motorrad
Wer mit eigenem Fahrzeug einreisen will, braucht einen internationalen Führerschein. Ein internationaler Fahrzeugschein ist nicht vorgeschrieben, kann aber auch nicht schaden. Dies ist ein Papier, ähnlich dem Int. Führerschein, was jede Zulassungsstelle nach Vorlage des Fahrzeugscheines gegen einen Obolus von 11€ sofort ausstellen kann. Die meisten haben nur noch nie was davon gehört und versuchen es gleich mit abwimmeln. Also hartnäckig bleiben.
Weiterhin muss man sich eine russische Kfz-Versicherung für die Zeit besorgen, die man im Land verbleiben will. An den meisten Grenzstationen sollte dies direkt möglich sein; ansonsten muss man es sofort in der nächsten Stadt erledigen. Kostet etwa 30-60 € je nach Fahrzeug und Aufenthaltsdauer.
Bei der Einreise bekommt man ein Zolldokument über die temporäre Einfuhr eines Fahrzeuges, das man bei der Ausreise wieder abgeben muss. Ärgerlicherweise wird dieses Papier an den westlichen Grenzen Russlands meist nur für 4 Wochen ausgestellt, selbst wenn man länger bleiben will. Also muss man es vor Ablauf an einer russischen Zollstelle verlängern lassen. Zollstellen gibt es in jeder größeren Stadt. Wir haben mit Glück für diese Prozedur in Chita 4 Stunden gebraucht; andere haben auch zwei Tage verschwendet.
Registrierung
Über die Frage der Registrierung kann lange gestritten werden. Theoretisch muss man sich spätestens drei Tage nach Einreise in irgendeiner Stadt registriert haben. Registrierungen sind praktisch nur über Hotels möglich, und dann auch nur über bessere (sprich teurere). Jeder hat hier eine andere Meinung über das, was erforderlich ist. Da wir hauptsächlich gezeltet haben und ohnehin nirgends länger bleiben wollten, haben wir uns nur einmal mehrere Tage nach Einreise registrieren lassen und das dann bis Wladiwostok geflissentlich ignoriert. Wir sind zwar oft kontrolliert, aber nie danach gefragt worden.

Kontrollen
Die Kontrolldichte der russischen Polizei ist ungemein hoch. Vor jeder größeren Stadt ist ein Kontrollposten aufgebaut, auf den Überlandstraßen gibt es bedeutend mehr Radarfallen als bei uns. Etwa jeder zehnte wird kontrolliert; also werdet Ihr auch oft genug dran sein. Wer seine Papiere in Ordnung hat und nicht gerade tiefgeflogen ist, wird dann meist mit einem "Gute Reise" weitergeschickt. Abzockversuche haben wir keine erlebt.

Sprache & Schrift:
Sicher gibt es in Russland, besonders in den Städten, Menschen, die etwas Englisch sprechen. Es gibt mitunter sogar Schilder in lateinischer Schrift. Aber beides garantiert niemals dann, wenn man es braucht. Es ist dringend anzuraten, sich vor einer Reise wenigstens mit der kyrillischen Schrift vertraut zu machen und ein paar Brocken Russisch zu lernen. Keine Angst, so schwierig ist das nicht; und es lohnt sich ungemein.
XT-Mike
 
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Beitragvon duda66 » 21.04.2010 10:53

Wow, Respekt. Echt coole Aktion.
„Regen läßt das Gras wachsen, Wein das Gespräch.”
Aus Schweden
duda66
 
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Re: Muelheim/Wladiwostok mit 6 PS

Beitragvon schnappes » 13.08.2014 16:56

Durch Zufall mein altes Tagebuch von der Wladiwostoktour 2008 wiedergefunden.

Möchte sie zur Ergänzung von Reinhards Blog hier einstellen

Version der Tour im Juni 2008:

In 66 Tagen mit 6 Diesel PS 18000Km von Mülheim nach Wladiwostok.

Gestern bei der Anfahrt zum Reinhard ca. 111 Km vor Arle nicht früh genug Reservehahn umgeschaltet, dadurch bedingt wieder langes Antreten und Entlüften an meinem Dieselchen angesagt. In Arle angekommen noch kleine Verbesserungen gemacht. Die Abschiedsparty war gelungen .Viele Gäste und Verwandte kamen um uns zu verabschieden und auf unserem langen Weg nach Wladiwostok Glück zu wünschen.
Wie immer bei so Gelegenheiten der letzte, der ins Bett ging. Am frühen Sonntag Nachmittag waren wir, Reinhard und ich wieder allein. Die Wohnung etwas geordnet. Im Anschluß haben wir unser Gepäck noch mal sortiert und ausgemustert. Habe das Gefühl, viel zu viel mitgenommen zu haben.
Denke aber auch, bei so einer Tour sollte ich mich nicht allzu sehr aufs Allernotwendigste beschränken. ( Warum eigentlich nicht? )
Habe letzt endlich doch wieder etliches raus genommen, was da blieb. Bei der Fahrt zur nahen Tankstelle, um Morgen früh mit vollem Tank loszufahren festgestellt, das mein Dieselchen kaum über 70 Km/h fuhr. Es beunruhigte mich schon ein wenig sehr, da zu Hause, bei normalen Fahrten immer zwischen 80 und 90 km drin waren. Will es nicht wahr haben, das es so bleiben wird. Habe sowieso etwas gemischte Gefühle für diese Fahrt, wie wir es meistern werden. Freue mich riesige darauf und frage mich selbst, wie weit wir es schaffen werden.
Wir planten gegen 6 Uhr loszufahren und bis zur Polnischen Grenze zu kommen.

Mo.30.06.2008

Reisefieber war so gewaltig, das ich schon kurz nach 4 wachgeworden bin. Durch mein Rumoren im Zimmer ist auch Reinhard wachgeworden, wahrscheinlich ging es ihm genauso wie mir. Also schnell noch gefrühstückt, Haus verschlossen und gegen 5 losgefahren.
Hatte ein komisches ungutes Gefühl in der Magengegend, weil am Vortag auf dem Weg zur Tankstelle mein Moppel nur noch 60 lief.
Wenn es so geblieben wäre, würde Wladiwostok ein Fragezeichen für mich werden. ABER !!!...Der Optimist gibt niemals auf und glaubt an das Gute der Dinge, die da kommen werden und hofft ,wenn es nicht andres wird auf ein kleines Wunder.
Kann es mir nicht erklären. aber ab dem Zeitpunkt, wo wir auf die A31 fuhren, lief der Moppel so wie immer 80 und mehr.
Es ist so schon, am frühen Morgen zu fahren, kaum Verkehr, das Aufgehen der Sonne, die Nebelschwaden auf den Feldern wahrzunehmen.
Geplant war der Weg nach Warschau 1200 Km zu halbieren. Da aber alles so schön glatt und reibungslos verlief, sind wir über die Polnische Grenze bis Posen gefahren. Dort in der Stadt für 10? 4 Dosen Bier, Eier, Käse und Brot und zwei Eis gekauft.
Ca.30 Km hinter der Stadtgrenze in einen Feldweg gefahren und zwischen Maisfeldern unsere Zelte aufgebaut. Die Türkische Knoblauchwurst mit dem Polnischen Bier war ein leckeres, besonderes Abendessen.

Di.01.07..2008

Bis auf ein paar Geräusche von vorbeifahrenden Zügen, war nichts zu hören. Reinhard schläft, glaube ich noch schneller ein als ich. Das soll schon was heißen Die Anfahrt zu Maciek meinem Freund stellte sich als nicht so einfach heraus. Staus und zähfließender Verkehr im Vorortbereich von Koscince ließen uns nur langsam voran kommen. Ich neigte da schon mal zwischen den Autos mich bis zu Ampel durchzumogeln, da Reinhard aber nicht mitzog, mußte ich anschließend wieder auf ihn warten und kam so auch nicht weiter.
Weiß nicht warum, mein Garmin führte mich zum Parkplatz eines Krankenhauses. Dank meines mitgenommen Handys konnte ich Maciek anrufen und er holte uns dort ab.
Netten Abend im Kreis seiner Familie erlebt.
ausgegeben.
Gute 300 Km noch durch Litauen gefahren. Unterwegs sehr viele Storchennester gesehen. Die Weltkarte von Garmin zeigt starke Abweichungen zum realen Straßen verlauf. Grade wenn es zu Kreuzungen kam, war es besonders ungenau.

Mi.02.07.2008

Gegen 9 Uhr aufgebrochen. Maciek und Justyna haben uns noch 40 Km begleitet und einen anderen, schöneren und ruhigeren Weg zur Grenze Nach Litauen gezeigt. Kurz vor der Grenze, nach ca.400 Km noch restliche Zlotys fürs Tanken ausgegeben.


Do.03.07.2008

Grenze zu Lettland war sehr bescheiden. Ein Foto und weiter ging es. Eine Straße in Bau zwang uns zu einer Umleitung von 30 km, nur Schotter. Ein guter Vorgeschmack für Ostsibirien.
An der Russischen Grenze gegen 15 Uhr Deutscher Zeit angekommen. Vorher noch an bestimmt 30 km langem LKW Stau vorbeigefahren. Diese sagten das für sie eine Wartezeit von 5 Tagen normal ist.
Ein Russe, der Deutsch konnte, getroffen. Gute Tips von ihm bekommen, half uns auch bei den umständlichen Grenzformalitäten.
Für die Motorräder bekamen wir ein Zolldokument, was nicht verloren gehen durfte und nur 4 Wochen Gültigkeit besaß. Da wir aber ein 3 Mon. Visum hatten wollten wir die Verlängerung gleich haben. Der Grenzer war unerbittlich.
Jedes Zollamt im Land würde die Verlängerung ausstellen.
Erstmals einen Übernachtungsplatz gesucht. Schön im Wald gelegen, aber sehr extreme Mückenplage. Im Dorf Eier gekauft und wollten leckere Rührei machen. Einer schlug die Eier auf und in die Pfanne, der Andere röhrte derzeit fleißig um, damit diese nicht anbrannten. Beim 4 Ei ein Fehlgriff. Es war schwarz und faul. Die Bewegung es nicht in die Pfanne zu hauen war zu schnell und ließ sich nicht mehr verhindern. Es stank fürchterlich. Unser Rühreiportion dadurch etwas kleiner ausgefallen.

Fr.04.07.2008

Gegen 9 Uhr wach geworden, immer noch die lustigen Mücken anwesend. Schnell zusammengepackt und ab zum nahen Zoll um die Verlängerung zu bekommen. Auf den Hof rollend, zerriß Reinhards Zahnriemen zum Hinterrad.
Kurz vorher einen Litauer getroffen, er Englisch und Deutsch sprach und uns beim Grenzübergang schon geholfen hat. Mit ihm fuhr ich ins nahe Städtchen, um die KFZ Versicherung für unsere Motorräder abzuschließen.
Reinhard konnte in dieser Zeit seinen Zahnriemen wechseln. Für 3 Mon zahlte ich pro Motorrad ca.45€.Ok, habe mit deutlich mehr gerechnet. Dennoch Reinhard zu diesem schönen kleinen Ort gelotst, wo wir am Seeufer die schöne Stimmung genossen und leider nur ein Marsriegel verputzen konnten. Leider kein Restaurant an diesem schönen Fleck. Reinhard entdeckte eine abgefallene Mutter am Stehbolzen an meinem Motorrad. In der Nähe eine Werkstatt gefunden. Diese würgten eine alte Mutter auf meinen Stehbolzen und verschweißten diese, somit wieder eine Mutter weniger, die ich verlieren konnte. Bei dieser Reparatur legte ich meine Brille auf meine Gepäckrolle und vergas diese beim Wegfahren. Später, als ich diese vermißte, zurückgefahren und glücklicherweise auch wiedergefunden. Leider mit herausgebrochenem linken Glas. In Perm beim Optiker den Rahmen löten lassen, hat an Schönheit verloren, aber an Bedeutung für mich gewonnen.
Trotz dieser ganzen widrigen Umstände doch noch 380 km geschafft. Mußten auch noch die Regenkombis überziehen, wegen anhaltendem Regen.

Sa.05.07.2008

Die Umgehungsstraße um Moskau verpaßt. Starker Regen setzte ein. Dann doch noch die richtige Straße gefunden. Anhaltend starker und zäh fließender Verkehr. Danach endlich wieder Landstraße. Regen hielt an. Als es ums Übernachten ging wollten wir nicht im versumpften Waldboden zelten sondern fragte einen Schrebergartenbesitzer, ob wir auf seiner festen Wiese unser Zelt aufschlagen durften. Der Abend war gerettet.

So.06.07.2008

Heute bis Kasan geschafft. Ich kann diese Stadt jetzt als meinen neuen Geburtsort bezeichnen. Da ich dummerweise mein Namen bis dahin mit Ortsnamen als Wegpunkte gesetzt hatte, führte er uns immer zum Stadtzentrum hin.
Hier die Orientierung verloren und einen Taxifahrer gebeten uns auf die richte Straße zu leiten. Nach ein paar km Fahrt lag auf der Fahrbahn ein langes Stück dickes steifes Kabel. Ich fuhr daher um und übersah das zweite, herunterhängende Kabel. Dieses unten zu einem haken geformten Ende fuhr ich hinein und wurde nach ein bis zwei Metern Fahrt plötzlich abgeschläudert. Wußte nicht wie mir geschah. Da ich weder Bordstein noch etwas anderes berührt hatte. Stieß beim Abflug
mit dem Lenkerende gegen meine linke Leiste, wo ich erst Tage später einen großen Bluterguß gesehen hatte. Der Schrecken und die Angst, das das über mir pendelnde Kabel noch Stromführend war ließ mich fast erstarren. Wie ein Limbotänzer robbte ich unter dem Kabel aus der Gefahrenzone. Die mehrere Tausend Volt führende Leitung hatten mich geschafft. Aber denke, das meine Zeit noch nicht abgelaufen ist.
Am Motorrad wurde der Primärtriebdeckel durchgescheuert, das Scheinwerferglas, Blinker zerbrochen und das Schlimmste, mein Hydraulikschlauch der Vorderradbremse zerrissen.
Habe mich zur Feuerwehr von Kasan durchgefragt, wo ich mich als Exkollege zu erkennen gab. Die hinzugekommene Polizei lotste uns dann dorthin. Erklärte was geschah und fuhr davon. Sehr zu unserer Beruhigung, da wir noch nicht in Rußland registriert waren. Es ist jedermanns Pflicht sich innerhalb von drei Tagen bei der Ausländerbehörde zu melden, wo man eine Bescheinigung darüber bekommt. Hoffte, das die Polizei diese nicht von uns verlangt. Hatte mit Sicherheit Ärger gegeben.
Die Feuerwehrkollegen sehr freundlich, wie alle immer überall auf der Welt, die ich schon bei meinen vielen Trips besucht habe. Boten uns sogleich zum Übernachten an, nach einigen Gesprächen in Polnisch, Englisch mit Händen und Füssen wurden wir zu Essen geladen. Selbst Bier wurde für uns aufgetrieben. Anschließend die Banja, Russische Sauna aufgeheizt und gemeinsam mein Motorrad wieder repariert Aus einem nicht mehr fahrbereiten Löschwagen wurde der Reflektor entnommen, die 24 V. Kugelbirne mit einer 12 Voltigen getauscht und saugend in meine Enfieldlampe eingesetzt.

Mo.07.07.2008

Gegenüber der FW war ein Motorradladen, warteten bis dieser geöffnet hat, wie zu erwarten aber für meine Scheibenbremse kein Ersatzteil vorrätig hatte. Nach kleiner Überlegung eine Adresse aufgeschrieben von einem Motocrossfahrer mit einer kleinen Werkstatt. Der Feuerwehrkollege fuhr mit uns dort hin und übersetzte mein Problem. Das gebrauchte Teil ist 10 cm länger aber das tut der Sache keinen Abbruch. Eine Dose mit der nötigen Bremsflüssigkeit wurde auch noch gereicht und mit guten Wünschen für die Weiterfahrt ohne Geld angenommen zu haben verabschiedet worden. Das sind ERFAHRUNGEN die prägen, einen verändern.
Wieder zurück auf der Feuerwache, mußten wir noch mit den Kollegen Mittag essen. Zu guter letzt noch mit Feuerwehrorden beschenkt worden und mit besten Wünschen noch bis zur Ausfallstraße begleitet worden.
Dieser Abschied rührte mich gewaltig in Anbetracht dieser Situation. Denke Kasan hätte es verdient etwas länger in Augenschein genommen zu werden.
Aber die Zeit drängte und wir wußten auch nicht was uns noch bevorstand.
Wetter hat sich auch deutlich gebessert, so daß die Zelte auch wieder trocken wurden.

Di.08.07.2008

Den ganzen Tag nur gefahren. Am späten Nachmittag in Perm angekommen. In einem Hotel, was Reinhard schon des Öfteren beruflich genutzt hatte untergekommen.
Hat auch die beiden Übernachtungen und Motorradparkgebühr bezahlt, weil Perm nicht direkt auf unserer Linie lag, er es aber gerne besuchen wollte.
Denke das es gute 50 € pro Person und Nacht gekostet hat. Die langersehnte Anmeldung auch dort vom Hotel bekommen.
Abends an der Kama gesessen und Pizzas essen gewesen

Mi.09.07.2008

Durch Basare gebummelt und Zweikomponentenkleber besorgt. Eine Bierdose zerschnitten und mit diesem Blech und dem Kleber meinen Deckel wieder dicht gemacht.
Abends im Biergarten leckeren Lachs gegessen. Über den Preis von 24 € kam er nicht hinweg. Stunden später hat er das vergessen oder verdrängt.

Do.10.07.2008

Um aus Perm raus zu kommen erst einen größeren Stau durchfahren müssen. Gegen Mittag die Grenze Europa Asien erreicht An diesem Denkmal eine kleine Rast eingelegt Das originale Denkmal mit einer Länge von 140m steht irgendwo in einer nahen Ortschaft Swerdlow. Nach gut 500 km .wieder wild gezeltet, hier in Russland sehr gut möglich, auch wenn es nur wenige Campingplätze gibt.

Fr.11.07.2008

Nur noch knapp 300 Km bis Omsk. Der Heutige Tag zog sich ganz schön in die Länge.
Beim Tanken eine undichte Stelle in der Kraftstoffleitung vom Reinhard festgestellt. Ganz gut sonst wäre der Diesel unterwegs verloren gegangen. Wenn ich es nicht selbst durch den Dieselgeruch gemerkt hätte. Reinhard hatte ein paar Stücke Kraftstoffleitung in Reserve. Frage mich ernsthaft wie weit ich gekommen wäre, wenn er nicht dabei gewesen wäre.
Nach ca.500Km einen kleinen See auf der linken Seite gesehen und schon war die Übernachtungsfrage geklärt. Sehr schönen und mückenfreien Sonnenuntergang erlebt.

Sa.12.07.2008

Wie all die anderen Tage wach geworden. Einer hört den anderen rumoren und wird auch wach. Zelt abbauen, Sachen zusammenpacken und losfahren Beim nächste Restaurant oder Raststätte anhalten, und nach dem Frühstück Ausschau halten. Manchmal gibt es was gutes, manchmal nicht. Hier wird wie in der Türkei, Indien oder Thailand morgens was Warmes gegessen. Haben Heute 600 Km geschafft. Werden ständig von schweren schwarzen Regen Wolken verfolgt. Sind aber etwas schneller.

So.13.07.2008

Morgens beim Wegfahren auf verschlammtem Weg ist Reinhard umgefallen. Lehmboden setzte das Reifenprofil zu und nichts geht mehr. Mußte selbst erst einen Platz finden, wo ich selber stehen konnte ohne mich festzufahren, oder auszurutschen. Dabei in eine zugewachsene Traktorspur geraten, wo ich selber nicht zum Absteigen kam. Beide kämpften wir mit uns und unseren Mopeds. Haben es irgendwie doch geschafft, uns gegenseitig aus dieser mißlingen Lage zu befreien. Ein kleiner elektrischer Defekt zwang Reinhard zum Schrauben und Fehlersuchen. Das Massekabel hatte sich an der Batterie gelöst. Kleine Ursache, große Wirkung. Wollte ihn bei dieser Reparatur knipsen, dabei festgestellt, daß die Displayanzeige seines Fotoapparates nicht mehr funktionierte.
In Barnaul dann Ersatz gefunden .Nähern uns dem Altaigebirge. Straße wird bergiger und deutlich mehr Restaurants am Wegesrand.

Mo.14.07.2208

Wie schon erwähnt, kaufte Reinhard in Barnaul eine neue Kamera. Meine Sandalen einen Tag vorher im See anbehalten, um Schnittverletzungen am Fuß vorzubeugen. Der Schlick im See war so zäh, das meine Sandalen zerrissen. Sehr schöne Landschaft. Straße verläuft parallel zum Fluß. Viele Kurven, erreichen 1700 Höhenmeter. Viele Familien kampieren am Fluß, wo alle paar hundert Meter Grillplätze, Abfalltonnen und Toilettenhäuschen stehen. Beschließen auch hier zu übernachten. Wetter angenehm warm.

Di.15.07.2008

Heute morgen beim Abfahren, die Böschung nicht geschafft. Zu wenig Schwung und Anlauf gehabt Reinhard filmte mich wie ich in Zeitlupe umfiel. Der Zweite Versuch mit mehr Schwung wurde auch gefilmt, aber leider mit Deckel vor der Linse.
Dieser Versuch glückte. Wir fahren gut gelaunt und filmen und knipsen was gefällt .Motive ohne Ende. Das monotone Fahren ist vorbei.
An einem anderen Fluß zum Übernachten schönen Platz gefunden. Es wehte ein so starker Wind, dass man alleine sein Zelt nicht aufgestellt bekam. Nur zu zweit und sofortiger Beladung mit Gepäckstücken war es möglich.
Kaum standen die Zelte fest verschnürt, ließ der Wind nach.

Mi.16.07.2008

Die meiste Zeit des Tages wird gefahren. Nur so schmolzen die Km dahin. Immer in Richtung Osten. Seit wir im Altaigebirge sind kommen Kurven und Bergauf und Abfahrten. Die Dörfer die wir durchfahren sind meistens klein und ganz in Holzbauweise. Überhaupt wird Bauen hier in der Region großgeschrieben. An allen Ecken und Enden sieht man Holzhäuser bzw. Rohbauten. Straßen im sehr guten Zustand, nicht so wie vorher in Sibirien.
Wieder am schönen Fluß gezeltet, mit Blick auf diesen. Das Wasser was aus den Schneebedeckten Bergen kam, war sehr kalt und reißend .Eine Russische Familie kam mit ihrem Auto und übernachteten auch in unserer Nähe. Der Hund, der zu ihnen gehörte kam kurz zu uns rüber, beschnupperte uns, markierte kurz mein Zelteingang und ging grinsend davon. Was will mir das sagen?

Do.17.07.2008

Nahe der Ortschaft Kotashewo ging eine schmale Straße 56 Km in Richtung Norden in ein schönes Tal, was im Reiseführer als schön beschrieben wurde .Nicht zu viel versprochen, teilweise Schotterweg und so steil, das Reinhard öfters mit schieben mußte, weil die Motorkraft nicht ausreichte. Erst als er meinen Tankrucksack zu sich nahm, kam ich besser die Berge hinauf.
5 Std später waren wir wieder auf unserer alten Route. Der Himmel vor uns verhieß nichts gutes. Gruselig schwarze wasserreiche Wolken. Plötzlich aus der Gegenrichtung 4 Motorradfahrer aus Australien .Eine Frau und drei Männer. Auf 350-650 ccm Enduros. Mit so wenig Gepäck, das ich dachte, sie machen einen Wochenendausflug. Ließen ihre Motorräder nach Wladiwostok verschiffen und fuhren von dort kommend durch die Mongolei. Nach einem Kleinen Erfahrungsaustausch fuhr wieder jeder seines Weges. Das Unwetter kam deutlich näher, Blitze zuckten am Horizont. Im Ort Kosh Agach an einer Tankstelle einen großen Niederländischen umgebauten LKW gesehen, waren wohl auf Weltreise. Der Himmel wollte grade losreißen, da fanden wir ein Restaurant, das wegen einer Familienfeier geschlossen hatte, aber unsertwegen doch die Tür geöffnet hatte. Keine Minute zu früh. Von dieser Feier noch so viel gutes Essen übriggeblieben, das wir sehr gut gesättigt waren und noch zum Wodka trinken animiert wurden. Das Unwetter zog ab und wir fuhren noch ca.5 Km außerhalb dieser Ortschaft in die Steppe um zu zelten .Das Gefühl gehabt, wir sind in der Mongolei, so groß und grenzenlos eben.

Fr.18.07.2008

Heute wollen wir Pistenerfahrung sammeln.
40 Km hinter Kosh Agach hörte der Asphalt auf und der Einstig zu einem Abenteuer begann.
Es ist nicht einfach Piste zu fahren. Ständig zweigen irgend welche Fahrspuren ab. Dazu kommen noch unzählige Bach und Flußdurchfahrten. Brücken sind hier ein Fremdwort. Jeder Abzweig ein Rätselraten, welche der Spuren die Richtige ist. Kamen dabei bei einem Farmer vorbei, er winkte uns zu und zeigte dort ist nicht richtig, wo ihr hin wollt.Reinhard wollten trotzdem diesen Weg fahren. Nach ca.3 Km standen wir vor einer Staumauer.Also wieder zurück. Wurden von dem Farmer zum Essen eingeladen. Zum Abschied noch mit einem großen Stück festen Ziegenkäse und Fladenbrot beschenkt. Beschrieb uns den Weg mit Gestik und Mimik. Uns erwartete ein mehrere hundert Meter langer Weg, der mit kürbisgrossen Felsen bestückt war. Langsam fahren war nicht drin. Entweder wurde das Vorder-, oder Hinterrad von irgend einem Felsen blockiert. Es ging nur mit Gewalt und Tempo. Versuch mal ein über 200 Kg leichtes Motorrad und 6 Ps zum Wheelie zu bekommen. Ich holperte von Felsen zu Felsen bis ich da durch war. Dabei mein Gehäuse des Lüfterrades beschädigt.
Den Deckel abgeschraubt, mit faustgroßem Stein von innen ausgebeult mit einem breiten Streifen Isolierband von innen und außen das Loch verklebt und weiter gings. Die Auffahrt wurde steil und steiler. Mehrmals das Gepäck abgeladen und ohne hochgefahren. Sherpas gibt es dort nicht, also selber mein Gepäck mehrere hundert Meter wenn nicht sogar Kilometer getragen, abgelegt und das Motorrad ohne daraufzusetzen begleitet. Die Übersetzung ist so ungünstig in den Bergen, das selbst mit Standgas ca. 10 km/h gefahren wurde. Drauf sitzen war nicht möglich, da würgte der Motor ab. Neben herlaufen, bei über 2000 Höhenmetern und deutlich mehr ging auch nur in Etappen von ein paar Sekunden. Spürte mein Herz im Hals schlagen, dachte gleich geht nichts mehr. Total ausgepumpt und entkräftet unser Zelt direkt am Wegesrand aufgestellt.
Welch ein Genuß, den Ziegenkäse von dem Farmer und das Fladenbrot dabei zu haben. Müsliriegel als Dessert und der Tag ging zu ende.
Der letzte Gedanke bei mir,6 Ps sind einfach für so eine Strecke nicht genug bevor ich im Traum noch weitergeschoben habe.


Sa.19.07.2008

Geschlafen wie Tot .Daran sehe ich, wie viel Energie Gestern verbraucht wurde. Die Erkenntnis immer noch nicht am Gipfel zu sein bereitete mir Magendrücken. Noch so ein Tag, wie Gestern...............oh bitte nicht. Reinhard ist den Weg nach oben abgegangen und sagte nur noch ca.500 m. bis zum Gipfel. Diese waren genauso anstrengend ,aber das Ziel vor Augen gibt neue Motivation und Kraft.
Das Gefühl bei knapp unter 3000m angekommen zu sein, war unbeschreiblich schön. Auf der Bergkuppe war ein Steinhaufen, der von Durchreisenden immer mehr mit abgelegten Steinen belegt wurden. Von Buddhistischen Gebetsfahnen über alles mögliche legten die Menschen dort ab, um dem Berggeist zu huldigen und seine Gnade zu erhalten wieder heil runter zu kommen. Ich spendete eine 8 Mutter, die ich zuvor gefunden hatte.
So steil wie es rauf ging, ging es auch wieder runter. Das Gefühl, ob wir überhaupt auf dem richtigen Weg waren, war auch nicht grade aufbauend. Nochmal diese Strapaze...ich glaub, ich würde kündigen.Mußten um einen See herumfahren dort einen schönen Übernachtungsplatz gefunden. Schöne Spiegelung in diesem gesehen. Auf der anderen Seite eine Herde mit Yaks grasen gesehen.

So.20.07.2008

Leider war die Bergetappe immer noch nicht zu ende. Der nächste Berg kündigte sich an. Drehzahl wurde langsamer, die Geschwindigkeit logischerweise auch. Es ging nur noch im ersten Gang und meine zu kurzen Beine halfen mit Schieben. Reinhard war schon meinen Blicken entschwunden. Rechts von mir auf einem Plato eine Gruppe Menschen gesehen, die mich auch noch unverschämter Weise gefilmt haben. Ich schimpfte wie ein Rohrspatz und winkte mit meinem Arm, sie sollen mir bitte gefälligst zu Hilfe kommen und sich nicht an mir ergötzen. Das half sogar. Sie kamen zu mir runter und halfen schieben. WELCH EINE ERLEICHTERUNG. Oben angekommen auch etwas mit ihnen geplauscht. Waren Touristen aus Moskau .Die Info, das wir auf dem richtigen Weg waren, hat uns auch gut getan. Nach einigen Kilometern auf eine asphaltierte Straße gekommen die wir in Richtung norden abbogen. Reinhard stieg ab und küßte den Asphalt.
Nach ein paar km der nächste Paß, aber dieser war zum Glück asphaltiert und hatte Serpentinen. Er fuhr mit meinem Gepäck hoch, verstaute es nicht sichtbar für andere und kam wieder zurück. Ohne Last fuhr mein Dieselchen, als wenn es nie was anderes getan hatte als Pässe zu fahren.60-80 Kg mache da schon was her. So müßte es immer sein, da wäre die Motorradwelt in Ordnung. In einer Waldschneise übernachtet.

Mo.21.07.2008

Es ist einfach nur schön, sich aufs wenigste zu reduzieren. Als Gegenleistung die Natur pur zu erleben. Schon so viele Sonnenuntergange erlebt und trotzdem immer wieder schön.
Der Nacht und Sternenhimmel der nicht enden will. Die Milchstraße, die ich als Kind zu letzt gesehen habe.
Auch das Geschenk des Farmers, der Ziegenkäse und das Fladenbrot, in dieser Situation am Berg zu essen, total entkräftet, ohne noch was zubereiten zu müssen. Das alles sehen zu können, macht mich reich an Empfindungen.
Bin so dankbar, das ich es erleben kann und darf.
Kurz nach dem wir wieder auf der Straße waren, kamen wir an eine Paßhöhe. Nicht so hoch, wie die Vorherigen, aber mit ganz vielen Gebetsfahnen behangen..Mehrere Bäume waren voll mit denen. Erinnerungen an Nepal werden wach. Sind abgestiegen und haben diesen schönen Platz besichtigt .Es war mehr als wert, diesen Platz erlebt haben zu dürfen. Mehrere Meter im Wald stand eine große Buddhastatue aus Stein. auf einem Sockel. Dieser Ort hat eine starke Ausstrahlung.
Die Landschaft ändert sich hier ständig. Der Grenzzaun zur Mongolei ist in Sichtweite. Beim Durchfahren einer kleinen Ortschaft nach Diesel gefragt. Keine Tankstelle, aber ein Trafohäuschen, wo ein LKW Motor den Generator für den Dorfstrom antreibt. Aus diesem großen Tank wurden mit einer Fasspumpe unsere Motorräder befüllt für ein paar Rubels.
Laut Lonely Planet ist diese Gegend als sehr gefährlich eingestuft. In etwa so wie in den Gründer Jahren der Wilde Westen früher in der USA.
Reinhard drängte darauf nicht länger als notwendig hier zu bleiben.

Di.22.07.2008

Habe das Gefühl, in einer Anderen Welt zu sein. Landschaft wie im Schwarzwald, viele Bäume wie Tannen nur 50-70 m hoch. Auch sehr interessant die Jurten links und rechts der Straße. Lustig, das die großen Hirtenhunde das Geräusch unserer Dieselmotorräder nicht mögen. Rennen 300-500 m kläffend von ihrem Hof bis zur Straße, Reinhard ist dann schon an ihnen vorbei und für mich haben sie dann keine Luft, oder Lust mehr. Drehen sich um und trotten zurück, ohne mich eines Blickes zu würdigen. Oder sie mögen nur seinen Ton nicht. Mehrmals die Videokamera in Bereitschaft gebracht, wollte die neben mir herlaufenden Hunde filmen, aber dazu kam es nicht einmal.
Unterwegs ein Restaurant gefunden, wo mehrere LKW parkten, was ganz aus der Art geschlagen war. Vom Aufbau, mit Terrasse und ein Speiseangebot, was bisher noch nicht in Rußland gesehen hatte. Der Inhaber war Usbeke, ob das der Grund war? Bezeichnend für das meist weibliche Restaurant personal war das die meisten extrem unfreundlich und unhöflich waren oder wirkten, als ob ihnen jede Auftragsannahme zu viel wäre .Man konnte schon fast von 1-100 bezeichnen, die neutral wirkten. Geschweige freundlich waren. Frage mich nur, warum so Menschen nicht lieber in irgend welchen Kellern oder Leichenhallen arbeiten gehen.

Mi.23.07.2008

Auffällig sind seit Gestern diese Steintafeln, die in einer Bestimmten Zuordnung zueinander in die Erde eingelassen sind. Erinnern mich an Grabsteine .An einem kleinen Tataren oder Hunnen Museum vorbeigefahren, aber aus Zeitmangel nicht angehalten. Denke mir, das es aus alter Zeit, Grab oder Opferstätten sind.
An einer Tankstelle angehalten und unseren fälligen Ölwechsel gemacht. Nehmen uns in acht, so wie man es zu Hause auch machen würde und gaben dem Tankwart die Plastikflaschen mit dem Altöl zurück. Der kippte diese einfach auf einen nahen Müllhaufen. Eine Herde Pferde, trieb sich auf dem Gelände der Tankstelle zwischen den tankenden Autos rum. Eins sprang aufs andere und vermehrte sich. Ehe ich meine Kamera bereit hatte, war der Akt vollzogen.


Do.24.07.2008

Fahren, was die Mopeds hergeben. Keine besonderen Vorkommnisse. Müssen Km machen.

Fr.25.07.2008

Sind auf dem Weg zur Fähre nach Olchon. Eine Insel im Baikalsee. Der größte Süßwassersee der Welt. Die Fähre ist für jedermann kostenlos. Es passen mal grade 15 PKW drauf. Wenn Bus oder LKW mitfahren umso weniger. Diese haben Vortritt. Gute 30 min dauert die Überfahrt. Die letzten Km vor der Fähre sind schon Schotterwege. Als Motorradfahren nimmt es niemand übel, wenn man sich an dem PKW-Stau vor der Fähre vor schummelt.
Die gesamte Insel steht unter Naturschutz und hat auch nur Naturstraßen. Erste Nacht in einem besseren Holzbungalow übernachtet, wegen Reservierung nur eine Nacht möglich gewesen.Mit dem Hausmeister dieser Anlage meinen immer lockerer werdenden Lenker wieder strammer gemacht..

Sa.26.07.2008

1 €=36 Rubel
Heute morgen zum privaten Zimmervermieter umgezogen. Pro Person 250 Rubel gezahlt.
Reinhard wollte zum nördlichsten Punkt der Insel. Mein Dieselchen hatte Ruhetag ich fuhr bei ihm mit. Nach 25 Km fing es an zu regnen. Der schwarze Lehmboden, so wie ich ihn von Kasachstan kannte war nach 30 min. Regen unfahrbar. Selbst Autofahrer ließen ihren Wagen mitten auf den Pisten stehen, weil nichts mehr ging. Riet Reinhard auf den Grasnaben zu fahren, da hatte er wenigstens noch etwas Traktion. Total durchnäßt kamen wir Stunden später in unserer Unterkunft an. Vermieterin hat unsere Sachen in der Banja getrocknet.

So.27.07.2008

Den Tag mit nichts tun verbracht.

Mo.28.07.2008

Wetter war bewölkt, Stimmung etwas gemischt. Also ab durch die Mitte in Richtung Fähre .Und wieder Kilometerweit nur Piste gefahren. Am Fährhafen wieder an PKW,s vorbeigefahren und erste Reihe eingenommen. Reinhard wiederholt mit kleinen Elektrikproblemen. Zum Glück nur Massekabel.

Di.29.07.2008

Heute wieder wie jeden Tag Kilometer gemacht. Aber zu Abendzeit in ein Gebiet gekommen, was sehr schön anzuschauen und zu befahren war. Eine Traktorspur gefunden, die den Hügel hinauf führte. Reinhard mußte mal wieder mit Schieben aushelfen. Ein Panoramablick, wie er schöner nicht sein kann. Mit Abstand der schönste Übernachtungsplatz. Einige Km zuvor, als das hügelige und kurvenreiche Gebiet anfing, an einem kleinen Plato kurze Pause gemacht. Kurz darauf Transalpfahrer aus BB getroffen. Der auf dem Weg nach Irkutsk war, um von dort mit dem gleichen Zug, wie sein Motorrad nach Moskau zu fahren. Nach kurzem Erfahrungsaustausch kam noch Arthur, ein 82 J. Australier mit einer ehemaligen 200er Post Yamaha auch auf diesen Parkplatz Er war noch mehr bepackt als ich. Nach ein paar Gesprächen fuhren wir ein paar Km zusammen in Richtung Wladiwostok, was auch sein Ziel war.

Mi.30.07.2008

Chita. Es bietet sich nach 4 Wochen an, hier unser Zolldokument für unsere Motorräder verlängern zu lassen. Finden auch recht schnell das Zollamt Zum Glück auch Englisch sprechendes Personal und glücklicherweise vor ein paar Tagen andere Motorradfahrer hier waren, mit gleichem Begehren. Vom Motorradfahrer mitgebrachten Antrag hatten sie kopiert und nun mit unseren Daten ausgefüllt. Mußten aber noch zu zwei weiteren Zollstellen jeweils einen weiteren Stempel eintragen lassen. Dank eines Stadtplanes, der uns mitgegeben wurde auch schnell gefunden. Der letzte Stempel war am Flughafen abzuholen. Auf dem Rückweg noch eine Werkstatt gesehen, wo ich meinen Schutzblechhalter schweißen ließ. An der schönen Kirche, die auch vom Zug aus zu sehen ist angehalten und fotografiert.
Danach irgendwo außerhalb von Chita übernachtet.

Do.31.07.2008

Bis ca.200 Km hinter Chita war die Straßen asphaltiert. Danach ging es 1600 Km auf Schotter, Sand, Wellblech weiter. Der Weg extrem staubig, mit Spurrillen, wo der Sand, oder Schotter auseinander gefahren war. Diese Aufhäufungen sind besonders gefährlich, weil locker. Die Fahrspuren sind ständig im Wechsel. So das man immer voll konzentriert fahren muß. Erschwerend kommt noch hinzu je nach Windrichtung, das der intensive Gegenverkehr, oder die uns überholenden Fahrzeuge eine extreme Staubwolke auslösen, so das manchmal für etliche Sekunden keine Sicht war. Man muß anhalten und warten, bis er sich gelegt hat. Reinhard .hatte noch größere Probleme zu fahren, da sein Motorrad einen verlängerten Radstand hatte und das sich bei ihm sehr negativ auswirkte. Zusätzlich keine Schutzkleidung dabei hatte. Im Fall eines Falles, wäre er ganz schön ramponiert. Also fuhr er extrem vorsichtig und langsam. Muß meinem Dieselchen ein großes Kompliment aussprechen, in dieser Disziplin verhielt sie sich vorbildlich und machte genau das, was ich von ihr wollte.
Oder lag es daran, das ich schon öfters in der Kiesgrube Motocross gefahren bin???Bei etwas mehr Motorleistung wäre ich 100 % mit ihr zufrieden.

Fr.01.08.2008

Km und Staub gefressen.


Sa.02.08.2008

Siehe Vortag.


So.03.08.2008

Siehe Vortag


Mo.04.08.2008

Siehe Vortag


Di.05.08.2008

Siehe Vortag.


Mi.06.08.2008

Siehe Vortag.


Do.07.08.2008

Am Wegesrand standen 2 PKW und zwei Männer winkten uns hektisch zu. Wollte erst weiterfahren, in Erinnerung vor 2 Wochen, wo ein Rumänischer Clan mit 2 Autos auf der Landstrasse, mit gleichem hektischen Winken uns zum Anhalten veranlaßte. Zigeuner die nur ihren mit Sicherheit gefälschten Siegelring verkaufen wollten, angeblich, weil kein Geld für Benzin um ihre schwangere Frau ins Krankenhaus bringen wollten .Da war er bei mir an der richtigen Adresse.
Helfe grundsätzlich, wo ich helfen kann, aber nicht, wenn mich jemand verarschen will

Erkannte zwischen den PKWs das gelbe Postmotorrad von Arthur dem Australier.
Hielten sofort an.Sein linker Unterschenkel war gebrochen. Ist auf dem losen Sand ins schlingern geraten und gestürzt. Die hinteren Blechkästen knallten auf sein Bein und zerbrachen den Knochen. Wir halfen, und warteten ca.2 Std bis die Polizei mit einer Ärztin kam. Gemeinsam trugen wir ihn in den Geländewagen.
Ein Polizist fuhr sein Motorrad ins Krankenhaus.
Wir konnten nichts weiter machen. Waren schon sehr bedrückt übers vorzeitige Aus für Arthur.
An der nächsten Raststätte trafen wir zwei Russische Motorradfahrer auf einer 650 und 1200 BMW in Vollausstattung, diese auf dem Weg nach Nakhodka zum Motorradtreff. Sie haben auch Arthur getroffen und kümmerten sich um eine Verbindung zu seiner Tochter in Australien, damit diese den Rücktransport einleitet. So schließt sich wieder der Kreis der Solidarität unter uns Motorradfahrehren.
An dieser Raststätte fuhr Reinhard sich einen Plattfuß ein. Der einzige übrigens während der ganzen Fahrt für uns beide.

Fr.08.08.2008

Heute kräftig Gas gegeben wollten unbedingt jetzt auch zu diesem Treffen nach Nakhodka.
Gegen 16 Uhr im Ort angekommen. Nirgends ein Hinweiszeichen zum Treffen. Ein Pkw hielt an und fragte ob wir Hilfe brauchten, fuhr wie selbstverständlich vor uns her und zeigte den Weg. Mit Baseballschlägern standen die offiziellen am Eingang der Schranke. Wir mit unseren vom Dieselruß geschwärzten Gesichtern müssen wohl etwas seltsam ausgesehen haben. Was der Begrüßung aber keinen Abbruch tat. So herzlich und freundlich, als ob wir hier schon Stammgäste wären. Das erste große Glas Bier, was mir von jemandem zur Begrüßung gereicht wurde, machte ich auf einen Zug leer. Man weiß ja, was sich gehört. Aus dem umgestülpten Glas fiel kein Tropfen mehr raus was mit lautem Beifall dafür honoriert wurde.Reinhard wusste erst nicht, was los war. Uns wurde sogleich ein Ehrenplatz zum Zelten zugewiesen. Durften uns duschen und dann ging die Party los.....

Sa.09.08.2008

Gegen 11 Uhr an der gemeinsamen Ausfahrt teilgenommen. Polizei fuhr vorweg zum ca.20 Km entfernten Denkmal, wo sich alle zum Gruppenfoto aufgestellt habe bevor es wieder zurück ging.
Fortsetzung von Gestern, jeder wollte mit uns anstoßen und reden. Unzählige Fotos wurden gemacht. Gegen 22 Uhr mußten wir mit auf die Bühne, wo die einzelnen Preise der Clubteilnehmer verteilt wurden.
Es ist schon ein schönes Gefühl, wenn einem viele hundert Motorradfahrer zujubeln und gratulieren.
Irgendwann in der Nacht, auf dem Weg zu meinem Zelt noch mit jemanden ins Gespräch gekommen der mein Motorrad sehen wollte. Nach einigen min. wollte er es auch hören, etwas Imponiergehabe in mir, vom Wodka unterstützt machte wahr, das ich sie antreten wollte. Klappte aber nicht. Die Dose Dr. Diesel Bier, die ich in der Hand hielt animierte mich eine Drohung auszusprechen, wenn du nicht anspringst, bekommst du das Dieselbier zu trinken.
Dieselchen wollte nicht. Ich fühlte mich als ein Mann ein Wort und ließ dem Wort die Tat folgen.Dosenbier in den Tank gekippt und weiter gekickt. Da sprang sie an zu meinem eigenen Erstaunen.

So.10.08.2008

Irgendwann als ich nicht mehr ganz so doll lallte und wieder denken konnte, machte R. mich auf meinen Blödsinn, den ich verzapft hatte aufmerksam und sah genüßlich zu wie ich im noch halbvollem Kopf den Tank ausbaute und zu entleeren begann. Nach dem Motto, wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.
Nach ein paar Stunden machten wir uns auf zur Weiterfahrt.Am frühen Nachmittag einen ruhigen Übernachtung Platz gesucht um den verlorenen Schlaf der letzten Tage wieder aufzuholen.

Mo.11.08.2008


WLADIWOSTOK:DER BEZWINGER DES OSTENS

So die Übersetzung für Wladiwostok.
Ein schönes Gefühl unter dem Schild zu stehen und Erinnerungsfotos zu machen. Es erfüllt einen mit Stolz und Genugtuung, aber auch etwas mit Traurigkeit, weil es von nun an wieder zurück geht.

Am frühen Nachmittag in WLW angekommen. Da auf einer Nebenstraße gefahren, ein nur unscheinbares Ortsschild vorgefunden .Im Priama Hotel für 350 Rub..übernachtet. Reinhard .hatte keine Lust was günstigeres zu suchen. Hat gleich für 3 Tage gebucht. Für mich eine kleine Spur zu teuer. Habe in der Nahe eine Feuerwache entdeckt und nach einer günstigen Übernachtung gefragt. Am günstigsten bei uns, wurde erwidert was ich mir nicht zweimal sagen ließ.
War mit 10 Feuerlöschern in einem Raum untergebracht. Für mich kein Problem, da Tagsüber sowieso unterwegs.WLW hat mir sehr gut gefallen. Inter. Hafenstadt und Gebäude. Man spürt den Umbruch in der Gesellschaft.Die Cleveren,die den Durchblick haben schaffen es auch schnell nach oben.

Di.12.08.2008

Beider Bahnverladung gewesen Zug führt zur Ukraine und nach Moskau. Motorrad geht nur über Güterzug. Zur Ukraine deutlich teurer, also ab nach Moskau.In Anbetracht der Lage bin ich nicht traurig, auch wenn es 900 Km weiter ist.

Mi.13.08.2008

Gebummelt, Stadtleben beobachtet.

Reinhard. hat eine Reederei gefunden, die sein Motorrad im Container nach Deutschland verschifft.

Do.14.08.2008

Nach dem Frühstück zur Bahn gefahren. Beide Räder ausgebaut. Lenker abgenommen. Mit Holzlatten einen stabilen Verschlag gezimmert. Satteltaschen und Gepäckrolle wurden in einen Sack eingenäht und mit verladen. Hat 18000 R gekostet. Ich fuhr für 11000 und mein Dieselchen für 7000 R also ca 500€ nach Moskau. Reinhard hat für seinen Container 3000$ gezahlt.


Fr.15.08.2008

Gebummelt und im Kino gewesen.


Sa.16.08.2008

Strand und Promenaden Leben genossen.

So.17.08.2008

Mit Seilbahn WLW von oben betrachtet.
Sehr viel Bauarbeiten zu Gange.

Mo.18.08.2008

Heute 50 Tage unterwegs. Es ist trüb und bewölkt
Mit Reinhard hinterm Stadion in einem Georgischen Restaurant gut gegessen.
Gegen 21 Uhr haben wir uns verabschiedet und uns gegenseitig gute Weiterfahrt-Flug gewünscht. Er fliegt am Mi.heim. Sein Motorrad steht schon beim Zoll, für ihn eine große Erleichterung. Wird wohl ein paar Wochen dauern bis es per Schiff Deutschland erreicht.
Von den Feuerwehrkollegen sehr herzlich verabschiedet worden. Einer hielt auf der Straße einen Autofahrer an und sagte ihm, er möge mich mit Gepäck zum Bhf. bringen Was dieser Mann auch sofort und gerne machte.
Auf Deutschland übertragen großes Fragezeichen....
War kurz nach 22 Uhr dort.Überall in Rußland auf den Bahnhöfen bequeme Sitze und auch der Rest des Bahnhofes im sehr guten,vorzeigbaren Zustand.
Die Zeit verstrich ziemlich schnell.Übrigens auf allen Bahnhöfen herrscht Moskauer Uhrzeit.
Bei meiner Tour bin ich durch 9 Zeitzonen gefahren.

Di.19.08.2008

Laut meiner Fahrkarte führt der Zug am 18.8. um 20.16 Uhr ab. Wegen dem Zeitunterschied zu Moskau geht es hier um 03.16 Uhr am 19.08. pünktlich los.
Wagen Nr.7 Platz Nr.29. 4 Schlafplätze. Hatte das Abteil für mich allein. Tür war von innen zu verriegeln, Aus dem Lautsprecher klang Russische Musik die sich in der Lautstärke verstellen ließ.
Zwei hübsche junge uniformierte Frauen sind für diesen Waggon zuständig. Am Eingang zum Waggon steht ein großer fest installierter Samowar, der von jedermann kostenlos benutzt werden kann. Vom Personal kann man Kaffee, Cappuccino oder Suppen in Tüten für kleines Geld kaufen Zwei Toiletten, am Anfang und Ende des Waggons, die kurz vor Einfahrt in jeden Bahnhof abgeschlossen werden.
Es ist sehr angenehm hier im Zug. Bin immer noch allein in diesem 4. Abteil. Mitreisende sind sehr freundlich und offen. Im Nebenabteil, eine junge Offiziersfrau aus Murmansk, mit ihrer 12 jährigen Tochter. Hat 10 Tage Urlaub in WLW gemacht und ist jetzt auf dem Rückweg .10 Tage hin, 10 Tage zurück. Im Fliegen wäre es deutlich schneller gegangen. Offenbar ist die Zugfahrt sehr beliebt. Zu Essenszeiten kommt die Kleine und lädt mich in ihr Abteil zum gemeinsamen Essen ein. Die Unterhaltung auf Polnisch funktioniert ganz gut, wie meistens bei meinen Russlandreisen.

Mi.20.08.2008

Ungewöhnlich für mich, das bei so einer langen Zugreise der Terminplan in Rußland eingehalten wird. Im Gang an der Wand eine Tafel, wo alle Bhf. zwischen Moskau und WLW aufgeführt sind, mit Km angaben zwischen den einzelnen Bhf. An und Abfahrtzeiten dieser und wie lange die einzelnen Wartezeiten sind. Praktisch für die kleinen Einkäufe am Bhf., wo man von den Babuschkas leckere selbst zubereitete vielseitige Speisen sehr günstig kaufen kann.

Do.21.08.2008

Stelle fest, das die Zeit im Zug in keinster Weise langweilig ist. An einigen Stellen sogar die Plätze wiedererkannt an denen ich Tage vorher vorbeigefahren bin. Längere Zeit am Baikalsee entlang gefahren.

Fr.22.08.2008

Sa.23.08.2008

SO.24.08.2008

Es gab nichts Außergewöhnliches zu erwähnen.

Mo.25.08.2008

Nur noch 116 Km bis Moskau. Die Zugfahrt habe ich in sehr angenehmer Erinnerung. Außer mir noch ein junger Mann aus Amerika im Zug, aber in einem anderen Waggon. Reist mit Rucksack durchs Land und organisiert irgendwelche Termine für eine Gruppe von Musikern. Haben uns Gestern zum ersten mal getroffen und unterhalten. Da kam ein Russischer Mann mit seinem Banjo hinzu und brachte uns ein Ständchen. Sehr vielseitig, was er so spielte. Irgendwann in der Nacht ist eine junge Frau zu mir ins Abteil.2 Stationen weiter wieder ausgestiegen. Hatte die ganze Reise das Abteil für mich, bis auf die kl. Unterbrechung.
Am frühen Nachmittag in Moskau mit 20 Min. Verspätung angekommen. In Anbetracht der Strecke von über 9000 Km ein Nichts.
Leider mein Motorrad nicht im Güterzug dabei, der Zeitgleich auch hier sein sollte.
Übernachtung bei der Feuerwehr nicht möglich. Kommandant war sehr unfreundlich.
Ganz anders,wie ich es von meiner ersten Ukraine-Rußland-Tour in Erinnerung hatte.

Ein Hotel für 50€ gefunden.

Di.26.08.2008

Ständig zur Bahn anrufen lassen, aber mein Motorrad immer noch nicht da.



Mi.27.08.2008

Mit Bedauern wird festgestellt, das mein Motorrad die ganzen Tage in einem anderen Verschlag stand, wo nicht nachgesehen wurde.
Bin sogleich zur Bahn, baute mein Motorrad zusammen und war froh Moskau verlassen zu können.
Ca.360 km in der Nähe der Ortschaft Rzhef meinen 2.schlimmsten Tag erlebt.
Wie immer gegen 18 Uhr Übernachtungsplatz gesucht. Einen Feldweg rein gefahren, der viele tiefe Bodenwellen hatte,die aber leider mit Regenwasser gefüllt waren.
War von Moskau noch so sehr genervt,so das meine Vor und Umsicht noch nicht aktiviert war. In einer besonders tiefen Mulde verschluckte sich mein Dieselchen und sagte kein Ton mehr. Stand bis zur Hüfte im Wasser. Alle Versuche blieben erfolglos. Packte mein Gepäck ab, baute mein Zelt auf und schlief mich erst mal aus.

Do.28.08.2008

Weiß nicht wie, aber durch millimeterweise vor und zurückschieben konnte ich fast auf der Stelle drehen und aus dieser Mulde raus schieben. Antreten ließ sie sich aber immer noch nicht. Packte mein Gepäck aufs Motorrad und schob dieses auf dem oberen schmalen, grasbewachsenen Rand des Feldweges .Als ich in ein linksseitiges Loch hineintrat bekam das Motorrad Übergewicht und kippte kopfüber in dieses. Lenker, Tankt waren jetzt unten und die Räder drehten sich in der Luft. Ich fluchte wie ein Rohrspatz, aber das half alles nichts. Bevor mein Diesel-Tank auslief, erst mal das gesamte Gepäck schnell abgepackt und nach oben auf den Weg geworfen. Ein Aufrichten von gut 190 Kg war nicht möglich .Zum Glück starre Fußrasten. Auf dieser das Motorrad gedreht, so das die Richtung wieder stimmte Zum weiteren Glück sanften Anstieg aus dem Loch ,so das ich alleine die Schräge wenn auch langsam aber sicher da raus geschoben bekam. Diesmal das Gepäck nicht mehr aufgeladen sondern zur 3 Km entfernten Straße getragen. Anschließend das Motorrad dorthin geschoben. Gepäck wieder aufgesattelt und versucht anzutreten .Keinen Muckser. Kraftstoffleitung kontrolliert. Einspritzdüse ausgebaut, kontrolliert, gute Funktion, wieder eingebaut. Wußte mir keinen Rat mehr.
Stellte mich 300 m vor meinem Motorrad auf die Straße und wollte LKW anhalten, die nach Lettland fuhren.90 Min, keiner hielt an. Dachte mir bringt sowieso nichts, ihre Ladeflächen sind ja versiegelt können ja gar nichts außer der Reihe mitnehmen. Wieder zum meinen Dieselchen. Die Hoffnung stirbt als letztes habe ich mal irgendwo gehört.Wieder unzählige Kick versuche. Eine ganz winzige Fehlzündung gab sie von sich. Das motivierte mich wieder von vorn. Habe ihr zugeredet, sie gestreichelt bitte bitte spring an, brauchst auch nur ganz langsam zu fahren, mit 10 Km/h, bin ich zufrieden. Es ist nicht zu glauben, aber sie tat mir den Gefallen. JUBELLLLLL, was war ich glücklich, diese Strapazen überstanden zu haben. Mit Reinhard wäre diese Situation sicher ganz anders ausgegangen, aber ich war ja jetzt alleine auf Achse und mußte sehen, wie ich zurande komme. Am Anfang auch wirklich nur 10 Km/h gefahren nach ein paar Minuten langsam gesteigert bis mein Dieselchen wieder wie gewohnt mit 80 durchs Land zuckelte.

Fr.29.08.2008

Trotz der schlimmen Umstände noch ca.500 km bis Sebezh, die Ortschaft, die wir schon auf dem Hinweg aufgesucht hatten, um unser Zolldokument verlängert zu bekommen. In Erinnerung an letzte Übernachtung wollte ich mich nicht mehr in irgendeinem Feldweg einbuddeln.Hatte in Erinnerung dort eine Feuerwehr gesehen zu haben. Fuhr hin, fragte und wurde wieder freundlichst aufgenommen.

Sa.30.08.2008

Bis zur Grenze ca.20Km.Übergang ging zügig und problemlos. Kurz hinter Rezekne in Lettland eine Autowerkstatt aufgesucht um eine gelöste Getriebehalteschraube anziehen zu lassen, da keine Reserve Muttern mehr vorhanden. Dieser sehr fähige Werkstattmeister sah noch andere Punkte, die ich übersehen hatte, die repariert werden mußten. Für kleines Geld wurde ich wieder mehrerer Sorgen enthoben. Dann rief er noch seinen Freund an, der auch Motorradliebhaber war und dieser sagte mir, wo auf meinem Heimweg noch ein schönes Motorradtreffen an diesem Wochenende statt findet. So bin ich Heute noch bis Swedasei gekommen, wo ich wieder sehr freundlich von einer Gruppe Harleyfahrern aufgenommen wurde.
Einer von den Deutschsprachigen sagte immer wieder er sein total daneben, aber das es noch jemand auf der Welt gibt der noch mehr daneben steht, das konnte er nicht begreifen...mit 6 Ps bis Wladiwostok, das war zu viel für ihn. Bier und Anderes floß wieder in Strömen.


So.31.08.2008

Schöne Stimmung gewesen. Vom Präsidenten noch das T-Shirt geschenkt bekommen von den Free Hawk mit ihrem Vereinswappen drauf. Ausfahrt mit den Jungs gemacht wie bei allen Motorradtreffen. Große Menschenmengen standen am Bürgersteig parallel zur Straße und winkten den Motorradfahreren zu. Die Presse war anwesend und wurde vom Präsidenten zu mir geführt, wo ich auch gerne meine Tour nach WLW geschildert habe.

Mo.01.09.2008

Nach gut 600 Km in Lublin bei Justyna und Maciek wieder angekommen. Sie erwarteten mich am Ortseingangsschild. Das Wiedersehen war schön Haben mich ihren Studienfreunden vorgestellt. Abends gemeinsam einen Zug durch die Altstadt von Lublin gemacht. Die Nacht im Haus von Justynas Eltern verbracht.

Di.02.09.2008

In Opeln,Partnerstadt Mülheims,wo ich vor etlichen Jahren beim Hochwassereinsatz 3 Wochen mit den polnischen Kollegen zusammen die Flutschäden behoben habe,
die Hauptwache aufgesucht. Dort auch übernachtet. Marek ist mittlerweile in Krapkowitze Chef einer kleineren Feuerwehr.
Auch so kann man internationale gute Kontakte knüpfen,die bis Heute anhalten.

Mi.03.09.2008

Marek auf seiner Wache besucht, die Frau auf der Leitstelle spricht gut Deutsch. Marek informierte die Presse und diese machte ein großes Interview mit mir. Wo eine ganze Seite in der Tageszeitung meiner Tour gewidmet wurde.


Do.04.09.2008

Glücks, oder Pechtag Heute. Bin kurz vor der Polnisch Deutschen Grenze. Görlitz nur noch wenige Km vor mir, plötzlich will mein Dieselchen die kleinste Steigung nicht mehr hoch. Im Leerlauf kein Problem was den Motorlauf betrifft. Sobald ein Gang eingelegt wird geht er in die Knie. Getriebe geöffnet, nichts wesentliches festgestellt. Kupplungsscheiben und Lamellen kontrolliert, ebenso. Primer-kette ist lose, aber daran kann es nicht liegen. Verzweifle, will es nicht wahr haben. Muß mich aber geschlagen geben ,ich kann mir ,bzw. meinem Dieselchen nicht helfen. Keine 30 Km vor der Deutschen Grenze. Rufe meine Versicherung an und bitte um Abschleppdienst. Dieser kommt auch ziemlich schnell, keine 90 Min gewartet. In ein Hotel gebracht worden.

Fr.05.09.2008

Ausgeschlafen und nach dem Frühstück vom Abschleppdienst abgeholt worden. Im Büro die Formalitäten geregelt und für 3 Tage einen Kleinwagen geliehen bekommen.

Habe es mir etwas anders vorgestellt, war aber am Freitagnachmittag in Gieboldehausen zum Motorradtreff angekommen. Mein Zelt aufgebaut und mich in das Getümmel zu Gleichgesinnten gestürzt. Zu erzählen gab es ja mehr als genug. Aber auch von vielen Anderen. So das das Zuhören ebenso schön ist.
Für das Treffen jetzt am ersten Septemberwochenende 2010 an gleicher Stelle habe ich den Auftrag über unsere Tour vom Reinhard und mir mit unseren Dieselmotorrädern unseren Lichtbilder Vortrag vorzuführen.
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