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Motorrad verschiffen nach Cartagena, Kolumbien - so geht's

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Motorrad verschiffen nach Cartagena, Kolumbien - so geht's

Beitragvon Unterwegs » 29.10.2012 01:24

Wir haben mit Olaf Kleinknecht von in Time in Hamburg verschifft. Das Moped wird in Deutschland abgeholt und aufs Schiff gebracht, das ist komfortabel. Fragendazu hat Olaf immer prompt beantwortet.
Abfahrten ab Hamburg gibt es wöchentlich, die Fahrtzeit dauert rund zweieinhalb Wochen. Da es zwischen Hamburg und Cartagena keine anderen Häfen zum Anlaufen gibt, ist die Gefahr von Verspätungen gering. Unser Schiff war auf den Tag genau da.
Ab Einlaufen des Schiffes dauert es rund drei Arbeitstage, bevor man die Einfuhr des Mopeds starten kann. Der Agent Mahé Shipping informierte uns über alle Schritte ausführlich per Email, allerdings auf Spanisch. Rechne für den administrativen Prozess für Hafenbehörde und Zoll drei Tage ein.

Dann ist der Ablauf wie folgt:

1. Taxi zum Office des Agenten, um die Rechnung für das Entladen zu bezahlen. In unserem Fall waren das USD 500 pro Moped. Du erhälst vorgängig eine Rechnung. Die Rechnung ist in USD, bezahlen musst du aber in Peso. Umrechnen kann nur der Buchhalter in Bogota, der telefonisch angefragt wird. Am besten also um 8 Uhr morgens beim Agenten auftauchen. Die Adresse steht ganz klein geschrieben auf einem der vielen Mails, die du erhälst. Suchen! Und genügend Pesos mitbringen. Wir hatten Schwierigkeiten, genügend Geld am Bancomaten zu beziehen, weil es oft nicht klappt, oder die Limiten tief sind. Im übrigen Südamerika geht das besser. Tipp: auch bei ec/Maestro Karten immer Taste "Kreditkarte" wählen, sonst funktioniert es in ganz Südamerika eh nicht.

2. Wenn du bezahlt hast, erstellt der Agent eine Quittung. Diese ist das Eintrittsticket für den Zoll (DIANE). Wo die DIANE ist und welches Pult du ansteuern musst, da musst du dich durchfragen. Am Eingang zuerst noch Badge lösen. Dann Formulare ausfüllen und fünf kopierte Belege abgeben (Quittung Mahé, Bill of Lading, Fahrzeugausweis, Führerschein und Pass).

3. Nach dieser Hürde geht es zur Hafenbehörde, ca 1km von DIANE. Durchfragen, Badge lösen beim Eingang. Hier Formulare ausfüllen und beweisen, dass du über eine Lebens- und Todesfallversicherung verfügst. Ohne diesen Nachweis darfst du das Hafengelände nicht betreten und dein Moped bleibt unerreichbar.

4. Dann geht es darum, einen Termin mit dem Zollinspektor zu erhalten, der bestätigen muss, dass die Maschine, die du abholen willst, deine Maschine ist. Diese Termine werden nur bis 9.30h vergeben. Vorsicht vor Termin am nächsten Morgen um 7.00h, zahlreiche Traveler haben schon um 7.00h gewartet und niemand ist gekommen. Für den Termin erhälst du einen Helm und eine Warnveste, die du tragen musst.

5. Durchfragen, wo Termin mit Inspektor, Badge lösen, dann durchfragen zum richtigen Tor. Vom Inspektor wird alles genau geprüft, Marke, Typ, Farbe, Nummernschild, Fahrgestellnummer. Dann sagt er dir, wann du zu ihm an sein Pult bei der DIANE kommen sollst. Schreib dir seinen Namen auf, sonst findest du ihn nie wieder.

6. Frag dich zum vereinbarten Zeitpunkt bei der DIANE durch, wo der Herr sein Pult hat. Hier solltest du von ihm ein Dokument bekommen, welches auch für alle Polizeikontrollen und die Ausreise wichtig ist, die temporäre Einfuhrbewilligung.

7. Zurück zur Hafenbehörde, die du schon kennst, und Hafengebühren bezahlen. Lagergebühren sind fällig ab 3. Tag. Rechne gesamt mit ca. 60 USD. Jetzt ist alles beisammen, um die Maschine abzuhoeln. Diesmal brauchst du keinen Helm und Weste, nur zum Termin mit dem Inspektor.

8. In der Lagerhalle sind dann auch noch ein paar Schritte zu tun, aber das wird dir vor Ort gesagt. Rechne mit dem Zusammenbau des Mopeds zwei Stunden ein, bis du effektiv aus dem Hafen raus bist.
Für den leeren Mopedtank hat es gleich beim Hafenausgamg eine Tankstelle. Notfalls bis dahin schieben ist möglich.

9. Letzter Tipp: mach von all deinen Dokumenten Fotokopien und zeige diese bei Kontrollen. Das ist einfacher als die Originale zu präsentieren und es kann dir niemand nix wegnehmen. Und achte darauf, dass bei der Ausreise nicht nur der Pass abgestempelt wird, sondern dass auch die Ausfuhr deines Mopeds elektronisch erfasst wird. Unser Grenzposten war so abgelegen, wir hätten ohne nix ausreisen können.

Ja, chicos y chicas, der Aufwand für das Auslösen des Motorrades ist gross. Aber es lohnt sich! Die Kolumbianer sind so freundlich, offen und kontaktfreudig und das Land hat immens viel zu bieten an Landschaften und Sehenswürdigkeiten. Als Tourist ist man hier abseits der Küste noch ein Pionier.
Unterwegs
 
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